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zum Video Jobmotor - Welche Arbeitskräfte am Flughafen gesucht werden

Hochbetrieb am Frankfurter Flughafen

Der Airport und die Terminals am Frankfurter Flughafen platzen aus allen Nähten. Flughafenbetreiber Fraport sucht derzeit an vielen Stellen Personal. Auch die Lufthansa braucht mehr Flugbegleiter. mex will wissen, warum so viele Arbeitskräfte fehlen.

Feuerwehrmann Bastian Haas, Schlepperfahrer Steffen Meillinger und Flugbegleiterin Antonia Esst sind die Helden der hr-Serie "Mittendrin - Flughafen Frankfurt“. Alle drei lieben ihren Job und sind begehrte Arbeitskräfte.

Kaum Nachwuchs bei Flughafenfeuerwehr

mex ist zu Besuch bei der Flughafen-Feuerwehr. Dort gibt es zurzeit sieben offene- und 250 besetzte Stellen. Eine gehört Bastian Haas. Sein Arbeitsbeginn ist um 7.30 Uhr. Der 33-Jährige weiß nie, was der Arbeitstag bietet. "Grade der Sonnenaufgang ist wunderbar, aber halt noch schöner, wenn man morgens dann nach Hause gehen kann. Jetzt haben wir noch 24 Stunden vor uns". Die Flughafen-Feuerwehr gehört seit 2010 zu Fraport. Doch ausgerechnet beim Nachwuchs hapert es. Mögliche Gründe dafür seien die langen Arbeitstage und weniger Action als in der Großstadt, vermutet Uwe Schramm von der Gewerkschaft Verdi.

Fraport: Personal dringend gesucht

Fraport-Arbeitsdirektor Michael Müller will die Personallücken bei Feuerwehr und Rettungsdiensten eigentlich schon in der Ausbildung stopfen: "Es gibt die Möglichkeit den Job attraktiver zu machen. Natürlich auch mit den Vorzügen eines Konzerns zu werben – von den sozialen Leistungen bis zu den sozialen Einrichtungen und Absicherungen". Der Jobmotor am Airport läuft heiß. Flughafenbetreiber Fraport sucht derzeit Personal für die Flugzeugabfertigung und Busfahrer. Außerdem werden Fachärzte für Arbeitsmedizin, Notfallsanitäter, Mechatroniker und Bauingenieure gesucht.

Engpass beim Bodenpersonal

Bei den Bodenverkehrsdiensten arbeiten 6.600 Beschäftige. Pushbacktruck-Fahrer Steffen Meillinger ist einer von ihnen. Er liebt seinen Job, aber auf den Kerosinduft in der Nase könnte er verzichten: "Man ist es leider gewohnt und es lässt sich nicht vermeiden den immer mal abzubekommen". Im Bereich der Bodenverkehrsdienste ist die Fluktuation des Personals hoch – ein Grund: die körperlich anstrengende Arbeit. "Rund 55 Prozent des Personals, das zum Beispiel bei "fraground" anfängt, ist innerhalb von einem halben Jahr wieder weg", erklärt der Gewerkschafter Uwe Schramm.

Die Folge ist dann eine personelle Unterbesetzung. Die verzögert die Abfertigung von Gepäck und Maschinen und es kommt zu Verspätungen. Verspätungen kosten Geld, so dass laut Gewerkschaft Verdi am Frankfurter Flughafen im Jahr 2018 die Lufthansa Regressansprüche von 2.000.000 Euro an Fraport geltend machte. Verbranntes Geld - Fraport sucht deshalb händeringend nach Personal. So sucht Fraport Personaldirektor Michael Müller auf Messen der Arbeitsagentur, auf Ausbildungsmessen, und mit Spots im Radio und den sozialen Medien nach neuen Arbeitskräften. Im Jahr 2018 konnte Fraport so insgesamt 3.000 Stellen besetzen. Für das Jahr 2019 sind 2.300 neue Stellen das Ziel.

Lufthansa sucht Kräfte für das Kabinenpersonal

Fraport ist nicht allein. Rekrutierungsmaßnahmen gibt es auch bei der Lufthansa. Gesucht werden Kräfte für das Kabinenpersonal. Eine, die auf der Gehaltsliste der Lufthansa steht, ist die angehende Flugbegleiterin Antonia Esst. Die Herausforderungen während der Ausbildung liegen vor allem in den kleinen Dingen, sagt sie: "Es ist schon sehr anstrengend, weil man an sehr viele Sachen gleichzeitig denken muss. Jede Station braucht zum Beispiel gleich viel Brot und wir haben auch nicht so viel da".

Rund 19.000 Flugbegleiter arbeiten bei der Lufthansa. Trotzdem fehlten dem Konzern allein im Jahr 2018 etwa 2.500 Stewardessen und Stewards . Um die zu finden, ging die Airline kreative Wege – etwa über Flugbegleiter-Castings auf Messen. "Wenn wir zum Beispiel die Generation von meiner Tochter fragen, die erwarten nicht, dass ihre Bewerbungsmappen durchgesehen werden. Die finden ein Format, bei dem sie sich selber präsentieren können, sehr viel interessanter", erklärt Lufthansa Personalchefin Martina Niemann.

Dieses Jahr will Lufthansa 1.300 Flugbegleiter-Stellen besetzen. Auch anderen Airlines fehlt das Kabinenpersonal. Das Problem: Manche Billig-Airlines haben extrem niedrige Einstiegsgehälter, weiß ver.di-Mann Schramm:" Wenn Sie sich vorstellen, dass Flugbegleiter mit 900 Euro bis 1.000 Euro brutto Grundlohn nach Hause gehen, aber hier im Rhein-Main-Gebiet wohnen müssen, fragt man sich schon, wie die das bezahlen sollen".

"Work-Life-Balance" und ausgeglichenere Löhne

Bei Lufthansa zum Beispiel verdienen Einsteiger nach dreimonatiger Ausbildung rund 1.600 Euro brutto im Monat. Mit Zuschlägen wie dem Urlaubsgeld rund 30.000 Euro brutto im Jahr. Langjährige und erfahrene Mitarbeiter verdienen bis zu 60.000 Euro jährlich. Neben den "Großen" wie Lufthansa will deshalb auch Flughafenbetreiber Fraport verstärkt auf "Work-Life-Balance" und ausgeglichenere Löhne setzen. "Wir haben die Vergütungsregeln geändert, weil wir für langjährige Mitarbeiter zwar sehr gut bezahlen – aber die Vergütung bei Jobeinstieg bisher relativ niedrig lag".

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Das mex-Fazit:

Hessens Arbeitgeber am Airport Frankfurt brauchen qualifiziertes und motiviertes Personal. Dafür müssen sie Arbeitnehmern aber auch etwas bieten: Sicherheit und Spaß am Job zum Beispiel – hier am Frankfurter Flughafen – Hessens größtem, lokalen Arbeitsplatz.

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Ein Beitrag von Holger Barthel und Andreas Graf