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zum Video Land-Gastronomie - welche Konzepte funktionieren

Gedeckter Tisch in einem Landlokal

In immer mehr Dörfern fehlen die Schänken, doch es gibt Beispiele, die Erfolg haben. mex zeigt Konzepte, die das Sterben der Landgasthöfe aufhalten können.

Es bedarf mehr, als nur eine Dorfschenke nach der anderen zu eröffnen

Mario Sebastian Krause und Sebastian Fertig wollten das Dorfschänken-Sterben beenden und pachteten ein Landgasthaus nach dem anderen. Dafür bekamen sie den Hessischen Gründerpreis. Aber schon nach wenigen Monaten schloss eines der Restaurants im Hessenpark in Neu-Ansbach. Es lief nicht wie erhofft - und die Pacht, Kanalgebühr und Krankenkassenbeiträge wurden nicht gezahlt.

Auch alle anderen Restaurants, die die beiden Unternehmer gepachtet hatten, liefen schlecht. Es mangelt an Personal, die Fluktuation der Mitarbeiter ist hoch. Schnell bleiben für viele die Gehaltszahlungen aus. Auf unsere Nachfrage, bestreitet der Geschäftsführer die Vorwürfe. Um die Landgastronomie zu retten, bedarf es mehr, als eine Dorfschenke nach der anderen zu eröffnen. Nun wird wegen Insolvenzverschleppung und ausstehender Lohnzahlungen ermittelt.

"Die Leute sagen einem schon, was sie wollen"

mex begibt sich auf die Suche nach Lösungen zur Rettung von Dorfschenken. Eine gute Strategie ist, das Dorf in die Planung mit einzubeziehen. Wie in Neumorschen im Schwalm-Eder-Kreis, ein Dorf mit 173 Einwohnern. Im einzigen Dorfgasthof "Märchen-Schmiede" treffen wir Gastwirtin Angela Janenzky. Sie hat vor drei Jahren ihr altes Leben aufgegeben, um sich ihren Traum vom Gasthaus zu erfüllen. Das Dorf war erst mal skeptisch: "Als die Dorfbewohner kamen, sagten sie: Das ist ja alles gut und schön, aber wir hätten gerne ein Schnitzel und auch mal einen Rinderbraten. Man muss sich anpassen - die Leute sagen einem schon, was sie wollen."

Gerade das macht ihren Erfolg aus: das Landgasthaus an die Bedürfnisse und Vorlieben des Dorfes anzupassen und auch Mitspracherecht einzuräumen. Seitdem kommen die Dorfbewohner in Scharen. Noch ist die Schenke mit zwei Räumen für maximal 30 Leute recht klein. Doch da sich die Anzahl der Besucher in nur drei Jahren mehr als verdoppelt hat, will sich Gastwirt Gert Janenzky vergrößern und den ehemaligen Kuhstall ausbauen.

Rund 400.000 Euro haben er und seine Frau in das Landhaus gesteckt. Es bietet neben der Gastronomie auch Zimmer zur Übernachtung. Im ersten Jahr schrieben die Wirte noch rote Zahlen aber schon seit dem zweiten Jahr erzielen sie kleine Gewinne - und glauben, dass sie das, was sie in die Wirtschaft steckten, bald wieder rausgeholt haben.

Das Landgasthaus als Bürgergenossenschaft

Wenn aber das Eigenkapital fehlt, hilft eine Strategie, die einzigartig ist in Hessen: Das Landgasthaus als Bürgergenossenschaft. mex ist unterwegs in Dalwigksthal, einem Dorf mit 170 Einwohnern im Landkreis Waldeck-Fraunkenberg. Hier gab es bis vor sechs Jahren keine einzige Kneipe mehr. Deshalb hat Bernd Wecker mit den Dorfbewohnern eine Genossenschaft gegründet, das Gemeinschaftshaus übernommen und zu einer Kneipe mit Biergarten umgebaut "Man hat hier das Gefühl, man geht in seine eigene Kneipe. Vielen gehört hier ein Stückchen, wobei wir das nicht unterscheiden. Wir freuen uns über jeden, der hier rein kommt", erklärt Bernd Wecker.

Das Stückchen Kneipe heißt hier, ein Genossenschaftsanteil von 500 Euro zu erwerben. Insgesamt wurden 60 Anteile gekauft, so dass 30.000 Euro zusammen kamen. 53 Dorfbewohnern haben sich beteiligt und die EU hat noch 35 Prozent drauf bezahlt. "Mit dieser Kneipe war uns klar, dass wir keine Gewinne machen - müssen wir auch nicht. Wir müssen nicht davon leben. Wir müssen davon unsere Leute bezahlen und einkaufen können", sagt Bernd Wecker.

Wieder mehr Leben im Dorf

Und das funktioniert, wenn jeder mit anpackt. Auch ehrenamtlich, wie Joscha Küstner. Die Fassade muss erneuert werden, ein Handwerksbetrieb hat den Auftrag, doch um Geld zu sparen, hilft er mit Dorfbewohnern bei den Abrissarbeiten. Die Genossenschaftskneipe ist für ihn mit ein Grund, um im Dorf zu bleiben: "Es ist ja ein elementarer Faktor für das Zusammenleben. Es reicht ja, wenn ein paar junge Menschen im Dorf bleiben, dann ist da viel mehr Leben", meint Joscha Küstner.

Das kommt auch gut bei Touristen und Wandergruppen gut an. Der Umsatz beträgt bis zu 35.000 Euro pro Jahr. Die Hälfte geht als Lohn an die Servicekräfte, der Rest fließt in die Gastwirtschaft.

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Das mex-Fazit

Gastronomie auf dem Land wird zum Erfolg wenn sie Teil der Dorfgemeinschaft ist, den Ansprüchen und Vorlieben der Bewohner entspricht - und auch zum Publikumsmagneten für Touristen wird.

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Ein Beitrag von Katrin Wegner