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Teuer und zu wenig - das Immobilienproblem in Hessens Städten. mex will wissen: Wie weit müssen wir raus aufs Land ziehen, um noch preiswert kaufen zu können? Und lohnt sich dann das Pendeln überhaupt?

Wer derzeit eine Wohnung oder ein Haus in Hessens Städten kaufen will, der hat wegen der hohen Preise ein echtes Problem. Die Immobilienpreise steigen weiter enorm. Normalverdiener müssen immer weiter rausziehen, um sich noch etwas leisten zu können. mex ist unterwegs in Frankfurt. Hier sucht Familie Remy mit Sohn Leo nach einer Wohnung. Mehr als 350.000 Euro wollen sie dafür nicht ausgeben. Vier Zimmer und mindestens 85 Quadratmeter hätten die beiden Angestellten gerne. Doch selbst für diesen hohen Kaufpreis finden sie im Internet für Frankfurt kaum etwas.

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In Frankfurts Innenstadt gibt es für das Budget der Familie gar kein Ergebnis. Erst am Stadtrand gibt es halbwegs passende Angebote. Beispielsweise in Nied. 91m² für 339.000 Euro. Das Problem: Selbst solche Wohnungen sind sehr begehrt. Sie verschwinden so schnell vom Markt, dass wir mit der Familie dort nicht mal eine Besichtigung bekommen. Julia Remy erklärt die Folge: „Wir denken auch darüber nach, aus Frankfurt rauszuziehen, weil es einfach die Wohnungssuche realistischer machen würde.“ Aber wie weit raus muss Familie Remy ziehen, um für ihr Geld deutlich mehr als 91 m² zu bekommen?

Fündig, aber leider jwd.

Die Antwort: Ganz weit raus. Erst 50 Kilometer Luftlinie von Frankfurt entfernt, in Braunfels im Lahn-Dill-Kreis, werden wir fündig, denn derzeit sind nur sehr wenige Häuser auf dem Markt. Dafür gibt es in Braunfels dann satte 260 m². Das sind Dimensionen, die in Frankfurt unbezahlbar wären. In diesem Haus hätte die junge Familie reichlich Platz, einen Garten und sogar eine Sauna.

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Ob sich Familie Remy für das große Haus und damit fürs teure und zeitraubende Pendeln entscheidet? Dazu kommen wir gleich. Zuerst suchen wir mit derselben Summe in Nordhessen: Was gibt es in beispielsweise in Kassel für knapp 400.000 Euro? mex ist im Stadtteil Harleshausen. Hier zeigt uns Maklerin Agathe Brzek, von Poll Immobilien, ein Haus für 395.000 Euro: „Man hat circa 110 Quadratmeter Wohnfläche auf einer Ebene und im Garten-Geschoss hat man weitere 50 Quadratmeter, sodass dieses Haus perfekt geeignet ist für die große Familie oder aber um Wohnen und Arbeiten zu verbinden.“

Das Haus steht auf einem Grundstück von 600 Quadratmetern und ist modern ausgestattet. Die Wohnfläche beträgt 160 m². Auch ganz schön groß. Doch auch in Kassel sind die Preise stark gestiegen. Brzek erzählt: „Das Preisniveau in den letzten zehn Jahren hat sich nahezu verdoppelt. Im Kasseler Umland ist das Preisniveau deutlich niedriger, wenn man sich circa 20 bis 25 Kilometer von Kassel entfernt.“

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Pendlerland Hessen

Hessens Pendlerstadt Nummer 1 ist Frankfurt. 362.000 Menschen pendeln jeden Tag mit Auto, Bahn oder Bus in die Mainmetropole. Zum Vergleich: Nach Wiesbaden pendeln täglich über 75.000 Menschen, nach Kassel etwas mehr als 61.000. In Frankfurt sind Pendler in der Mehrheit: 64 Prozent der Arbeitnehmer gehören dazu. Deutschlandweit liegt Frankfurt auf Platz 2 hinter München.

Viele machen es auch umgekehrt, sie wohnen in Frankfurt und arbeiten in einer anderen Stadt. 95.000 Menschen pendeln täglich raus aus Frankfurt. Volle Züge sind die Folge, vor allem zur Rush Hour morgens und am Nachmittag. In Nordhessen nutzen Tag für Tag 193.000 Menschen Busse und Bahnen. Und im Rhein-Main-Verkehrsverbund sind es sogar 2,5 Millionen Menschen.

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Pendeln kann sich lohnen

Also verändern wir die Suche. Jetzt will mex wissen: Wie weit müssen wir raus, um ein vergleichbares Haus mit 160 m² für deutlich weniger Geld zu finden? Gar nicht so weit. 25 Kilometer Luftlinie nördlich in Liebenau im Landkreis Kassel finden wir ein Haus für nur 89.000 Euro. Das Haus ist vom Eigentümer in den letzten Jahren umfassend saniert worden und eher rustikal eingerichtet. Mit dem Auto erreicht man Kassels Innenstadt in einer halben Stunde.

Knapp 90.000 statt fast 400.000. Was bedeutet der Preisunterschied, wenn man es mit den Kosten des Pendelns aufrechnet? Rechnen wir genau das doch mal nach:

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Das Haus in Kassel kostet 395.000 Euro. Das in Liebenau 89.000, das macht eine Differenz von 306.000 Euro. Mit einem Kompaktwagen kostet das Pendeln inklusive Wartung, Verschleiß, Benzin und Versicherung bei unserem Beispiel etwa 8.000 Euro im Jahr. Man könnte damit 38 Jahre pendeln, quasi ein ganzes Berufsleben.

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Kein Wunder also, dass die Hessen lieber Pendeln. Pendeln oder nicht Pendeln, das ist auch die Frage bei Familie Remy. Das Pendeln von Braunfels nach Frankfurt würde mit dem Auto im Jahr rund 18.000 Euro kosten. Und man würde rund 20 Tage im Jahr im Auto verbringen. Für Julia Remy ist das zu viel: Die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, also die würde ich mir auf jeden Fall besser wünschen. Ich will nicht mit dem Auto jeden Tag nach Frankfurt fahren.“ Aber ihr Mann weiß: „Je besser die Verkehrsanbindung, desto teurer das Haus.“

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Das mex-Fazit:

Wer in Hessen günstig kaufen will, der muss immer weiter raus aufs Land und immer längere Pendelzeiten in Kauf nehmen. Oftmals lohnt sich das Pendeln, aber der Verlust an Lebenszeit kann natürlich enorm sein.

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Autor: Julian Herbst