Video

zum Video Milchpreis - Was Hessens Landwirte jetzt unter Druck setzt

Milch im Regal

Rund 50 Liter Milch trinkt ein Deutscher jährlich. Milch gibt’s im Supermarkt oft zum Schleuderpreis. Der Ertrag für die Bauern ist sehr gering. Mex zeigt, wer wie viel von diesem Preis im Supermarkt bekommt.

Wird es jetzt fairer? Aldi hat in diesem Monat den Preis für den Liter Milch erhöht, auf 79 Cent. Ein günstiger Liter Milch im Supermarkt kostet aktuell also 79 Cent. Immerhin 43 Prozent davon gehen an den Landwirt. Das sind nicht ganz 34 Cent und damit genau der Durchschnitt von dem, was im letzen Jahr für einen Liter Milch an die Landwirte gezahlt wurde.

Videobeitrag

Video

zum Video Die Milch – gesundes Lebensmittel oder Krankmacher?

Ein Glas Milch auf einem Holztisch
Ende des Videobeitrags

Mex besucht den Hof von Kerstin und Dirk Fehr im nordhessischen Guxhagen. Täglich geben ihre 96 Milchkühe Kühe 2.500 Liter Milch. Pro Liter bekommen sie dafür sogar nur 31 Cent. Kerstin Fehr meint: "Eine Selbstausbeutung. Also wir versuchen ja schon noch, einen auskömmlichen Milchpreis über die Menge zu erzielen. Und machen uns aber damit auch selbst kaputt. Wir arbeiten so viel wie möglich immer mehr, damit wir unser Einkommen sichern können."

Wachsen oder sterben

Mit den 31 Cent kann der Hof die laufenden Kosten, für zum Beispiel Futter oder Reparaturarbeiten gerade so decken. Investitionen in die Zukunft sind so nicht drin. Erst 40 cent wären für Kerstin Fehr ein fairer Preis: "Damit eben man nachhaltig wirtschaften kann, damit man fürs Alter zurücklegen kann, damit man, wenn eine neue Maschine nach zum Beispiel 15 Jahren notwendig ist, sie dann auch kaufen kann."

Videobeitrag

Video

zum hessenschau.de Video Corona-Krise: Milchpreise fallen

hsk1645_220420
Ende des Videobeitrags

Viele Höfe müssen aufgrund der niedrigen Preise aufgeben. So gab es vor 20 Jahren noch rund 7.700 Milchviehbetriebe in Hessen. Aktuell sind es nur noch rund 2.500. Denen, die bleiben, bleibt oft nur ein Weg - sich vergrößern: "Das macht deswegen Sinn, immer größer zu werden, weil die Landwirtschaft ja eine sehr kapitalintensive Branche ist. Man braucht viele Maschinen, um die Arbeit zu schaffen. Und dann ist es natürlich sinnvoll, wenn man die Kosten auf viel Milch umrechnen kann."

"Es müsste politische Veränderungen geben"

Zurück zu unserem Liter Milch. 15 Prozent des Preises gehen an die Molkerei. Hier wird die Milch der Landwirte verarbeitet zu Milch, Butter oder Käse. Welcher Milchpreis von hier wiederum an die Landwirte geht, ist von Molkerei zu Molkerei unterschiedlich. Die in Deutschland gezahlten Preise reichten 2019 von 31,3 Cent bis zu 37,3 Cent pro Liter Milch - ganze 6 Cent Unterschied.

Hochwald und Schwälbchen, zwei der großen Molkereien in Hessen, liegen mit ihren Milchpreisen im unteren Bereich. Landwirte wie die Fehrs müssen ihr leicht verderbliches Lebensmittel trotzdem loswerden und sind so von den Molkereien abhängig: "Wir können nur über die Menge entscheiden, und die Molkerei entscheidet über einen Preis. Das ist schon ein System, was wir als ungerecht empfinden oder auch inzwischen überholt. Es müsste dringend geändert werden. Dafür müsste es politische Veränderungen geben."

Videobeitrag

Video

zum Video Alle zahlen mit – Wie der Umstieg auf Tierwohl funktionieren soll

Schwarz-weiße Kühe im Stall
Ende des Videobeitrags

Durch Corona drohen die Preise, die die Molkereien für die Milch zahlen, noch weiter zu sinken. Denn durch die Krise fallen viele Abnehmer, wie Gastronomien und teilweise auch der Export zurzeit weg.

Ein Riesengeschäft für den Einzelhandel

Die nächsten 6 Prozent unserer Milch gehen drauf für Lagerung und Transport. Denn die Milch muss nicht nur vom Bauernhof zur Molkerei, sondern dann auch weiter in den Einzelhandel. Weitere 14 Prozent fließen in Verpackung und Entsorgung der Milch. Den zweithöchsten Anteil, nämlich 17 Prozent, streicht der Einzelhandel ein. So betrug der Umsatz mit Molkereiprodukten 2018 in Deutschland 18,2 Milliarden Euro.

Das Mex-Fazit: Auch wenn der Landwirt anteilig an einem Liter Milch das Meiste bekommt. 6 Cent mehr bei Aldi sind leider nicht sofort 6 Cent mehr beim Bauern.

Autorin: Naima Kunze