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Milch im Regal

Jeder mag Milch, aber oft kostet ein Liter im Supermarkt nur wenige Cent. Mex will wissen: Wie passt das zusammen? Wir zeigen eine Idee wie Verbraucher das bekommen was sie wollen und es Landwirten und Tieren trotzdem gut geht.

Nicolas Barthelmé will die Lebensmittelbrache jetzt gerechter machen. Verbraucher sollen selbst entscheiden, wie ihre Milch hergestellt wird. Landwirte sollen dabei fair vergütet werden. Gerade da hapert es nämlich noch gewaltig, weiß der Chef d Barthelmé  von der Verbraucherinitiative "Du bist hier der Chef": "Das große Problem ist der Milchpreis, der sehr niedrig ist für einen konventionellen Landwirt. Der bekommt im besten Fall 34 Cent pro Liter. Damit kann er eigentlich seine Kosten nicht decken. Er kann in seinen Betrieb nicht investieren. Er kann nicht so richtig in Tierwohlmaßnahmen investieren und am Ende er kann ja eigentlich nicht unbedingt das umsetzen, was die Verbraucher haben wollen."

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Deshalb gründet er die Initiative "Du bist hier der Chef". Bis Ende Februar können alle Milchkäufer online acht Fragen beantworten und so mitbestimmen, wie ihre Milch hergestellt wird.  Themen sind zum Beispiel Fütterung der Kühe, Vergütung der Landwirte oder Tierwohl: "Wenn man am Regal ist, kann man vieles kaufen. Aber man hat eigentlich kaum die Chance zu erkennen, wo die Produkte her kommen, wie sie produziert werden. Und das wollen wir drehen. Wir zeigen genau, was möglich ist. Wir zeigen, was wie viel kostet. Und wir entscheiden zusammen, was uns wichtig ist." Vielen Hessen, denen wir das Konzept erklären, finden die Idee gut.

Bauern sind begeistert

In Frankreich funktioniert das schon. Seit 3 Jahren steht die Milch hier in den Regalen. Inzwischen gibt es noch über 30 andere Produkte wie Butter, Tiefkühlpizza und Apfelsaft. Für alle Produkte gilt: Die Landwirte bekommen einen fairen Anteil und mehr als jetzt. Wir begleiten Nicolas Barthelmé bei einem Gespräche mit Sven Lorenz. Der Bio-Bauer aus Vöhl in Nordhessen könnte einer der Landwirte sein, die am Ende für "Du bist der Chef" produzieren.

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Die Verbraucher-initiative "Du bist hier der Chef"

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Er war wie viele andere hunderte Landwirte sofort begeistert von der Idee: "Man hört immer, der Verbraucher wünscht sich dies. Der Verbraucher möchte das, aber letztendlich die Kaufentscheidung ist eine ganz andere. Hierbei wird erstmalig der Verbraucher und der Erzeuger zusammen in einem Produkt  gebunden und fühlt sich so ein bisschen verantwortlich für das, was nachher am Markt passiert."

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Rinder stehen auf Weide im Schwälmer Tal bei Willingshausen-Steina
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Bisher bekommt Sven Lorenz 47 Cent pro Liter Milch. Künftig könnten es bis zu 59 Cent pro Liter sein: "Es wird sich für uns lohnen, indem wir einen auskömmlichen Milchpreis für unseren Betrieb bekommen, um zukünftig auch für meine Kinder einen Hof zu hinterlassen, der sich rechnet, der sich trägt, der nachhaltig wirtschaften kann."

Wie geht es den Tieren?

Je nachdem für was sich die Verbraucher entscheiden, müsste der Landwirt aber auch noch in seinen Hof investieren: "Zum Beispiel die Ammen- oder muttergebundene Kälberaufzucht. Dafür müssten wir etwas investieren, um das möglich zu machen, die Kälber länger bei den Kühlen zu lassen. Das andere wäre die Fütterung, wenn zum Beispiel ein regionales Futter gewählt würde, hätten wir ein bisschen mehr Kosten."

Nicholas Barthelmé möchte auch nachdem die Milch im Handel verfügbar ist überprüfen, ob die Landwirte die Milch auch tatsächlich so produzieren, wie vom Verbraucher gewünscht: "Wir werden ein externes Prüfungsinstitut damit beauftragen zu gucken, dass die Landwirte, aber auch die Molkerei, nach den Kriterien von den Verbrauchern produziert. Und wir gehen zusätzlich auch mit Verbrauchern zusammen hin und gucken ganz genau, wie gearbeitet wird, wie es den Tieren geht."

Preise transparent machen

Doch was bedeutet das konkret für den Preis der Milch?  Auf dem Markt in Offenbach beantworten einige Hessen für mex den Fragebogen. Je nachdem für was Kunden sich entscheiden variiert der Preis zwischen 73 Cent und 1,46 Euro. Für den Milchpreis von 1,46 Euro bedeutet das:

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59 Cent gingen an den Landwirt. Die Kosten für Transport, Produktion, Molkerei, Verpackung, Logistik und Lagerung würden ähnlich wie die der bisherigen Bio-Milch bleiben, insgesamt 71 Cent. An die Initiative würden insgesamt 7 Cent gehen. Der Rest ist Mehrwertsteuer.

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Ja-Fleisch im Supermarkt mit neuer Kennzeichnung.
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Barthelmé sagt: "Wir machen transparent, wie ein Preis sich zusammenstellt, was unterschiedliche Kriterien und Maßnahmen für Qualität, für Fairness etc. kosten. Die Leute haben die Möglichkeit direkt zu entscheiden, was sie haben wollen."

Am Ende entscheidet die Mehrheit, welche Milch bei uns in den Regalen landet. Schon im Mai soll es die Verbraucher-Milch in den großen Supermärkten zu kaufen

Autor: Naïma Kunze