"Alles wird gut !" ist mit farbiger Kreide vor einer geschlossenen Boutique in Frankfurt auf den Asphalt geschrieben.

Corona und die hessischen Wirtschaft - alle Welt redet von der kommenden Rezession. Wir wollen wissen: Wen trifft es wie hart? Dazu begleitet Mex seit März drei unterschiedlich große Unternehmen.

  • Das Therapiezentrum Emler für Physio- und Ergotherapie mit 24 Mitarbeitern in Wetzlar.
  • Glasbau Hahn beschäftigt 100 Angestellte in Frankfurt, weltweit führend im Vitrinenbau.
  • Samson AG, DER Ventile-Hersteller. 4.500 Mitarbeiter in 60 Ländern.  
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Collage: Flugzeug in der Luft, Mikroskopaufnahme des Corona-Virus, Messe Light and Building
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Wir starten in Wetzlar. In die Praxisräume kommen kaum noch Patienten, Seniorenheime sind auch für Therapeuten geschlossen. Das bedeutet bis zu 70 Prozent weniger Aufträge. Wie seine Kollegen ist Timur Suingarin schon in Kurzarbeit. Wie viel Euro am Monatsende auf dem Konto fehlen, weiß er noch gar nicht und nutzt die Umstände als Sparprogramm: "Man geht nicht mehr weg, man geht nicht mehr ins Kino. Da bleibt halt auch ein bisschen was übrig."

Das Therapie-Zentrum hat Thomas Emler in den vergangenen 5 Jahren aufgebaut. Bis zum Ausbruch der Corona-Krise war die Suche nach gutem Personal die größte Sorge. Die Bundesagentur für Arbeit hat da manchmal geholfen. Und jetzt das: "Dass ich die jetzt anschreiben muss wegen Kurzarbeitergeld, das war noch nie in meinem Kopf drin. Noch nie!"

Innerhalb kürzester Zeit muss sich Thomas Emler mit ganz vielen neuen Dingen beschäftigen: Kurzarbeit, Steuerstundung oder auch der Antrag auf Soforthilfe. Die genaue Absprache mit seiner Hausbank ist ganz entscheidend. In der Sparkasse Wetzlar ist Daniel Kraft als Gewerbekundenbetreuer für ihn zuständig.   

In dieser unsicheren Lage bekommt er Hilfe: Die laufenden Kredite muss er zunächst nicht mehr tilgen. Die Sparkasse erhöht den Kreditrahmen um 70.000 Euro. Das schafft Luft – für den Moment: "Ich habe jetzt erst mal eine Sicherheit für die nächsten zwei, drei Monate. Wie es dann weitergeht, das muss man dann halt sehen, weil es gibt halt noch keine Zahlen." Fahren auf Sicht: Was derzeit die große Politik macht, gilt im Kleinen auch für Thomas Emler und sein Therapiezentrum.

Tagtägliche Krisensitzungen

Bei der Samson AG herrschen Top-Voraussetzungen für die Bewältigung der Krise. Sie ist in Familienbesitz, schuldenfrei und hat reichlich Rücklagen. Der Umsatz von 630 Millionen Euro im vergangenen Jahr entstand weltweit. Jetzt treffen sich die Topmamanager real und virtuell jeden Morgen zum Krisengipfel. Auf Schreckensmeldungen aus allen Erdteilen müssen der Vorstandsvorsitzende Andreas Widl und seine Kollegen tagtäglich reagieren.   

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hs
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Noch können sie in Frankfurt ihre Ventile produzieren, denn noch ist genügend Material auf Lager. Doch wenn der Stahlguss aus Indien oder die Sonderanfertigung aus Frankreich nicht mehr ankommen, dann kriegt auch Samson in Frankfurt ein Problem. Aktuell ist Kurzarbeit kein Thema.

Aber wie schnell sich die Lage ändern kann, hat der Chef gleich zu Beginn der Krise erfahren. Ausgerechnet im italienischen Bergamo hat der Konzern zwei Tochterunternehmen, die schließen mussten. Von dort kamen schlimme Nachrichten: "Als ich erfahren habe, dass Angehörige von Mitarbeitern sterben, hat dieses Virus plötzlich ein Gesicht bekommen. Ich habe da viele Kollegen dort und kenne das unten alles. Dann hat das eine andere Bedeutung und ist ultimativ angekommen."

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Das Mex-Fazit:

Egal ob global agierender Konzern, eine mittelständische Firma oder auch die örtliche Therapie-Praxis: Allen macht die Krise zu schaffen. Nur Zeitpunkt und Ausmaß sind unterschiedlich.

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Bericht: Steffen Clement