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zum Video Mietexplosion – Wie Bremsen und Deckel umgangen werden

Symbolbild: Schild "Mietpreis" vor Wohnungen

Das Mietniveau ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Wirkt die Mietpreisbremse? Wie sieht es mit bezahlbaren Wohnungen aus? Mex will wissen, was kommt von den Maßnahmen der GroKo bei den Hessen an?

Wir sind in Frankfurt bei Rechtsanwältin Claudia Otto. Für ihre Wohnung zahlt sie laut Mietpreisbremse 180 Euro zu viel: "Die Mietpreisbremse ist ein neues Recht des Mieters, das klingt erst mal soweit schön. Aber ein Mieter, der am Wohnungsmarkt seine Rechte geltend macht, der ist eher nichts so gerne gesehen. Er wird rausbugsiert und ausgetauscht durch einen Mieter, der lieber auf seine Rechte verzichtet, um nicht seine Wohnung zu verlieren." Sie weiß, wovon sie spricht, sie hat selbst schon einiges an Schikanen von Vermietern erlebt.

Bauingenieur Nedzib Sadikovic beispielsweise hatte bei der Wohnungssuche keine Wahl. 11,50 Euro zahlt er pro Quadratmeter, 7,50 Euro dürften es hier laut Regelung der Mietpreisbremse sein. Der junge Familienvater hat versucht sein Recht einzuklagen. Pech für ihn, das Land Hessen hat bei der Umsetzung der Mietpreisbremse geschlampt. Deshalb gilt sie hier erst seit Juni dieses Jahres.  Zu spät für ihn. Und er ist damit nicht allein, in gerade einmal fünf Bundesländern gilt sie seit dem Start 2015. 

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Möblierte Wohnungsangebote in Frankfurt haben zugenommen
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Frankfurt Bockenheim, auch hier ist von Entspannung auf dem Mietmarkt keine Spur. Anna Honecker und Anette Mönich vom Stadtteilbüro sind enttäuscht von den Maßnahmen der Großen Koalition. 40.000 Wohnungen fehlen in Frankfurt aktuell und die Nachfrage ist riesig, zumal auch immer mehr Investoren Wohnungen aufkaufen. Es wird zwar gebaut, aber, so Anette Mönich, Stadtteilbüro Frankfurt-Bockenheim: "Wohnungsbau ist nicht gleich Wohnungsbau. Wenn hier ständig neue Wohnungen gebaut werden, die 15 Euro und mehr pro Quadratmeter kosten, halte ich das für eine völlig verfehlte Politik."

Bezahlbare Alternativen fehlen

Hinzu kommt: Bei Neubau und Modernisierung greift die Mietpreisbremse nicht, auch nicht für möblierte Wohnungen. Immer mehr Vermieter nutzen dieses Schlupfloch, fast die Hälfte aller Wohnungen in Frankfurt wird nur noch möbliert angeboten.

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Für eine möblierte Wohnung werden aktuell 26,30 Euro pro Quadratmeter im Durchschnitt verlangt. Das sind 37 Prozent mehr als 2012. Für unmöblierte Wohnungen sind es 14,61 Euro. Ein Aufschlag von 24 Prozent innerhalb von 7 Jahren.

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Auch in der 200.000-Einwohner Stadt Kassel gilt die Mietpreisbremse. Die schützt Mieter aber nur, wenn sie eine Wohnung neu beziehen. Alle drei Jahre darf der Vermieter laut Gesetz die Bestandsmiete um 15 Prozent erhöhen, wenn der Markt es erlaubt. 63 Euro sind es jetzt bei Nadja Heinze. Das Problem ist, dass bezahlbare Alternativen auch in Kassel fehlen.

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"Zu vermieten"-Schild in einem Fenster
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Harald Kühlborn vom Mieterbund Nordhessen kann über die Mietpreisbremse nur den Kopf schütteln. An den Problemen in Kassel gehen die Maßnahmen der Großen Koalition völlig vorbei, meint er: "Das Hauptthema bei uns ist, dass wir hier zu wenig Sozialwohnungen haben. Wir hatten im Jahr 2000 ungefähr 10.000 Sozialwohnungen hier in Kassel. Jetzt sind es um die Hälfte also unter 5.000 und das wird jedes Jahr so weiter gehen, weil nicht genügend Sozialwohnungen hinzukommen. Gerade für diejenigen, die wenig Geld haben ist auf dem Wohnungsmarkt nichts vorhanden. 

Viele Mieter fühlen sich ohnmächtig: Es müsse sich grundsätzlich etwas ändern. Maßnahmen wie die Mietpreisbremse seien gut gemeint, aber keine echte Hilfe.

Autorin: Jacqueline Dreyhaupt