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Superschnelle 200 Megabit pro Sekunde im öffentlichen Wlan-Netz. Eichenzell nahe Fulda macht vor, wie Digitalisierung funktioniert. Unternehmer und Kommunen nehmen die Sache selber in die Hand. mex zeigt, wie ein schneller Glasfaserausbau gelingt und wo die Not besonders groß ist.

Wir sind im kleinen Ort Unter-Seibertenrod im Vogelsberg, Teil der Gemeinde Ulrichstein. Schnelles Internet sucht man hier vergebens. Zum Leidwesen von Thorsten Dampf, der im Ort ein IT-Unternehmen mit 12 Mitarbeitern führt. Telefone und PCs sind alle ans Internet angeschlossen. Wenn mehrere Mitarbeiter gleichzeitig das Netzwerk nutzen, gibt es ein Problem: „Es kommt schon wirklich vor, dass jemand durch das Büro läuft uns sagt, hey wer von euch hat denn gerade einen große Download laufen, mein Kunde hat sich gerade beschwert, er versteht mich am Telefon schlecht.“

Schnelles DSL gibt es im Dorf nicht, Glasfaser erst recht nicht. In seiner Firma kommt Thorsten Dampf an diesem Tag bei einem Geschwindigkeitstest auf knapp 14 Megabit pro Sekunde. Das funktioniert dank einer alten Funkverbindung, die oben auf dem Firmendach befestigt ist. Aber nur, wenn draußen schönes Wetter ist. Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer. Im Ortskern von Ulrichstein liegen Kabeltrommeln und Verteilerkästen. Hier soll das dringend nötige schnelle Internet verlegt werden. Nur wann es läuft, ist noch nicht klar.

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Auf sich allein gestellt

Kaum besser sieht es im Gewerbegebiet von Mücke, bei der Spedition Schlosser Cartrans aus. Firmenchef Michael Schlosser ist auf eine schnelle Internetverbindung angewiesen, etwa für sein Telematik-System, um die aktuellen Daten seiner Lkw-Flotte abzurufen. Oft hat er bei Anbietern und Kommune wegen einer Glasfaserleitung nachgefragt, aber nur Absagen kassiert: „Der ganze Kampf ging ein paar Jahre, wo wir also ständig ermahnt haben, es muss was passieren, es muss was passieren und es passierte einfach nix. Also war man auf sich allein gestellt.“

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So nahm er die Sache schließlich selbst in die Hand. Von der gegenüberliegenden Seite der Autobahn ließ er sich von der Telekom ein Glasfaserkabel bis in seinen Betrieb legen. Seit November surft er mit rund 50 Megabit pro Sekunde. Der Wermutstropfen: Die eigene Leitung ist pro Monat nicht gerade günstig: „Die Kostenseite sieht so aus, dass ich einen relativ hohen Betrag, über 500 Euro, an Gebühren bezahlen muss. allerdings brauchte ich die Erschließung nicht bezahlen. Die Erschließung hat die Telekom in Eigenregie organisiert und wohl auch bezahlt, ich habe bis heute keine Rechnung bekommen.“

Dank des schnellen Internet hat Michael Schlosser einen zweiten Geschäftszweig aufgebaut: Das Inserieren von Gebrauchtwagen im Internet. An einem Tag lädt ein Gutachter dafür hunderte Fotos hoch. Früher wäre das undenkbar gewesen.

Online in Eichenzell

In ganz anderen Dimensionen denkt man inzwischen in der Rhön, genauer im Rathaus von Eichenzell. Das Team rund um Bürgermeister Dieter Kolb (parteilos) rühmt sich, nicht nur das schnellste Netz in Hessen, sondern ganz Europas aufgebaut zu haben. Und das alles in Eigenregie: „Wenn wir auf die Großen gewartet hätten, dann hätten wir nie einen flächendeckenden Ausbau erreicht, sondern dann eben nur da, wo dicht besiedelt ist und es hätte länger gedauert.“

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Deutschland im Vergleich

Deutschland liegt bei schnellen Internetanbindungen für Unternehmen nur im Mittelfeld der EU-Staaten. Gut die Hälfte aller Firmen hierzulande mit Netzzugang (51 Prozent) hatte 2018 eine schnelle Online-Verbindung, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Wiesbadener Behörde versteht darunter feste Breitbandanschlüsse mit einer Datenübertragungsrate von mindestens 30 Megabit pro Sekunde.

Mit dem Anteil von 51 Prozent lag die Bundesrepublik demnach etwas über dem EU-Schnitt von 48 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat Deutschland aber deutlich aufgeholt: Der Anteil der Firmen mit schnellem Internet stieg um 9 Prozentpunkte (42). Erfasst in der Statistik wurden Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten.

Die Spitzenplätze in der EU belegten Schweden und Dänemark, wo 2018 je drei Viertel aller Unternehmen eine schnelle Internetanbindung hatten, gefolgt von den Niederlande (70 Prozent) und Portugal (69). Am geringsten verbreitet war schnelles Internet bei Firmen in Griechenland (33), Italien (32) und Frankreich (31).

Die Spitzenplätze in der EU belegten Schweden und Dänemark, wo 2018 je drei Viertel aller Unternehmen eine schnelle Internetanbindung hatten, gefolgt von den Niederlande (70 Prozent) und Portugal (69). Am geringsten verbreitet war schnelles Internet bei Firmen in Griechenland (33), Italien (32) und Frankreich (31).

Das vielerorts langsame Internet gilt als Standortnachteil für Firmen in Deutschland und trifft auch Verbraucher. Die Bundesregierung will nun mit dem neuen Standard 5G Abhilfe schaffen. Die Frequenzen dafür sollen im Frühjahr versteigert werden. Die Vergaberegeln sehen vor, dass 98 Prozent der Haushalte bis Ende 2022 Zugang zu schnellem mobilen Internet bekommen sollen. Kritiker warnen aber, dass dies für eine vollständige Flächendeckung vor allem auf dem Land nicht reiche.

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2012 beginnen die Bauarbeiten: Selbst entlegene Bauernhöfe werden ans Glasfasernetz angeschlossen. Zuvor mussten mindestens 60 Prozent der Bürger einen 2-Jahresvertrag abschließen, damit sich der Aufwand rechnet. Insgesamt hat die Kommune 13 Millionen Euro investiert. Wer sich heute zum Beispiel ins Wlan-Netz von Eichenzell einklinkt, kann locker mit 200 Megabit pro Sekunde surfen. Für Unternehmen ein großer Standortvorteil. Nico Schleicher, Breitband-Eigenbetrieb Eichenzell, sagt: „Die neueren Maschine, Industrie 4.0, die brauchen Updates wie jedes Handy und sowas und früher war es immer so, dass die Techniker vor Ort fahren mussten, die mussten mit CDs, Sticks die Updates drauf spielen, das geht heute in Eichenzell online.“

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Eichenzeller sind schneller, der Spruch ist in der Branche in aller Munde, erzählt IT-Berater Uwe Krabbe, der den Ort mit aufgebaut hat. Die Bauarbeiten sind zwar vorbei, doch jetzt setzen sie hier laut Krabbe sogar noch einen oben drauf: „Wir werden jetzt auf 10 Gigabit hochrüsten und wir haben jetzt die Kalkulation vorhin besprochen. Das wird deutlich unter 100 Euro liegen brutto pro Endkunde, das sind natürlich Produkte, die es in Europa anderweitig nicht gibt.“

Standortvorteil Hochgeschwindigkeitsnetz

Vom schnellen Glasfasernetz profitiert zum Beispiel Wolfgang Braun, der am Rande von Eichenzell in einem ehemaligen Bauernhof wohnt. Internet im Schneckentempo, gerade mal gut, um Emails zu schreiben: Das ist für ihn und seine Tochter vorbei. Dank Glasfaser ist die Region Eichenzell jetzt auch wieder für die junge Generation attraktiv. Mit gut 70 Megabit pro Sekunde lassen sich Videos problemlos streamen, anders als früher.

Wolfgang Braun sagt: „Das Arbeiten wird erleichtert dadurch, dass man eben auch Home Office machen kann. Das Leben bietet jede Möglichkeit, die ich in der Stadt auch habe und das ist eben das Entscheidende.“ Das Beispiel Eichenzell zeigt: Es macht durchaus Sinn, wenn Kommunen den Glasfaser-Ausbau selber in die Hand nehmen. Das Hochgeschwindigkeitsnetz bringt einen wichtigen Standortvorteil. Und die Kluft zwischen langsam und schnell ist in Hessen immer noch riesengroß.

Autor: Daniel Hoh