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zum Video Grüner Knopf – was hinter dem neuen Nachhaltigkeits-Label steckt

Grüner Knopf

T-Shirts, Pullover, Mäntel. Viele Kleider bekommen jetzt das Siegel gegen Armut – der „Grüne Knopf". Mex will wissen: Top oder Flop – was ist der "Grüne Knopf" wirklich wert?

Seit gestern wird der „Grüne Knopf“ als Etikett in jedes Kleidungsstück eingenäht.  
Wir sind in der Frankfurter Innenstadt bei hess-natur – dort gibt es seit 40 Jahren hochwertige und faire Bio-Mode. Nachhaltigkeitsmanagerin Kristin Heckmann begrüßt den „Grünen Knopf", das erste staatliche Nachhaltigkeitslabel: „Der grüne Knopf ist ein wichtiger Schritt, dafür, dass sich die Arbeitsbedingungen, dass sich die Produktionsbedingungen, in der textilen Lieferkette verbessern können. Was sie auch dringend müssen. Und dafür bietet er einen guten Startpunkt.“

Um das Siegel zu bekommen, müssen Unternehmen und ihre Produkte spezielle Kriterien erfüllen. Einige dieser Kriterien sind:


  • Verbot von Kinder- oder Zwangsarbeit
  • Zahlung von Mindestlöhnen
  • Erhöhung der Arbeitssicherheit
  • Verbot gefährlicher Chemikalien
  • Kontrolle durch Prüfstellen wie z. B. dem TÜV.

Der „Grüne Knopf“ ist freiwillig


Lange Arbeitstage, fehlender Arbeitsschutz und niedrigste Löhne. Ist der „Grüne Knopf" die Lösung?  Nicht wirklich, sagt Thomas Seibert. Mex besucht den Frankfurter Osthafen. Der Menschrechtsreferent arbeitet hier für eine Stiftung und  ist Experte, wenn es um Textil-Fabriken in Asien geht. Sein Grundproblem mit dem „Grünen Knopf": „Es wird nicht angestrebt, existenzsichernde Löhne durchzusetzen, sondern es werden lediglich die Mindestlöhne in den Ländern verbindlich gemacht. Das sind zwei Dollar am Tag, was die Leute verdienen für 14 Stunden Arbeit, 6 Tage die Woche.

Die Bundesregierung: Orientierung für nachhaltiges Einkaufen

Und, so Seibert: Der grüne Knopf ist für Unternehmen freiwillig. Mit einem Gesetz wären Modehersteller gezwungen, beispielsweise  Produktionskosten besser zu verteilen. Ein Beispiel: Ein T-Shirt für 19 Euro - bei einem T-Shirt ohne faires Siegel werden 1,80 Euro fürs Material fällig. Rund 12 Euro fließen in den Handel. Die Näherin verdient an einem Shirt nicht mehr als 10 Cent. Beim T-Shirt mit fairem Siegel geben Unternehmen 2,40 Euro fürs Material aus – rund 11 Euro fließen in den Handel. Aber die Näherin verdient an einem Shirt 1,50 Euro.

Es geht in die richtige Richtung

Trotz Seiberts Bedenken setzen Discounter wie Aldi auf den „Grünen Knopf“. Sie vertrauen den Kontrollen, denn das große Ziel sei vielmehr…

„…dass nachhaltige Produkte zu einer Selbstverständlichkeit für Handel und Verbraucher werden. Wir glauben, dass wir ein starkes Signal an die Branche senden, wenn Aldi als einer der größten Textilhändler Deutschlands den Grünen Knopf unterstützt." (Quelle: Aldi-Süd)

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zum hr1.de Audio Textilsiegel Grüner Knopf: der Kunde hat es in der Hand

Grüner Knopf
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Bislang wollen rund 50 weitere Unternehmen den „Grünen Knopf“ in Deutschland unterstützen, darunter Big Player wie Kaufland, Rewe oder Tchibo. Ebenso Textilfirmen wie hess-natur, Trigema, Vaude.

Und auch kleine hessische Unternehmen setzen jetzt auf ihnden "Grünen Knopf".
Mex besucht Melawear in der Kasseler Nordstadt. Wir treffen Geschäftsführer Henning Siedentopp. Er produziert seit 5 Jahren Bio-Mode. Die Kleidung wird hauptsächlich Online verkauft. Der „Grüne Knopf“ sei grundsätzlich ein positives Signal, sagt er. Denn das Siegel „hat das Ziel, nachhaltige Mode für viele zugänglich zu machen und deckt zwar noch nicht die gesamte Lieferkette ab oder alle sozialökologischen Standards, die wir heute berücksichtigen. Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung und deckt sich somit mit den Zielen von Melawear, nachhaltige Mode die breite Masse zu bringen.“

Gutes muss nicht teuer sein

Das Ergebnis einer Mex-Stichprobe: Drei Viertel der von uns befragten Hessen sind bereit, für faire Mode tiefer in die Tasche zu greifen. Doch ist Kleidung mit dem Siegel automatisch teurer? Mex fragt bei Aldi, Lidl, Rewe und Co. nach. Von Tchibo zum Beispiel bekommen wir folgende Antwort:

„Der Einkauf von (…) Bio-Baumwolle ist für uns (…) ca. 6 Prozent teurer als herkömmliche Baumwolle. Wir geben diese Differenz aber nicht 1:1 an unsere Kunden weiter. Wir arbeiten mit einem gemischten Preismodell, das faire Preise für faire Produkte garantiert."(Quelle: Tchibo)

Egal ob vom Start-Up oder Discounter: Kleidung, Taschen oder Decken werden mit Grünem Knopf-Siegel nicht zwingend teurer.

Hessens Unternehmen setzen auf den grünen Knopf. Ob das Siegel  aber für bessere Arbeitsbedingungen sorgt und deshalb was wert ist – das ist noch unklar. Ab jetzt geht's los…

Autor: Holger Barthel