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Mikroplastik aus der Kleidung gelang bei der Wäsche ins Abwasser

Bei jedem Waschen und Trocknen der Kleidung löst sich Mikroplastik und gelangt ins Abwasser. Wissenschaftler erforschen zurzeit wie gefährlich diese Kunststoffe für die Umwelt sind. mex zeigt, wie viele Kunstfasern beim Waschen im Wasser landen.

Bei jeder Wäsche lösen sich Mikrofasern

Polyester, Polyacryl oder Nylon sind als Kunststoff in vielen Kleidungsstücken enthalten. Im Waschkeller von Annette Kilian in Großkrotzenburg gibt es auch viele Klamotten mit diesen Chemiefasern. Sie wäscht ungefähr 40 Maschinen im Monat - rund acht bis zehn Stück in der Woche. Das Problem: bei jeder Wäscheladung lösen sich durch den Abrieb Millionen der Chemiefasern.  Inzwischen besteht unsere Kleidung zu über 63 Prozent aus Kunststoff. Wenn Annette Kilian dann alles in den Trockner schmeißt, geht der Abrieb weiter. Die Chemiefasern sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Plastikpartikel, kleiner als fünf Millimeter, werden als  Mikroplastik bezeichnet.

Wissenschaftler wollen Filter entwickeln

Mareike Kolkmann und Jan Blömer arbeiten am Fraunhofer Institut in Oberhausen. Sie wollen einen Filter für die Waschmaschine entwickeln, der das Mikroplastik auffängt bevor es ins Abwasser gelangt.  Einfach ist das allerdings nicht, erklärt Mareike Kolkmann: "Das Waschmaschinenwasser besteht eben nicht nur aus Mikrofasern" Im Waschwasser gibt es auch noch nichtgelöstes Waschmittel, Essensreste, Sand und Dreck von der Straße. Filtern haben Probleme wenn viele unterschiedliche Stoffe getrennt werden müssen".

Im Labor für Umwelttechnik wird mit Hochdruck daran gearbeitet Lösungen zu finden. Zwar gibt es diese winzigen Teilchen schon seit Jahrzehnten, aber lange war das Ausmaß so nicht bekannt. Plastik ist extrem haltbar. Was wir jetzt an Kunststoffen in die Umwelt schütten, wird noch viele Jahrhunderte dort bleiben und sich anreichern - ein Grund eine mögliche Gefahr zu untersuchen, meinen Forscher wie Jan Blömer vom Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheit und Energietechnik.

Über drei Millionen Tonnen Mikroplastik gelangen pro Jahr in die Umwelt

Rund 3,2 Millionen Tonnen des Mikroplastiks gelangt jedes Jahr in die Umwelt. Zweidrittel davon sind Fasern aus der Kleidung. Im Durchschnitt verliert eine Jacke aus Mischfaser rund 138.000 Fasern. Ein Kleidungsstück aus reinem Polyester etwa 496.000 - und Acrylgewebe rund 730.000 Fasern. Vliesstoffe verlieren am meisten Mikroplastik. Lockere Gewebe mehr als enggestrickte oder gewebte. Pro Jahr kauft jeder Deutsche etwa 60 neue Kleidungsstücke - oft auch in Einkaufstüten, die viel Elastan und Polyester enthalten.

Das Ergebnis unserer mex-Wäsche im Labor zeigt, dass die Poren des Filters voller Faserreste sind. Unter dem Mikroskop sind jede Menge Mikroplastik von nur einem Waschgang zu sehen. Blaues Plastik von einer blauen Sportjacke, rotes Mikroplastik von der roten Polyesterjacke und graue Reste vom grauen Fleecepullover. So kommen im Durchschnitt etwa 5.000 Milligramm Mikroplastik pro Waschgang zusammen. Von der Waschmaschine gelangt das Mikroplastik dann ins Abwasser, in die Flüsse und ein Teil landet als Klärschlamm auf unseren Feldern.

Ein Beitrag von Barbara Berner