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zum Video Greenwashing – wie nachhaltig Unternehmen wirklich sind

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Ob Adidas, Lidl oder Nespresso - das Zauberwort heißt Nachhaltigkeit. Kaum ein Unternehmen, das nicht mit dem Begriff wirbt. mex fragt, was hinter den Nachhaltigkeitsstrategien der Firmen steckt.

Fahrrad aus Kaffeekapseln  

Helga Lauw und Ulrike Dirks haben sich eine Kaffeemaschine samt Kaffeekapseln gekauft. Auch wenn sie eigentlich wissen, wie umweltschädlich die Kapseln sind. Aber im Laden wurde ihr schlechtes Gewissen dann doch beruhigt. Ihnen wurde versichert, dass die leeren Aluminiumkapseln für ein Fahrrad wiederverwertet werden. Nur das hat einen Beigeschmack: Das Rad wird in Schweden hergestellt. Die Kapseln kommen aber aus der Schweiz. Rund 2.000 Kilometer quer durch Europa legen die Kapseln also bis zur Wiederverwertung zurück - und in einem Fahrradrahmen stecken gerade einmal 300 Kapseln.

Das sei grün geredet, sagen Experten wie Jörg Funder. Hier stecke mehr PR drin als wirklich klimafreundliche Taten. "Der Begriff "Greenwashing" bezeichnet die Praxis von Unternehmen, sich grün zu waschen. Im Prinzip Marketing und Kommunikation nachhaltiger erscheinen zu lassen, obwohl das Unternehmen im Kern, oder mit seinen Produkten, eigentlich nicht nachhaltig ist."

Bei Nespresso landen die deutschen Kapseln im Müll - rund 8.000 Tonnen Aluminiumkapseln jährlich. Aber nicht nur das Kapsel-Imperium fährt solche Marketingstrategien.

Schuhe aus Ozean-Plastik

Auch Adidas wirbt damit Schuhe aus Plastik herzustellen, das aus den Ozeanen kommt. Fünf Millionen Paar solcher recycelten Schuhe verkaufte Adidas im letzten Jahr - rund elf Millionen sollen es dieses Jahr werden. Der Werbespot zeigt die schöne Welt: Plastik wird aus dem Ozean gefischt, Meere und Fische gerettet. Adidas erklärt auf Anfrage sogar, woher das Plastik genau kommt: "Im Rahmen einer Kooperation[…] wird an Stränden und in Küstenregionen - beispielsweise auf den Malediven - Plastikmüll aufgesammelt, bevor dieser in die Ozeane gelangen kann.“

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Doch Tatsache ist, dass 400 Millionen Schuhe, die Adidas jährlich verkauft, nicht recycelt werden. Das sei das eigentliche Problem, sagt Philipp Sommer von der deutschen Umwelthilfe in Berlin: "Problematisch ist ja auch die Frage, was denn mit den Abfällen passiert? Adidas stellt aktuell in keiner Weise sicher, dass diese Plastikprodukte am Ende nicht doch wieder am Strand oder im Meer landen".

Weniger Plastik bei Lebensmittelverpackungen

Auch der größte Discounter Deutschlands hat große Ziele. Lidl will in den nächsten sechs Jahren 20 Prozent Plastik bei den Eigenmarken reduzieren. Gleichzeitig verkauft der Discounter  aber jede Menge "To go Produkte" in Kunststoff verpackt. Auch bei Lidl klingt das nach "Greenwashing". Ist es aber nicht, sagt der Experte. Der Discounter fahre tatsächlich eine neue Strategie. Nicht unbedingt aus ökologischen Gründen, sondern viel eher, um neue Kundengruppen zu gewinnen.

Mehr Nachhaltigkeit, um so mehr Geld zu verdienen.  So setzt Lidl zwar auf die umweltschädliche PET-Flasche, recycelt die Flaschen aber. Aus dem Granulat entstehen Rohlinge für neue PET- Flaschen: "Gegenüber der Situation vor wenigen Jahren, verbrauchen wir in der Summe bis zu 70 Prozent weniger PET-Neumaterial. […] So kann Lidl rund 40.000 Tonnen neues PET pro Jahr einsparen“, erklärt der Discounter.

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Das mex-Fazit

Es gibt viele Produkte, die auf grün getrimmt sind, um das Gewissen der Verbraucher zu beruhigen. Aber einige Ansätze sind tatsächlich positiv. Gut für die Umwelt - und für den Geldbeutel der Unternehmen.

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Ein Beitrag von Barbara Berner