Altpapier

Der Mex-Müll Report: Fünf Wochen lang blickt mex auf Hessens Müllberge. Wo läuft es besonders gut und wo besonders schlecht? Heute im Fokus: Altpapier.

Altpapier ist ein begehrter Rohstoff. Kein Wunder, dass die Hessen so viel Sammeln: Über 450.000 Tonnen im Jahr. Doch eine nie gekannte Flut von Verpackungsmaterial und Versandkartons erschwert die Sammlung. Und immer wieder landet im Container, was dort nicht hineingehört. Niemand in ganz Hessen sammelt so fleißig Altpapier wie die Nordhessen im Kreis Kassel.  Während Hessenweit durchschnittlich 61 Kilo pro Kopf im Jahr gesammelt werden, sind es hier 8 Kilo mehr.

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Die Müllgebühren im Landkreis Kassel richtet sich nach der Größe der Restmülltonne. Wer also seinen Müll trennt, und die großen Altpapierbehälter füllt, spart Müllgebühren. Doch es wird immer aufwändiger, die 75.000 Altpapierbehälter zu leeren. Denn häufig sind Kartons neben, statt in der Tonne zu finden. 

Das macht zusätzliche Wege für die Müllwerker notwendig. Und da Kartons voluminöser als Papier sind, wird der Wagen schneller voll. Doch die Abfallentsorgung reagiert kundenfreundlich. Uwe Pietsch, Abfallentsorgung Kreis Kassel, erzählt: „Wir haben hier ein komfortables System. Sie bekommen bei uns eine zusätzliche Papiertonne kostenfrei, das heißt, wenn wir feststellen, dass an der einen oder anderen Stelle so etwas öfters vorkommt, dann sagen uns die Müllwerker Bescheid. Und dann wird eine zusätzliche Papiertonne ausgeliefert. Dann ist der Ladevorgang um ein Vielfaches einfacher, es braucht sich niemand bücken und keine schweren Kartons herum rein schmeißen.“ Denn mit Papier können Kommunen Geld verdienen, es ist ein wertvoller Rohstoff. Doch dazu später mehr.

Kelsterbach ist Schlussllicht

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Erst einmal zum Schlusslicht beim Altpapiersammeln. Die Stadt Kelsterbach hat die rote Laterne. 19 Kilo weniger als im Hessendurchschnitt kommen hier zusammen. Das sind pro Einwohner läppische 42 Kilo im Jahr. Auf ihren Altpapiertouren müssen Harald Himmelein und Andreas Bersuch immer wieder aussortieren, was am falschen Platz ist. Je anonymer das Wohnumfeld, desto mehr Müll im Container. Allerhand Müll und Kartonage kommen zusammen. Doch warum ganze 30 Prozent weniger Altpapiermenge als im Hessendurchschnitt?

Wir fragen bei der Stadtverwaltung nach. Dort ist man von unserer Frage völlig überrascht. Leider ist der Bürgermeister für unser Interview nicht verfügbar. Aber ein Sprecher der Stadt, Jochen Schaab: „Dass wir dort hessenweit an letzter Stelle sind, ist für uns neu und wir hatten keine Hinweise darauf, dass dies eine Tatsache ist.“ Vom Entsorgungsunternehmen FES ist Stefan Röttele vor Ort. Er berät hessische Kommunen in Abfallfragen. Sein Rat: Bei den Gebühren ansetzen: „Die Gebühr gekoppelt mit der Restmülltonne, alle anderen Behälter in doppelter Größe sind inklusive, sozusagen. Das ist der Anreiz, den man in Frankfurt gewählt hat, um einen hohen Anreiz zu setzten, Müll zu trennen.“

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Denn in Kelsterbach fehlt bisher ein solcher finanzieller Anreiz. Auch in Nordhessen können die Privathaushalte ihre Müllgebühr senken, indem sie Altpapier vom Restmüll trennen. Die Stadt Kelsterbach hingegen verlangt eine Extra-Gebühr für die Abfuhr der Altpapiertonne.

Weniger Papier, weniger Kohle

Verwunderlich. Denn die Kommunen verdienen mit dem Verkauf von Altpapier Geld. Das senkt dann die Kosten für die Abholung. Im Kreis Kassel werden 19.000 Tonnen Altpapier im Jahr gesammelt. Doch diese Einnahmequelle ist jetzt bedroht. Der Grund: Das Verhalten der Hessen hat sich verändert. Während die Auflagenzahl von Zeitschriften und Zeitungen sinkt, boomt der Versandhandel. Mittlerweile werden etwa 4 Milliarden Pakete pro Jahr verschickt. Immer weniger hochwertiges Papier landet in der Sammlung. Stattdessen minderwertige Kartonage.

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Uwe Pietsch sagt: „Wir haben eine Altpapieranalyse anfertigen lassen und die beweist, dass wir 60 Prozent Kartonage-Anteil in der Altpapiertonne haben. Für den Verkauf bedeutet das dass wir etwas weniger Erlöse erzielen

Das Mex-Fazit: Altpapier ist kein Müll, sondern ein recycelbarer Wertstoff. Der Wandel in der Altpapiertonne sorgt für allerhand Turbulenzen. Kein Grund, weniger zu sammeln.       

Autor Christian lang