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Junge Männer kühlen sich in Frankfurt Sachsenhausen an einem Wasserspiel ab

Frankfurt ist eine der wärmsten Städte Deutschlands. Mex will wissen: Warum leiden Städte besonders unter den Hitzewellen? Wie muss der Ballungsraum Rhein-Main auf den Klimawandel reagieren und wie teuer wird das?

Für Tim Staeger aus der ARD-Wetterredaktion sind neue Rekorde jenseits von 40 Grad Celsius ein sichtbares Zeichen für den Klimawandel: „Sehr schön kann man die Zunahme von Hitzewellen am Beispiel Frankfurt sehen. Es gab auch schon in den 50ern Hitzewellen aber die Zunahme seit den 90ern ist schon sehr deutlich. Hitzewellen nehmen an Häufigkeit und Intensität zu.“

Die Temperaturverteilung ist dabei sehr unterschiedlich: Im Zentrum staut sich die Hitze, je weniger Beton, desto kühler ist es: „Dann werden große Temperaturunterschiede zwischen Umland und Innenstadt gemessen, im Extremfall in Frankfurt sogar 5 bis 6 Grad wärmere Innenstadt am frühen Morgen gegenüber dem Umland in einer Sommernacht.“

1. Anderer Asphalt

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Maininsel Offenbach
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Die erste Möglichkeit für ein kühleres Stadtklima wäre ein anderer Asphalt. Wir besuchen Lutz Weiler in Offenbach. Der Bauunternehmer experimentiert seit langem mit verschiedenen Asphalt- und Betonmischungen. Gerade misst er die Temperatur und den Reflexionsgrad des typischen schwarzen Asphalts. Heute am Vormittag ist es schon 35 Grad warm. Direkt über dem Asphalt misst Lutz Weiler sogar 48 Grad: „Der Asphalt wird sich weiter erhitzen und man bekommt da Werte, wenn es richtig warm wird, um die Mittagszeit von bis zu 80 Grad Celsius."

Die Sonnenwärme speichert der schwarze Asphalt bis zu 90 Prozent. Ganz anders sieht es ein paar Meter weiter auf der helleren Fläche aus. Hier liegt eine besondere Asphalt-Mischung. Dieser Straßenbelag nimmt nur rund 70 Prozent der Sonnenwärme auf: „Wenn wir jetzt die Asphalttemperatur messen, sind wir bei 41,7 Grad, d.h. diese Fläche ist fast 7 Grad kühler wie die schwarze.“

Die Unterschiede zeigen sich auch in den Kosten: Der schwarze Asphalt kostet pro Quadratmeter zwischen 31 und 55 Euro. Die helle Spezialmischung gut 100 Euro. Allerdings reicht es laut Lutz Weiler oft schon aus, die oberste Schicht des schwarzen Asphalts aufzuhellen, das koste nur ein paar Euro mehr.

2. Grüne Dächer

Die zweite Maßnahme wären grüne Dächer. Wir sind im Osten Frankfurts, auf dem Dach eines Automobilkonzerns. Hier haben die Mitarbeiter selber die Initiative ergriffen und das Firmendach mit finanzieller Hilfe der Stadt bepflanzt. Das kann die Temperatur direkt am Dach um bis zu 15 Grad absenken. Noch sehen die Flächen eher wie eine Schotterwüste aus, die Pflanzen müssen noch wachsen.

Den unteren Teil hat der beauftragte Gärtner schon im vergangenen Jahr bepflanzt, so soll es später überall aussehen. Für den Hauseigentümer ist das grüne Dach auch betriebswirtschaftlich sinnvoll.

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Die knapp 450 m² Bepflanzung kosten 25.000 Euro. Zwei Mal wässern pro Jahr schlagen mit 1.000 Euro zu Buche. Dafür werden jährlich 8.000 Euro an Stromkosten eingespart. Die Abwassergebühr für versiegelte Flächen sinkt zudem um jährlich 2.000 Euro.

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Hinzu kommt eine Förderung: Die Stadt Frankfurt übernimmt bei Gründächern die Hälfte der Kosten. Grüne Dächer für ein kühleres Klima: In der Mainmetropole gibt es dafür noch viel Potential.

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Insgesamt 20.000 Dächer könnte man noch begrünen, das ist laut Stadt eine Fläche von 7,3 Millionen Quadratmetern. Pro Quadratmeter rechnet man mit Kosten von 50 Euro. Das bedeutet: für 365 Millionen Euro werden in einer Stadt wie Frankfurt alle Dächer grün.

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An Mittelmeerländern orientieren

Martina Klärle ist Umweltingenieurin und lehrt an der Hochschule in Frankfurt. Sie hat das bundesweit erste Gründach-Kataster entwickelt. Die Professorin fordert: Grüne Dächer müssen für ein kühleres Stadtklima verpflichtend in jeden Bebauungsplan.

Denn das Hitze-Problem drängt. ARD-Meteorologe Tim Staeger hat sich die Prognose für Frankfurt angeschaut: „Selbst unter einem moderaten Szenario ergibt sich für Frankfurt eine Zunahme von Sommertagen im Jahr 2031-2060 um ungefähr 50 Prozent, das heißt bis zu 80 Sommertage werden dann in diesem Zeitraum erwartet, aktuell sind es bis 60, also eine deutliche Zunahme von warmen Tagen innerhalb der nächsten Jahrzehnte in Frankfurt.“

Im Rathaus ist Hans-Georg Dannert für die Klimaanpassung zuständig. Er kennt die zubetonierten Stellen in der Stadt nur zu gut. Außer hellem Asphalt und grünen Dächern fordert der Stadtplaner, sich stärker an Mittelmeerländer wie Italien oder Spanien zu orientieren: „Man hat helle Fassaden, auch enge Gassen, wo die Sonne auch gar nicht so rein geht und man hat ein anderes Verhalten. Also die Menschen kleiden sich anders, sie leben anders, Siesta, das ist alles bekannt. Es wird nicht banal alles so 1:1 übertragbar sein, aber viele Ideen kann man auch übernehmen.“

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Klar ist: Kommunen müssen umdenken. Sie müssen mehr Geld in die Hand nehmen, um die überhitzten Innenstädte runter zu kühlen – und sich besser an den Klimawandel anzupassen.

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Autor: Daniel Hoh