Video

zum Video Logistikzentren – Wer davon profitiert und wer sie bekämpft

Logistikzentrum Lich

Logistikstandort Hessen - immer Riesen-Hallen entstehen. Doch nicht überall sind Logistikzentren willkommen. Wo sind die größten, was bringen sie den Bürgern und Kommunen, und warum wehren sich einige Hessen dagegen?

Mex besucht Breuna/Wolfhagen bei Kassel. Hier in den Logistikzentren von Rewe, Vitaqua und Volkswagen arbeiten etwa 700 Menschen. Rewe war als erster da. Schon 2003 hat der Handelsriese sein gewaltiges Lager für 25 Millionen Euro hochgezogen. Hier lagern 6500 verschiedene Artikel und der Betriebsleiter Mike Eßmann sorgt für den reibungslosen Ablauf: "Wir beliefern von hier aus Rewe-Supermärkte und Nah-Käufe. Das sind von dem Standort aus 260 insgesamt, die von hier jeden Tag beliefert werden." Gearbeitet wird rund um die Uhr. Bis zu 40 Lkws kommen mehrfach ins Lager, um die Märkte Tag und Nacht zu beliefern.

Mario Injic ist einer von insgesamt 469 Mitarbeitern im Logstikzentrum. Er lebt schon lange in Nordhessen und arbeitet hier als Gabelstablerfahrer. Täglich bekommt er mehrere Listen von Artikeln, die er zusammenstellen muss, um sie für die nächste Lieferung zu bündeln und für den Abtransport fertig zu machen. Und das erfordert viel Geschick bei dem großen Verkehrsaufkommen!

Weitere Informationen

Hessen ist einer der wichtigsten Logistikstandorte in Deutschland, weil das Bundesland zentral liegt und über entsprechende Verkehrswege verfügt. Die größsten Logistikzentren sind in Baunatal, in Bad Hersfeld, in Gudensberg, Frankfurt, am Frankfurter Flughafen, Dieburg und Friedberg. Insgesamt arbeiten rund 225.000 Beschäftigte hier.

Ende der weiteren Informationen

Arbeitsplätze und Steuereinnahmen?

Aber Hessen als zentraler Umschlagsknoten bringt auch viel Lärm und Umweltschmutz. In Lich bei Gießen gibt es deshalb Proteste gegen ein geplantes Logistikzentrum. Wir treffen die 19-jährige Sanja Wiesenberg. Sie demonstriert wie jeden Freitag auf der Demo Fridays for Lich: "Lich ist nicht dafür ausgelegt, mit so viel Verkehr und Lkw und Sprintern zurechtzukommen. Die Straße hier ist auch schon als gefährlichste Straße Hessens bekannt. Und hier passieren sehr viele tödliche Unfälle. Ich fahre ja auch jeden Tag lang und das kann ich eigentlich nicht verantworten."

Seit Monaten tobt ein Streit um das geplante Logistikzentrum für einen Online-Händler - mit einer Halle 20 Meter hoch, 140 Meter breit und 300 Meter lang.

Die Stadt erhofft sich vor allem zusätzliche Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Die Gegner haben eine Bürgerinitiative gegründet. Burkhard Neumann ist ihr Sprecher und sammelt Unterschriften gegen das Bauvorhaben. Während die meisten Logistikzentren direkt an der Autobahn liegen, liegt Lich acht Kilometer entfernt von der A45.  Das könnte zum Verkehrsproblem werden, warnt die Bürgerinitiative.

"Die Beteiligungsprozesse steuern"

In Breuna -Wolfhagen gab es damals kaum Proteste gegen den Bau des Logistikzentrums. Bürgermeister Reinhard Schaake ist vorbeigekommen, um sich das Lager anzuschauen. Er war 2002 mit dabei, als das Gewerbegebiet mit einem Investitionsvolumen von 6,6 Millionen Euro aus der Taufe gehoben wurde, ohne Widerstand der Bürger: "Es gab natürlich viele Fragen, damals war es eine neue Entwicklung. Es waren alles Ackerflächen, aber auch nicht die besten Ackerflächen. Aber wir mussten sie erst erwerben von den Landwirten. Aber das ist uns gelungen. Die Bevölkerung mitzunehmen ist ganz entscheidend. Und die Beteiligungsprozesse richtig zu steuern, und das ist sehr wichtig, sehr offen ranzugehen, sehr transparent ranzugehen."

Und im Oktober wird hier auch noch ein weiteres Logistikzentrum von Amazon eröffnen. Das Erfolgsrezept in Wolfhagen/Breuna: mit allen im Gespräch zu bleiben und der direkte Anschluss an die A44.

Weitere Informationen

Das Mex-Fazit

In Hessen boomen die Logistikzentren. Denn Hessen ist durch Flughafen und guter Verkehrsanbindung ein Knotenpunkt für globale Warenströme. Aber das bringt auch große Belastungen mit sich. Ein Grund, weshalb immer mehr Hessen auf die Barrikaden gehen.

Ende der weiteren Informationen

Autorin: Katrin Wegner