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Eine  Frau sitzt am Wohnzimmertisch mit einem Laptop vor sich und einem Headset auf dem Kopf. Sie telefoniert und schaut in ihren Kalender.

Unser Arbeits-Alltag ist nicht mehr wie zuvor: In den Büros vieler hessischer Unternehmen herrscht gähnende Leere. Mobiles Arbeiten und Digitalisierung macht einen Schritt nach vorn. Muss die Politik neue Regeln für die neue Realität schaffen?

Solche Arbeitsplätze werden nie ins Home-Office verschwinden. Nur in den Werkshallen können die Mitarbeiter der Samson AG in Frankfurt ihre Industrieventile produzieren. Doch auf den Fluren, in den Büros: Gähnende Leere. Zwei Drittel der knapp 2.000 Mitarbeiter bleiben daheim. Beim Treffen der Führungsmannschaft ist Home-Office ein Dauerthema.

In den vergangenen zwei Monaten war auch für Samson-Chef Andreas Widl die Lernkurve extrem steil:"Eine Riesen-Veränderung war unvorstellbar gegenüber früher und dann muss man jetzt damit umgehen. Also jetzt geht's los: Wir haben Termine, und plötzlich überlagern sich die Termine, und man kann sich auch im in der virtuellen Welt nicht spalten. Also, man muss ja anwesend sein. Und wir haben gelernt, dass wir natürlich die Termine durchplanen, aber man muss auch Breaks zwischendrin haben."

Kevin Heeg ist Maschinenbauingenieur und sitzt jetzt 40 Kilometer entfernt am heimischen Schreibtisch. Da leidet der gewohnte Austausch unter den Entwicklern: "So eine Idee, die wir dann einfach auch mal durch die Reihen durch rufen und im Büro einfach kommunizieren. Nun haben sie sozusagen den Zuruf der Kollegen und Interaktionen, Austausch und dann letztendlich auch eine Innovation und Verbesserungen am Produkt. Und das können Sie mit Web-Sessions virtuell schwierig abbilden."

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Auch Video-Calls helfen nur begrenzt. Für die Zukunft kann sich der Entwickler eine Mischung aus Home-Office und Arbeit im Büro gut vorstellen. Vor Corona hatte Kevin Heeg gerade mal 5 Tage im Home-Office. Jetzt muss er die Arbeit unter völlig anderen Umständen neu organisieren: "Wir müssen die Kommunikation der Kollegen und der Teams im Flow halten. Und deswegen haben wir beispielsweise auch sogenannte Dailys eingerichtet. Das heißt, ich bin täglich mindestens 30 Minuten mit meinen Kollegen im Austausch, dass wir das Team zusammenhalten und dass wir eben in der Kommunikation einfach gemeinsam drinbleiben. Das ist ganz wichtig in den Zeiten, wo wir räumlich getrennt sitzen."

Home-Office als gelebter Alltag

Die Veränderungen des Arbeitsalltags, bislang geht das in Deutschland zu langsam, sagt Prof. Ute Klammer vom Institut für Arbeit und Qualifikation: "Insgesamt sind wir ein bisschen hinterher gewesen mit Digitalisierung und mobiler Arbeit. Wir hatten vor Corona höchstens einen europäischen Mittelplatz. In Ländern wie Niederlande, Schweden, Dänemark lag da die Homeoffice-Quote schon bei 30 Prozent. Bei uns war sie viel niedriger." Nämlich allenfalls bei 12 Prozent.

Ergebnisse der Umfrage: Würden Sie im homeoffice nach der Corona Krise weiterarbeiten wollen?

Dass es auch anders geht, zeigt die ING. Bei der Direktbank ist Home-Office bald ein Jahrzehnt gelebter Alltag. Aktuell arbeiten sogar 80 Prozent ausschließlich von zu Hause aus. Personalchef Sebastian Harrer hat einen großen Erfahrungsvorsprung: "Wenn die Art der Zusammenarbeit schon erprobt ist, dann lässt sich tatsächlich fast jede Arbeit von zu Hause oder mobil erledigen. Wir haben es gesehen, dass sogar Workshops, wo man kreativ arbeiten muss, funktionieren."

Politik: Bitte raushalten

Weniger Mitarbeiter im Büro spart auch Geld für die Unternehmen. Denn ein einzelner Arbeitsplatz in der Frankfurter Innenstadt kostet schnell mal 8.000 Euro im Jahr. 20 Prozent davon können Unternehmen mit Home-Office locker sparen. Aber das ist nur der wirtschaftliche Aspekt. Klammer kennt weitere: "Das muss klar geregelt werden: Wann kann der Vorgesetzte erwarten, dass er mich erreicht? Was sind Kernzeiten und wann kann ich arbeiten, ohne dass die Erreichbarkeit gewährleistet sein muss."

Strengere Regeln oder gar ein Recht auf Home-Office: In der Chefetage der Samson AG kommen solche Vorschläge gar nicht gut an: "Wir haben ihn dieser Corona-Krise gezeigt, wie mobiles Arbeiten funktioniert. Zusammen mit den Mitarbeitern haben wir Modelle entwickelt, und wir sind zufrieden. Und wir werden zwar weiter einsetzen, und ich empfehle dem Gesetzgeber, sich aus weiteren Regulierungen herauszuhalten."

Wie auch immer die Politik entscheidet: Für die Männer in der Produktionshalle bleibt alles beim Alten.