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zum Video Lufthansa - Was die Staatsbeteiligung bedeutet

Stehende Lufthansa Flugzeuge

Kein hessisches Unternehmen ist so ins Trudeln geraten wie die Lufthansa. Was bedeutet der wirtschaftliche Absturz für uns Verbraucher? Das wollen wir vom Finanzexperte Herman-Josef Tenhagen wissen.

Die Situation der Lufthansa ist dramatisch. Statt 350.000 Passagieren täglich sind es derzeit nur noch 3.000. Will die Airline überleben, braucht sie mindestens 10 Milliarden Euro. Die sollen vom Staat kommen. Was das bedeutet, erklärt der "Finanztip"-Chefredakteur Tenhagen: "Staatsbeteiligung heißt zunächst einmal, dass die Lufthansa von uns Steuerzahlern gerettet wird. Und das kann man auf unterschiedliche Arten machen. Man kann auf der einen Seite Kredite geben. Man kann sich beteiligen entweder still oder als Aktionär. Still hieße: kein Mitspracherecht. Doch genau darum wird gerungen. Der Bund will mitreden dürfen und im Aufsichtsrat vertreten sein.

Hermann-Josef Tenhagen

Wie viel Einfluss sollte der Staat auf das Tagesgeschäft der Lufthansa nehmen, wollen wir wissen. Tenhagen meint: "Ich glaube, dass man da möglichst wenig machen soll. Aber grundsätzliche Regeln sollte man eben schon einziehen wenn wir darüber reden. Ökologische Modernisierung ist notwendig. dann kann es natürlich nicht sein, das eine Airline mit Staatsbeteiligung möglichst billige Flieger kauft, die möglichst viel Dreck raus pusten weil es billiger ist."

Schon einmal flog der Staat mit. Zu Beginn 1953 teilte sich die Bundesregierung mit dem Land Nordrhein-Westfalen Anteile. Über die Jahre wurde immer mehr teilprivatisiert, bis der internationale Preiskampf dafür sorgte, dass die Lufthansa ein privater Konzern wurde. jetzt also wieder mit dem Staat.

Der Steuerzahler redet mit - theoretisch

Gehört dem Steuerzahler zukünftig die Lufthansa? "Dann gehört dem Steuerzahler 25 Prozent der Lufthansa", antwortet der Finanzfachmann. "Das bedeutet, dass der Staat Sperrminorität hat und dass gegen den Staat, also gegen uns Steuerzahler, so richtig viel nicht entschieden werden kann." 

Einreisestopps, Reisewarnungen. Und noch warten tausende Flugreisende auf ihre Ticketrückerstattung. Und jede Airline regelt es anders:

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  •  Lufthansa  und Condor geben Bargeld
  • Eurowings gibt Gutscheine aber nur auf Flüge bis zum 30.Juni gebucht
  • Bei Rynair und Tui können Reisende wählen
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Tenhagen erklärt: "Wenn der Flug nicht stattgefunden hat, sagt das europäische Recht ganz eindeutig, hat die Airline sieben Tage Zeit, mir entweder das Geld zurück zu überweisen oder mir einen Gutschein anzubieten, den ich dann annehme. Wenn ich den Gutschein nicht haben will, muss ich mein Geld zurückerhalten. Und was die Fluglinien im Augenblick machen, ist Politik auf dem Rücken der Verbraucher. Und das ist keine gute Idee, wenn man gleichzeitig von den gleichen Verbrauchern als Steuerzahler Geld haben will."

Keine Branche trifft es so hart wie die Reisebranche. Sie hat Milliardenverluste und die haben Einfluss auf die Preise. Ob Fliegen künnftig teurer werd, wollen wir deshalb von Tenhagen wissen. "Also manche Billigheimnummer wird nicht mehr funktionieren", meint der Finanzexperte. "Und es werden auch weniger Flüge sein. Insgesamt gehe ich mal davon aus, dass Reisen, mindestens Flugreisen, teurer werden. Und in diesem Jahr können wir ja sowieso nicht so reisen, wie wir das traditionell gewohnt sind. Meine Empfehlung wäre, tatsächlich einen Sommerurlaub zu planen, das ist gut für die Nerven. Zweitens: Tendenziell im Inland. Drittens: Tendenziell eher eine Ferienwohnung als ein Hotel. Und viertens: Nie unbedingt direkt am Strand, sondern im Hinterland. Vereisen - da  schwingt Hoffnung mit, ein bisschen wenigstens.

Autorin: Barbara Berner