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zum Video Kaufhaus-Fusion - Wie Karstadt-Kaufhof um die Zukunft kämpft

Karstadt und Kaufhof sind jetzt eins. Die Fusion der Traditionshäuser bewegt die Hessen. Das gute alte Kaufhaus will sich fit machen für die Zukunft. mex will wissen: Wie sieht die Perspektive der Kaufhäuser aus?

Karstadt und Kaufhof: In der Osthessen-Metropole Fulda liegen beide Häuser in Sichtweite und sind eine Institution. Nach der Fusion steht alles auf dem Prüfstand. Zum Beispiel das Sortiment und Erscheinungsbild der beiden ehemaligen Konkurrenten. Es gibt schon einen gemeinsamen Katalog. Wir vergleichen. Und suchen 8 Marken-Produkte aus dem Prospekt heraus. Was kosten sie im benachbarten Fachhandel? 

Unser erster Vergleich: Küchenartikel. Das Marken Waffeleisen und das Grill-Set sind im Kaufhaus etwa 15 Prozent billiger. Im Fachhandel kostet der Doppelpack Schiesser-Thai Slips 14,95 Euro. Im Sonderangebot des Kaufhauses 9,99. Aber nur für einen Slip. Also trotz Sonderangebot 25 Prozent mehr. Die Parfum-Sonderangebote sind im Kaufhaus und der Parfumerie gleich. In der Pafumerie gibt es aber noch eine Bodylotion gratis  + 150 ml Bodylotion. Preisvergleichs-Fazit: Nur bei 3 von 8 Produkten ist das Kaufhaus wirklich billiger. Kann das ein Zukunftskonzept sein?

Karstadt-Kaufhof-Fusion: Neues Logo, neues Glück? (tagesschau.de)

„Tariffragen sind Machtfragen“

Und wie viel Kaufhaus bleibt Hessen noch erhalten? 3.600 Menschen arbeiten hessenweit für den neuen Warenhauskonzern. Etwa 10 Prozent des Personals wird abgebaut. Wie viele davon in Hessen ist ungewiss. Eine Interview-Anfrage an Karstadt zu weiteren Plänen bleibt bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Karstadt und Kaufhof
Bild © picture-alliance/dpa

Die Gewerkschaft Verdi befürchtet drastische Einschnitte. Karstadt hat die Tarifbindung schon vor 6 Jahren verlassen, nun will auch Kaufhof einen niedrigen Haustarif. Bernhard Schiederig, Gewerkschaft Verdi, sagt: „Tariffragen sind auch Machtfragen und ich glaube, Karstadt ist gut beraten, diese Machtfrage nicht zu stellen, denn die Arbeitnehmer sind gut organisiert und können nicht auf eine tarifliche Bezahlung verzichten, denn sie verdienen 2500 Euro brutto und das reicht gerade mal so zum Auskommen.“ 

Gegen Filialschließungen sprechen langfristige Mietverträge der Häuser. Doch schon heute hat sich das Filialnetz der angeschlagenen Karstadt- und Kaufhoffilialen verringert. 2004 gab es noch insgesamt 25 Filialen in Hessen. Mittlerweile wurden Filialen in Hanau, Kassel, Wiesbaden und Gießen geschlossen. Im September macht auch die Kaufhof-Filiale im Frankfurter Nordwestzentrum dicht.  

Vom Rivalen lernen

Wie wollen sie überleben? Dafür holt der neue Konzern den größten Rivalen ins Haus: das Onlinewarenhaus  Amazon. Wer bei Amazon bestellt, kann die Ware in Packstationen in Karstadt-Filialen abholen. Auch mit Zalando wird kooperiert. Handelsexperte Jörg Funder erklärt, was es mit der ungewöhnlichen Zusammenarbeit auf sich hat: „Frequenz erhöhen, damit mehr Leute ins Warenhaus kommen und auch andere Dinge kaufen.“

Die Onlineauftritte und unterschiedlichen Kundenkartenangebote müssen noch vereinheitlicht werden. Die Abstimmung der beiden Konzepte von Kaufhof und Karstadt ist unklar.

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Das mex-Fazit

Bis Ende September soll die Zusammenführung von Verwaltung, Logistik und Onlineauftritt abgeschlossen sein. Dann wird es hoffentlich auch ein neues Konzept geben. Und Klarheit über die Frage, was das für die Angestellten konkret bedeutet.

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Autor: Christian Lang