Bleiben die Zinsen so niedrig?

Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank haben die Zinsen für Sparer immer weiter Richtung Null gedrückt. Auf der anderen Seite steigen die Immobilienpreise. mex wirft einen Blick hinter die Kulissen.

Wie die Europäische Zentralbank Staatsanleihen kauft

Wenige  Maus-Clicks - dann die Entertaste und die Europäische Zentralbank hat für 20 Millionen Euro eine Staatsanleihe gekauft. mex ist zu Besuch im Handelsraum der EZB in Frankfurt und triff Niels Krieghoff. Er arbeitet dort seit sechs Jahren. Wie das mit dem Kauf der Anleihen funktioniert, erklärt der Banker so: "Das ist relativ einfach. Ich wollte heute zum Beispiel eine italienische Staatsanleihen kaufen, die über zehn Jahre läuft. Ich habe hier schon eine rausgesucht. Dann suche ich mir noch Handelspartner aus und gebe schnell den Sicherheitscode ein. Jetzt frage ich Preise bei den Handelspartnern an und warte auf die Preise. Ich drücke auf Kaufen - und habe jetzt Anleihen für 20 Millionen Euro gekauft." Dabei schaut ihm ein Kollege über die Schulter, denn bei dem Handel gehört das Vier-Augen-Prinzip zum Standard. 

Das Bezahlen für eine solche Staatsanleihe funktioniert bei einer Zentralbank ganz anders als im normalen Leben. Denn die EZB zahlt nicht direkt dafür, sondern schafft neues Geld. Dafür kauft die EZB einer Bank, für zum Beispiel 20 Millionen Euro, Anleihen ab. Diese Summe wird der Bank auf ihrem Konto bei der Europäischen Zentralbank gutgeschrieben. Diese Gutschrift hat die EZB in diesem Moment selbst geschaffen, um die Anleihe zu kaufen. Würde die Bank das Geld in bar abheben, könnte die EZB es auch drucken lassen. 

Die Europäische Zentralbank pumpt Geld in den Markt

Die Dimensionen kann der Händler seinen Freunden außerhalb der Bankenwelt nur schwer klarmachen: "Die Käufe an sich, sind nicht ganz so leicht zu vermitteln. Einfach, weil die Zahlen und Summen wirklich sehr groß sind. Allerdings kann man die Effekte von den Käufen den Leuten doch recht gut vermitteln - was das für eine Auswirkung auf ihr Leben hat ", erklärt der EZB-Portfolio-Manager Nils Krieghoff.

Christiane Nickel ist Abteilungsleiterin und hat die Inflationsrate im Blick. Die ist aus der Sicht der EZB zu niedrig - zu weit entfernt vom Zwei-Prozent-Ziel. "Wir machen die Finanzierungsbedingungen für private Haushalte und auch für Unternehmen billiger. Damit fördern wir den Konsum und Investitionen. Die Wirtschaft wird stärker stimuliert und damit werden auch die Preise wieder steigen", so die Abteilungsleiterin.

Anleihekaufprogramme der EZB bringen nicht den gewünschten Effekt

Mit immer mehr Geld die Inflationsrate nach oben treiben - so sollte es eigentlich nach dem Lehrbuch funktionieren. Genau deshalb hat die EZB immer mehr Anleihen gekauft. Seit dem Start im Jahr 2015  wuchs der Bestand auf die Summe von 2,6 Billionen Euro. Nach einer kurzen Pause wird ab November wieder neu gekauft: Für 20 Milliarden Euro pro Monat. Doch dieser ganze Aufwand brachte schon bisher nicht den gewünschten Effekt, sagt Finanzexperte Adalbert Winkler von der Frankfurt School of Finance: "Beachtenswert ist, dass es trotz dieser niedrigen Zinsen und trotz der Anleihekaufprogramme nicht gelungen ist, die Inflationsrate auf das Maß zu heben, das angestrebt worden ist. Insofern muss man sicher konstatieren, dass die EZB sicher glücklicher wäre, wenn sie das beenden könnte und ihr Ziel erreicht hätte."

Das Geld wird für Sparer immer weniger wert

Die Anleihekäufe haben die Zinsen für Sparer immer weiter Richtung Null gedrückt. Die Folgen kann jeder auf dem Sparbuch sehen: Das Geld bringt keine Zinsen mehr. Der Wechsel an der EZB-Spitze von Mario Draghi zu Christine Lagarde, Anfang November, wird an der Zinspolitik nichts ändern. Also müssen die Deutschen umdenken, sagt mex-Finanzexperte Hermann Josef Tenhagen und fordert: Handeln statt Jammern: "Es ist für den deutschen Sparer so, wie er sich jetzt aufstellte, eine unerfreuliche Sache. Weil er unendlich viel Geld auf Tagesgeldkonten hat. Und das Geld muss da weg. Wer die 2.000 Milliarden Euro weiterhin auf solchen Konten lässt, muss sich nicht wundern, wenn dieses Geld immer ein bisschen weniger wird. Man muss dieses Geld investieren."

Preise für Immobilien explodieren

Das kann der Kauf von Aktien an der Börse sein oder auch eine Immobilie. Doch wegen des billigen Geldes sind die Preise für Wohnungen und Häuser in Ballungsräumen explodiert und erreichen immer neue Höhen. Neben dem Senckenberg-Museum in Frankfurt wächst ein Hochhaus mit Super-Luxus-Wohnungen in die Höhe, zu einem stolzen Preis von 13.000 Euro pro Quadratmeter. Rund 1,8 Millionen Euro kostet dort eine 137-Quadratmeter-Wohnung. Doch selbst 13.000 Euro pro Quadratmeter werden schon übertroffen. So gebe es schon Wohnungen, die für den Preis von 22.000 Euro pro Quadratmeter verkauft werden.

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Gigantische Preise auf dem Immobilienmarkt und unfassbare Summen bei der Europäischen Zentralbank. Was da gerade passiert, übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Hessen.

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Ein Beitrag von Steffen Clement