Bier

Video

zum Video Hessens Biere – wo kleine Brauereien erfolgreich sind

Hessisches Bier ist gefragt. Es schmeckt gut und es hat das Extra an Regionalität. Regionalbraukunst gegen Massenproduktion – mex will wissen: Welches hessische Bier hat die Nase vorn?

Auf dem Hessentag in Bad Hersfeld küren wir das „beste Bier“ Hessens. Aber vorher erklären wir, warum Bier wieder in Mode ist und was Kleinbrauer motiviert. In Rotenburg treffen wir Ralf Kramer, ein Kleinbrauer mit Leib und Seele. Seit zwei Jahren betreibt er seine Biermanufaktur inklusive Gaststätte. Auf der Getränkekarte stehen „Hell, Dunkel, Weizen. Klassisches, nach dem Reinheitsgebot gebrautes Bier. Und zusätzlich noch eine vierte Sorte – mal ein Steinbier, Rauchbier, Altbier. Alle Sorten, die man sonst nicht so im Lager findet.“

Wir erkunden Lager und „Brauraum“. Kramer produziert hier jährlich 40.000 Liter gehopftes Glück. Motto: „Vielfalt statt Einfalt - Handwerk statt Industrie.“ Doch was hält er von der „Industrie“? Die Qualität sei hoch, meint Kramer, aber das „Problem ist, dass sie sehr uniform werden. Sie werden austauschbarer, beliebiger. Und genau da trete ich auf und versuche, mit meiner Kleinstbrauerei ein bisschen mehr Vielfalt zu schaffen auf dem Markt. Was ja Momentan ja ein besonderer Trend ist.“

Vielfalt – diesen Trend haben auch große Brauereien erkannt. Zum Beispiel bieten sie Craftbier an – also hochpreisiges Bier, das mutmaßlich besonders gebraut wird.

Weitere Informationen

Der Marktanteil von Craftbier beträgt etwa 1 Prozent. Die beliebteste Biersorte in Hessen bleibt weiterhin das Pils mit einem Marktanteil über 50 Prozent. Alles in allem haben hessische Brauereien im vergangenen Jahr rund 130 Millionen Liter Bier gebraut – Jahresumsatz etwa 235 Millionen Euro. Zum Vergleich: Deutsche Brauereien sind mit 10 Milliarden Litern Bierabsatz jährlich Europameister – Jahresumsatz: 8,1 Milliarden Euro.

Ende der weiteren Informationen

Gehopfter und herber

Von so viel Umsatz ist Ralf Kramer weit entfernt: Er braue kein Massen- oder Craftbier sondern „Heimat-Bier“. 0,5 Liter Dunkel etwa kosten zum Mitnehmen 2,20 Euro. Vom Bierbrauen wird Kramer nicht reich. Umsatz bringt ihm vor allem der Gastrobetrieb. Geld mit Bier machen die größeren Brauereien.

Weiter geht es in Kassel bei der Brauerei Hütt mit 5,3 Millionen Liter Bierabsatz jährlich und 6,4 Millionen Euro Umsatz. Zum Vergleich: Licher ist Teil der Braugruppe Bitburger, der Gesamtumsatz beträgt fast 800 Millionen Euro. Inhaber Frank Bettenhäuser kann und will aber gar nicht mit den „Großen“ mithalten: „Das muss im Grunde massenfähig sein, das bedeutet es muss in Flensburg schmecken, es muss in München schmecken, in Chemnitz und Aachen schmecken. Wir richten uns deutlich an der Region aus.“

Heißt: alte Rezepte und eine enge Bindung an Mensch und Geschmack in Nordhessen, hier etwas gehopfter und herber. Und trotzdem hat Hütt 18 Sorten Bier im Angebot. Der Grund: Bier ist wieder In. Genuss, Lust auf Vielfalt und Regionalität, um mehr Bier zu verkaufen, reicht das? Viele hessische Privatbrauereien wurden in der Vergangenheit von Braugruppen aufgekauft.

Weitere Informationen
  • Binding: 2002 von Radeberger übernommen
  • Licher: gehört seit 2004 zur Bitburger-Gruppe
  • Schmucker: 2006 Teil der Paulaner Brauereien
  • Pfungstädter: öffnet sich zu 100 Prozent für Investoren
Ende der weiteren Informationen

Regionalität, Handwerk, Emotionalität

Videobeitrag
mt

Video

zum Video Tag des Bieres

Ende des Videobeitrags

Das Ziel der „Großen“ ist es den Bier-Absatz zu erhöhen, Reichweite schaffen, Umsatz steigern. Aktuell machen etwa sieben Groß-Brauereien rund 70 Prozent des deutschen Biermarktes aus. Hütt-Inhaber Bettenhäuser bleibt gelassen und sich treu: „Regionalität, Handwerk und Emotionalität ist eigentlich eine Einheit. Und das ist eigentlich das, was den kleineren und mittelständischen Brauereien das Überleben ermöglicht.

Weitere Informationen

Nicht nur hessisches Bier wird bei uns getrunken: Knapp 22 Millionen Liter wurden aus dem Ausland nach Hessen importiert. Den größten Anteil an Bierimporten hatte 2018 Irland mit rund 12 Millionen Litern. Rund 15 Millionen Liter hessische Brauereierzeugnisse wurden in alle Welt exportiert. Mit knapp 4 Millionen Litern wurde das meiste davon in die Volksrepublik China geliefert.

Ende der weiteren Informationen
Videobeitrag
mt

Video

zum Video Bier richtig selber brauen

Ende des Videobeitrags

Hessens mittelgroße, regionale Brauereien sind, dem Biertrend sei Dank,  optimistisch. Aber wie gut schmeckt diese Zuversicht? Mex zurück in Bad Hersfeld. Wir machen die Geschmacks-Stichprobe: Bier aus Hessen, farblich markiert, exemplarisch von Groß- nach Kleinbrauerei sortiert – und zwar das Pils von Binding, Licher, Pfungstädter und der Hütt-Brauerei.

Licher gewinnt mit 10 Stimmen, 2. Platz: Pfungstädter mit 8 Stimmen. Ganz dicht dran: Hütt mit 7 Stimmen und schließlich Binding mit 5 Stimmen. Der Masse schmeckt offenbar das Massenprodukt – ist das wirklich so einfach?

Weitere Informationen

Das mex-Fazit: Der Erfolg eines Bieres scheint auch eine Frage der Regionalität, des Handwerks und – na klar – des persönlichen Geschmacks zu sein.

Ende der weiteren Informationen