Video

zum Video Impf-Diskussion - Was die Hessen zu einer Impfpflicht sagen

Kind wird beim Arzt geimpft

Die einen weigern sich zum Impfen zu gehen, die anderen haben die Impf-Auffrischung vergessen. mex will wissen: Sind die Hessen impfmüde oder brauchen wir eine Impfpflicht?

mex in Frankfurt zu Besuch im Kindergarten der evangelischen Luthergemeinde. 63 Kinder werden hier betreut.  Die überwiegende Zahl hat einen Impfpass. Aber eben nicht alle. Leiter Klaus Kunze setzt schon bei der Anmeldung auf klare Regeln: „Es gibt keine Impfpflicht, wir nehmen die Kinder auf. Aber falls eine Epidemie auftreten sollte, dann haben sie kein Anrecht darauf zu kommen und den Kindergarten zu besuchen und wir müssten vom Kindergarten-Betrieb  ausschließen.“

Videobeitrag

Video

zum Video Pro und Kontra Impfen - zwei Fallbeispiele

Grippeimpfung
Ende des Videobeitrags

Drei der 63  Kinder sind hier nicht geimpft. Solange  es keine Infektionskrankheiten gibt, ist es kein Problem. Wenn aber hier die Masern ausbrechen, wäre dann eine Impfpflicht nicht besser?

In der Praxis von Kinderarzt Lutz Müller hängen überall Impfplakate. Nur durch systematische Aufklärung kann er skeptische Eltern erreichen. Dabei kann der Arzt die Verunsicherung der Eltern sogar nachvollziehen, gerade bei Mehrfachimpfungen: „Viele Eltern befürchten diese Kombination und sagen ich möchte nicht gleich gegen vier Krankheiten impfen.“

Deutschland: Hochrisikoland für Masern

Die Unsicherheit ist verständlich. Dennoch Tatsache ist: In den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es bereits über 150 Masern-Fälle in Deutschland. Das sind weit mehr als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres.

Videobeitrag

Video

zum Video Pro und Kontra Impfen – die Fakten

Impfausweis
Ende des Videobeitrags

Doch an den Masern scheint  nicht nur Deutschland, sondern  ganz Europa zu scheitern. Das Ziel war es, die Erkrankung schon Ende der 90er Jahre auszurotten, aber auch das neue Ziel es bis 2020 zu schaffen, scheint mittlerweile unerreichbar. Darüber sind sich Fachleute wie Prof. Sabine Wicker einig. Die Medizinerin am Universitätsklinikum Frankfurt beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Masern.  Unter anderem berät  sie die STIKO, die ständige Impfkommission: „Mittlerweile wird Deutschland von der Weltgesundheitsorganisation als Hochrisikoland für Masern eingruppiert. Das kann einem schon  bisschen peinlich sein in einem Land mit diesem Gesundheitswesen.“

Und nicht nur peinlich, vor allem gefährlich. Masern sind hochansteckend durch Tröpfcheninfektion übertragbar. Wicker sagt: „Masern  gehen in bis zu 30 Prozent der Fälle mit Komplikationen einher. Das betreffen beispielsweise Entzündung der Ohren Entzündung der Lunge und die Entzündung des Gehirns.“ Seit 40 Jahren gibt es die Impfung, bisher erfolglos. Andere Infektionskrankheiten hatten da schneller und mehr Erfolg. Pocken beispielsweise sind seit 1978 weltweit ausgerottet. Oder die Kinderlähmung. In den  50er Jahren hieß es: Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung  ist bitter. Polio ist seit 1990 weltweit quasi eliminiert.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen

Auch Erwachsene betroffen

Zurück zu heute. Masern sind nicht nur ein Gesundheitsrisiko für Kinder, weiß Wicker: „30 bis 40 Prozent der Maserninfektion betreffen in Deutschland Menschen die über 20 Jahre alt sind.“ Der Grund: Bei den Erwachsenen fehlt oft ein vollständiger Impfschutz. Im  Frankfurter Kindergarten haben  alle 13 Mitarbeiter einen  Impfschutz. Der gehört hier schon Berufswegen zur Selbstverständlichkeit. Auch ohne Impfpflicht.

Impfpflicht  ja oder nein. Gut dass jeder selbst entscheiden kann. Aber um Infektionskrankheiten wie die  Masern zu besiegen müssen mindestens 95 % der Menschen geimpft sein. Dann gibt es den sogenannten Herdenschutz. Und dann sind auch die vor der Infektion sicher, die eine Impfung ablehnen.

Autorin: Barbara Berner