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185 Kilogramm Biomüll pro Person und Jahr im Landkreis Kassel - nur 27 Kilo in Offenbach. Die Unterschiede beim Sammeln von Bioabfall sind gewaltig. Dabei ist Biomüll wertvoll, er wird zu Energie oder Kompost verarbeitet. mex ist der Sache nachgegangen.

Die Biotonne in Hessen ist ein Erfolgsmodell: 570.000 Tonnen kommen jedes Jahr zusammen und werden zu Kompost oder Energie. Doch nicht überall wird die Tonne so geschätzt. Immer mehr Dinge landen im Bioabfall, die dort nicht reingehören. mex besucht den Hessenmeister in Sachen Bioabfall. Nirgendwo sonst in Hessen wird so viel aus den Biotonnen gesammelt wie im Landkreis Kassel: 185 Kilo pro Einwohner im Jahr, das ist doppelt so viel wie im Landesdurchschnitt.

Eine 240 Liter Biotonne – in dieser Region ist sie braun -  kostet im Gesamtpaket mit einer 80 Liter Restmülltonne 14,80 Euro im Monat. Heute wird Bioabfall in Espenau geleert. Doch auch in Hessens Vorzeigeregion landet in der Biomüll-Tonne oft Abfall, der nicht hineingehört. Die Müllwerker Leonid Essling und Leon Albrecht müssen immer häufiger rote Zettel ankleben. Manche Müll-Betrüger geben sich erstaunlich viel Mühe. Deshalb wird jetzt modernste Technik angeschafft, um Müll in der Biotonne zu orten. Demnächst wird auf jedem Wagen ein Müllradar installiert, der Fremdstoffe in der Tonne erkannt.

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Bioabfälle sind überlassungspflichtige Abfälle, die getrennt zu erfassen sind und über die Biotonne einer Verwertung zugeführt werden. Was hinein gehört und was nicht, lesen Sie hier.

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Weniger Kochen, weniger Biomüll 

Von Bioabfall-Trennung scheinen sie in Offenbach überhaupt nichts zu halten. Die Stadt ist in Hessens Schlusslicht bei der Bio-Tonnensammlung: Nur klägliche 27 Kilo im Jahr werden dort pro Einwohner gesammelt. Eigentlich müsste hier vor jedem Haus eine - hier schwarze - Tonne zur Abholung bereit stehen. Doch Biotonnen sind Mangelware. Warum sammeln die Städter so wenig Bioabfall? Wir fragen Christian Loose vom Offenbacher Stadtservice: „Es fängt damit an, dass sie räumlich sehr beengt wohnen, einfach, im Geschosswohnungsbau. Da fängt es schon in der Küche an, dass sie gar nicht so viel Platz haben zu trennen, was wir trennen wollen. Und dann kommt die individuelle Situation hinzu. Es wird immer weniger gekocht.“

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Nun soll eine Informationskampagne für die Bioabfalltrennung werben. In Kindergärten und Schulen setzt die Kampagne an. In 14 Sprachen wird Sinn und Zweck der Abfalltrennung erklärt. Denn über 60 Prozent der Offenbacher haben einen Migrationshintergrund. Loose erklärt: „Offenbach als Arrival City, Ankunftsstadt, wir haben viele Personen, die in Deutschland erst einmal integriert werden und sich integrieren und da gehört eben auch unser System der Abfalltrennung dazu.“

Die Entsorger bemühen sich, die Offenbacher für das Thema Bioabfall zu sensibilisieren. Damit in Zukunft mehr als nur drei halbvolle Tonnen vor so einem Wohnblock zusammenkommen. Denn Bioabfall wird zu einer immer wichtigeren Ressource beim Klimaschutz.

Bioabfall ist ein wertvoller Rohstoff

Zurück beim Spitzenreiter im Landkreis Kassel. Die Vergärungsanlage in Lohfelden kann im Gegensatz zu vielen anderen in Hessen auch kompostierbare Tüten verarbeiten. Betriebsleiter Stephan Margraf zählt auf, was hingegen aussortiert werden muss: „Es gibt ja Gläser, in denen Gurken oder Ähnliches sind, Lebensmittel, die landen zu großen Teilen bei uns. Die werden im guten Glauben, dass Bioabfall drin ist, entsorgt und das bekommen wir nicht in den Griff.“ 

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Der gesäuberte Bioabfall vergärt in den Hallen und produziert dabei Methangas. 1,5 Millionen Kubikmeter wurden 2017 gewonnen und im Kraftwerk in Strom umgewandelt. So entsteht klimafreundliche, alternative Energie. Der Jahresbedarf von 1.000 Haushalten. Bioabfall ist also ein wertvoller Rohstoff.

Es entsteht feinstes Gärtnergold für kleines Geld. 10.000 Tonnen Kompost werden jedes Jahr für Hobbygärtner, Landwirte und Gartenbaubetriebe gewonnen. Die Kreislaufwirtschaft für Bioabfall in Nordhessen funktioniert also. Wer Bioabfall sammelt, schont Ressourcen und schützt die Umwelt.

Autor: Christian lang