Erfrischung im Brunnen in Frankfurt

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Dauernde Sahara-Hitze, wochenlang kein Tropfen Regen: Dieser Sommer geht vielen an die Existenz. Doch es gibt auch Gewinner. MEX zeigt, wessen Geschäft in diesem Jahrhundertsommer besonders gelitten hat, und welche Branchen jubeln.

In der Vogelsberger Forellenzucht wird derzeit kein Fisch verkauft. MEX in Schwalmtal Storndorf: Die wochenlange Gluthitze machte es unmöglich, lebende Fische zu transportieren. Das geht Fischzüchtern wie Kai Uwe Bernhard an die Existenz: „Im Vergleich zum letzen Jahr haben wir durch die Trockenheit und die hohen Temperaturen Probleme, die Fische überhaupt am Leben zu halten. An eine Produktion ist überhaupt nicht zu denken.“

Mittelgroße Fischzüchter wie er haben monatliche Umsatzeinbuße von etwa 7.000 Euro - bei steigenden Kosten. Zusätzliche Belüftungspumpen müssen doppelt so viel Sauerstoff wie sonst ins Wasser pumpen. Denn das aufgeheizte Wasser in den Becken kann nur wenig Sauerstoff aufnehmen. Die Gesamtkosten hierfür betragen 8.000 Euro. Neue Fische kann Kai Uwe Bernhard derzeit nicht züchten, das hat Konsequenzen. Auch für die Verbraucher: „Das Ei, was ich heute auflege zur Erbrütung, ist in 15 Monaten ein Speisefisch. Da im Moment keine neuen Eier aufgelegt werden, wird es für den Verbraucher bedeuten, dass wir in 15 Monaten einen Mangel an Forellen bekommen.“

Das wird teuer für Fischfreunde. Insgesamt haben hessischen Berufsfischer im Super-Sommer einen geschätzten Schaden von 3,75 Millionen Euro zu verkraften.

Eisdielen haben Hochkonjunktur

Der erste große Gewinner sind die Eisfabrikanten. Jeder Hesse wird dieses Jahr sagenhafte 8 Liter Speiseeis wegschlecken. Bei Eis Christina in Frankfurt ist man natürlich hochzufrieden mit der bisherigen Saison, sagt Corrado Spadotto: „Bis jetzt, wir sind es etwa 10 Prozent mehr. Aber wenn jetzt der August kommt… Am Ende der Saison muss man  gucken, was rauskommt.“  

An den Spitzentagen wird bei Eis Christina etwa doppelt so viel Eis hergestellt, wie an normalen Sommertagen. Die beiden 50 Jahre alten Eismaschinen kommen da an ihr Limit: 550 Liter Tagesproduktion. An den Spitzen-Tagen gehen etwa 4.200 Riesenkugeln zu 2 Euro über die Theke. Das macht bis zu 8400 Euro Tagesumsatz.

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Eine Kundin schiebt ihren Einkaufswagen an einem Kühlregal vorbei.

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In der Tannenbaumzucht in Ulrichstein im Vogelsberg sieht es dagegen böse aus. Man muss einen Totalausfall verkraften. Rainer Ziegler pflanzte im März 4.000 Weihnachtsbaum-Stecklinge. Je nach Standort sind in Hessen zwischen 50 Prozent und 100 Prozent der Jungpflanzen kleiner Tannenbäume vernichtet. Bei Rainer Ziegler sind es 100 Prozent. In 8 bis 10 Jahren hätte er sie verkaufen können. Der Schaden ist groß. Die Kosten für den Steckling plus entgangener Gewinn macht einen Gesamtschaden von 44.000 Euro.

Das Bier läuft und läuft

Bei den Getränkeherstellern läuft es dagegen rund. Hessens Mineralwasserfirmen schieben 24-Stunden Schichten. Und Brauereien wie die Darmstädter Privatbrauerei jubeln. Denn in diesem Jahrhundertsommer gab es neben der Hitze noch einen weiteren Grund für großen Durst, erzählt Christoph Koehler, Darmstädter Privatbrauerei: „Bedingt durch das schöne Wetter und die WM, hatten wir ein ganz tolles Jahr. Beim Bier und bei alkoholfreien Getränken, sind wir in Summe auf den Tag betrachtet deutlich zweistellig gewachsen. Ich denken auch, dass wir das gesamte Jahr mit einem schönen Plus von 5 bis 10 Prozent abschließen werden.

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Die Sonne an einem Sommertag hoch am Himmel

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Die 50 Beschäftigten der Familienbrauerei arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Die Abfüllanlage auch. 6 Produkte sind derzeit nicht lieferbar. Pro Tag verlassen bis zu 500 Kisten mehr als in normalen Sommern die Brauerei. Die Mehreinnahmen pro Tag betragen 5.500 Euro.

Die Tiere sind unruhig

Ausgetrocknete Bachläufe, knochentrockene Felder, wohin man blickt. In Gedern im Vogelsbergkreis ist die Gras- und Maisernte in diesen Wochen ein Desaster. Doch die Biogasanlage und 400 Rinder und Kühen von Bauer Jörg Orth brauchen Mais und Gras. Die Hälfte seiner Maiskolben ist mickrig, die andere eher normal, je nach Standort. Nur 30 Prozent der üblichen Energieausbeute wird so ein Maisfeld erzielen: „Es ist schon sehr deprimierend. Weil man weiß, man muss die gesamte Futtergrundlage dazukaufen, und man hat auch erhöhten Aufwand und auch die Tiere haben sehr großen Stress, was einem sehr viel Arbeit macht.“

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Bauern erwarten starke Einbußen

Die anhaltende Dürre sorgt beim Landesbauernverband für düstere Prognosen. "Die Erträge sind mehr als unbefriedigend", sagte der stellvertretende Generalsekretär Harpain. Die Dürre sei ein flächendeckendes Problem. "Keiner kann sagen: Ich komme mit einem blauen Auge davon." Abgesicherte Daten zu den Einbußen gibt es noch nicht. Harpain rechnete aber mit einer um 10 bis 30 Prozent geringeren Getreideernte. Beim Raps könnten die Rückgänge nach seiner Einschätzung im Vergleich zu durchschnittlichen Ernten 10 bis 40 Prozent betragen.

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mt

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Und es bringt auch finanzielle Einbußen. Durch den Hitzestress geben die Kühe weniger Milch. 5.000 Euro fehlen dem Viehbauern deshalb. Die Rinder auf der Weide müssen schon heute mit zugekauftem Futter versorgt werden. Das ist teuer und ein Grund, weshalb die heute diskutierten Nothilfen sinnvoll wären. Jörg Orth schätzt seinen Schaden bislang auf 55.000 Euro.

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Das MEX-Sommerfazit:

Bei einigen brummt das Geschäft, aber die Dürre-Schäden gehen in die Millionen. Und die Folgen davon werden bei den Verbrauchern erst in einigen Monaten oder in vielen Jahren zu spüren sein: Sei es bei Brotpreisen oder beim Weihnachtsbaum im Jahr 2028.

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Autor: Christian Lang