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Landwirtschaft Feld Dünger Traktor

Die Sonne brennt auf die Felder in der Wetterau, der Boden ist knochentrocken. Für die Landwirte eine angespannte Situation: Die Landwirtschaft muss umdenken, häufigere Dürreperioden einkalkulieren. Mex zeigt, was das die Landwirte kostet.

Wir sind unterwegs mit Clemens Lischka, der in Niddatal Getreide, Raps und Zuckerrüben anbaut. Im Frühjahr, so erzählt er, hat es in der Region noch ausreichend geregnet. Dann kam im Juli die große Hitze. Bei den Zuckerrüben rechnet er mit Ertragseinbußen von rund 30 Prozent – im Vergleich zum vergangenen Sommer, der ja auch schon so heiß und trocken gewesen ist: „Diese Rübe schätze ich jetzt mal knappe 200 Gramm wenn überhaupt. Eine Rübe normalen Wachstums hat jetzt schon 700 bis 1.000 Gramm.“

Das Bild auf seinem Acker ist ziemlich gemischt. Ein paar Meter weiter buddelt er ein größeres Exemplar aus. In Zeiten des Klimawandels muss er oft mit höheren Kosten kalkulieren. Der Landwirt setzt nämlich eine Beregnungsmaschine ein, um seine Sommer-Ernte zu retten. Das Wasser dafür entnimmt er aus der angrenzenden Nidda. Die Stromkosten für die Wasserpumpen sind üppig: Für alle seine Rübenfelder zahlt er pro Jahr zwischen 16.000 und 32.000 Euro, je nachdem, ob er wenig oder viel bewässern muss.

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Menschen mit Regenschirm im Wind
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Bei der Bodenbearbeitung wiederum verzichtet Clemens Lischka auf den Pflug. Er setzt nur einen so genannten Grubber ein, der Stroh und Blätterreste an der Oberfläche belässt. Das schütze den Boden vor Austrocknung und spare zudem Diesel-Treibstoff ein. Keine Frage: Die Landwirtschaft muss umdenken, häufigere Dürreperioden einkalkulieren.

Mehr extreme Hitzetage in Hessen

Tim Staeger aus der hr-Wetterredaktion rechnet wie viele Meteorologen mit einer höheren Durchschnittstemperatur von 1 bis 2 Grad bis Ende des Jahrhunderts. Das klingt harmlos, doch die prognostizierten Folgen sind gravierend: „Das zeigt sich sehr schön an einer Temperaturverteilung. Mittlere Temperatur gibt es häufig, extreme heiße oder kalte Werte kommen selten vor. Bei einem Klimawandel verschiebt sich quasi die gesamte Verteilung hin zu höheren Werten, das Mittel ist etwas höher gegangen aber vor allem hier die Extreme haben sich sehr stark verändert, d.h. eine scheinbar moderate Erwärmung von maximal 1 Grad, 1,5 Grad, hat durchaus eine deutliche Zunahme von extremen Hitzetagen, auch hier in Hessen.“

Kein Wunder, dass viele Landwirte auf einen höheren Versicherungsschutz drängen. Mex in Ebersdorfergrund im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Hier schauen sich heute Sachverständige der Versicherung Vereinigte Hagel einen Schaden in einem Maisfeld an. Immer mehr Landwirte sichern sich gleich gegen mehrere Naturgefahren ab. Die versicherte Fläche wächst.

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Junge Männer kühlen sich in Frankfurt Sachsenhausen an einem Wasserspiel ab
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Jürgen Fritsch, Bezirksdirektor Vereinigte Hagel, sagt: „Wir sehen jedes Jahr einen Trend nach oben, wir haben Steigerungen von 50.000 auch mal von 80.000 Hektar von einem Jahr auf das andere in den verschiedenen Bereichen ob das Sturm ist, Starkregen ist oder Starkfrost. Die Landwirte sehen das Risiko und reagieren da schon."

Versichern gegen Dürre?

Die Sachverständigen nutzen das Maisfeld heute zur Fortbildung. Sie sollen einschätzen, wie groß die Schäden an den Pflanzen sind. Experten wie Rudi Meckel, Sachverständiger Vereinigte Hagel, bewerten nach festen Regeln: „Vorne gebrochen sind 0 Prozent, in der Mitte 10, unten am Stengel 20 Prozent. Wir zählen 100 Blätter aus und dann machen wir den Durchschnitt und das gibt die Quote an Blattverlust.“

Hier werden es am Ende kaum mehr als 15 Prozent Entschädigung sein. Der Hektar Mais ist rund 2.000 Euro wert, der Landwirt bekommt also maximal 300 Euro wieder. Insgesamt rechnet die Vereinigte Hagel in diesem Jahr für Hessen mit einer Schadenshöhe von 3,2 Millionen Euro.

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Trockener Waldboden mit Fichtenbestand
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Selbst gegen eine Dürre können sich die Landwirte inzwischen versichern - theoretisch. Fritsch erklärt: „Also ich kann sagen für meine Bezirksdirektion ist ein Abschluss in Hessen passiert und einer in Thüringen. Alle anderen Landwirte haben mir gesagt, hey, das ist schön, dass ihr so etwas habt, aber viel zu teuer.“

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Deshalb fordern viele Landwirte staatliche Zuschüsse, so wie im EU-Ausland. Die grün gefärbten Länder fördern Versicherungsbeiträge meist mit 65 oder 70 Prozent. Deutsche Bauern gehen noch leer aus.

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Doch die Politik hat das Problem erkannt: Hessen setzt sich auf Bundesebene für Subventionen bei einer Dürreversicherung ein.

Kühe im Hitzestress

Wie viel Geld manche Landwirte schon jetzt in die Klimavorsorge stecken, sehen wir auf dem Karlshof, einer der größten Milchbetriebe in Hessen. Michael Dörr weiß, wie sensibel seine 300 Kühe auf das Wetter reagieren. Es droht der Hitzestress: „Das Problem ist, wenn so eine Hitzewelle länger anhält, fahren die Kühe dann auch ihre Leistung praktisch zurück, d.h. man kriegt es nie mehr hoch. Es ist nicht so: Heute 40 Grad, heute geben wir 5 Liter weniger Milch und in 2 Wochen wenn es kühl ist, satteln wir wieder 5 Liter drauf."

Um Einbußen in der Milchproduktion zu vermeiden, kühlt er den Stall runter. Als erstes hatte er das Dach hitzeisoliert. Kosten: 100.000 Euro. Als nächstes installierte er drei riesige Ventilatoren für zusammen 18.000 Euro. Und seit 2 Jahren gibt es eine erfrischende Kuhdusche, Kosten: 7.000 Euro. Macht zusammengerechnet 125.000 Euro, für ein besseres Klima im Stall.

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Maininsel Offenbach
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Ohne die Klimamaßnahmen würde der Milchertrag deutlicher sinken. Michael Dörr rechnet so: Bei extremer Hitze geben die Kühe 1.500 Liter weniger Milch pro Tag, macht 450 Euro Umsatzverlust. Dank Kuhdusche und Co. verringert sich der Ausfall auf 600 Liter Milch, der Umsatz geht nur um 180 Euro zurück.

Solche und ähnliche Beispiele zeigen: Ob sie wollen oder nicht müssen Hessens Landwirte zusätzliches Geld in die Hand nehmen – damit ihnen der Klimawandel nicht das Geschäft kaputt macht.

Autor: Daniel Hoh