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zum Video Maskenpflicht – Wie ein komplett neuer Markt entsteht

Corona-Maske aus Stoff

Der Markt um die Maske wird immer größer. Verschiedene Farben und Formen und vor allem verschiedene Preise. Maskenpflicht in ganz Deutschland: Mex zeigt, wie aus dem Nischenprodukt ein echtes Trendteil wird.

In Benjamin Gippers Manufaktur in Groß-Gerau werden eigentlich Matratzen hergestellt. Doch dieses Jahr ist alles anders. Hier heißt es statt Matratzen Masken: "Für gewöhnlich produzieren wir Matratzen, machen das immer individuell nach Auftrag, der reinkommt. Da jetzt seit geraumer Zeit keine Aufträge mehr reinkommen an  Matratzen, ist es für uns natürlich einfach wichtig gewesen, Alternativen zu finden."

In der Nirwana Matratzenmanufaktur werden so seit März täglich bis zu 250 Masken produziert. Und damit sind sie nicht alleine. Mehr als 40 Prozent der deutschen Textil- und Modehersteller sind mittlerweile in die Produktion von Schutzausrüstung und Masken eingestiegen. Hier ist gerade ein riesiger Markt um ein Produkt  entstanden, der vorher winzig klein war. 

"Keine gewinnbringende Kalkulation dahinter"

Sebastian Rink ist Finanzexperte an der Frankfurt School of Finance. Rink gibt seine Workshops hier zu Zeit nur online. Er soll uns erklären, wie es zu dem Boom des Maskenmarkts kommt. Denn auch er hat das Phänomen schon beobachtet: "Seit Montag sagt die Landesregierung auch wir müssen Masken kaufen. Das heißt, wir haben auch einen regulatorischem Druck auf diesem Markt, dass Masken hergestellt werden müssen. Das bedeutet für die Nachfrage, dass aus diesem Nischenmarkt, der vorher besonders im medizinischen Bereich oder im Baubereich aktiv war, ein Massenmarkt wird."

Ein Massenmarkt der förmlich explodiert. Das große Geld macht Benjamin Gipper damit trotzdem nicht: "Die Maske erlaubt mir, den Leuten, die sie fertigen, ihren Lohn zu zahlen und den Strom, die Maschine ein bisschen mitzutragen. Aber es ist ganz sicher keine gewinnbringende Kalkulation dahinter." Für 10 Euro kann man die Masken über seine Homepage bestellen. Bisher gab es sie nur in Weiß. Doch da er merkt, dass sich seine Kunden auch besondere Modelle wünschen, tüftelt sein Team gerade auch an bunten Masken.

Masken gehören zum Style

Die Designer von leonid matthias aus Frankfurt haben erkannt, dass Kunden mittlerweile nicht nur praktische, sondern auch stylische Mundschutze haben wollen. Die Farben, Stickereien und Muster kennen bei Leonid Sladkevich und Matthias Gruner keine Grenzen. Für sie gehören Masken schon längst zum Style. Die Maskenproduktion bei ihnen läuft auf Hochtouren. Einfache Masken gibt es im Laden oder online für 10 Euro - die mit Stickerei kosten 25 Euro und können nur über das Internet vorbestellt werden. Der Laden sendet sie mittlerweile nicht nur nach Deutschland: Unter anderem auch inItalien, Spanien, Mexiko, Frankreich, USA, Arabischen Emiraten oder England sitzen Kunden.

Wie viele Masken sie schon produziert haben, können sie nicht sagen, aber jeden Abend bringt Leonid Sladkevich eine große Tüte zum Briefkasten. 

"Mehr als das Doppelte"

Mex in Niederdorfelden bei Schneiderin Claudia Franz. Auch sie hat ihre Produktion umgestellt: Tausende Masken hat sie schon genäht, doch die Nachfrage reißt nicht ab. Stoff hat sie genug, dafür ein anderes Problem: "Der Gummi ist ein Problem. Ich habe immer so um die 20 Cent bezahlt für den Meter, jetzt sind es 80 Cent." Kein Wunder: Alleine in Hessen müssen über 6 Millionen Menschen damit ausgestattet werden.

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Preise der Masken. Bei Claudia Franz kosten sie zwischen 5,50 Euro und 8 Euro - 50 Cent mehr als zuvor. Noch etwas lässt die Preise auf dem Maskenmarkt momentan steigen, erklärt uns Finanzexperte Sebastian Rink: "Was wir jetzt allerdings sehen, ist quasi ein Nachfrageschock. Mehr oder weniger über Nacht möchte jeder eine Maske besitzen. Und das heißt mein Nachfrageprofil verändert sich radikal, was dafür sorgt, dass der Preis im ersten Moment erst einmal steigt."

Auch Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen sagt, leichte Preissteigerungen seien völlig normal. Er beobachtet jedoch, dass einige Erhöhungen gerade im Internet das normale Maß übersteigen.  "Die Richtschnur ist mehr als das Doppelte. Und wenn darüber hinaus noch dazukommt, dass die Zwangslage ausgenutzt wird und mit den Ängsten der Verbraucher gespielt wird, und eine verwerfliche Gesinnung zutage tritt, dann haben wir es auf jeden Fall mit Wucher zu tun."

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Das Mex-Fazit:

Aus einem winzig kleinen Markt ist durch die Maskenpflicht innerhalb kürzester Zeit ein echter Massenmarkt geworden.

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Autorin: Naima Kunze