Bio-Lebensmittel

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner fordert die Verbraucher auf, wertiger einzukaufen. Das kostet mehr. Doch wie viel mehr? mex will wissen, was Hessens Landwirte brauchen, um ein gutes, wertiges Lebensmittel zu produzieren.

Los geht es mit den Einnahmen, die aus Sicht der hessischen Bauern zu niedrig sind. mex besucht die Milch-Bauernfamilie Hölz im mittelhessischen Weinbach. Seit 2 Generationen bewirtschaften sie ihren Hof. Im Stall sind 250 Kühe. Und Senior Burkhard Hölz wird deutlich, wenn es um die Entwicklung des Milchpreises geht: "Wenn der Milchpreis sich für uns nicht wirklich verbessert in den nächsten Jahren und dann die Anforderungen steigen, dann ist für uns früher oder später der Betrieb am Ende, so wie das schon vielen Bauern geht."

Die deutsche Landwirtschaft ist dem scharfen Wind des Weltmarktes ausgesetzt. Das merken die Milchbauern besonders. Aktuell steht der Milchpreis 5 Cent niedriger als noch vor zwei Jahren: bei nur 35 Cent pro Kilogramm.

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Was für die Milch gilt, gilt auch für die Eier. Mex besucht Bauer Axel Strauß in Reinheim. Der verpackt jeden Tag 40.000 Eier seiner Hühner und verkauft sie an verschiedene Supermärkte und Kantinen. Der derzeitigen Marktpreis für unsortierte Eier aus Bodenhaltung beträgt etwa 9 Cent. Strauß vom Geflügelhof sagt: "Für diesen Preis ist es fast unmöglich ein Ei zu  produzieren. Wir brauchen schon circa 7 Cent allein nur für das Futter für die Tiere. Und dann kommt der Stall noch hinzu. Das Tier kommt hinzu."

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Gemüse im Supermarkt
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7 Cent Kosten, 9 Cent Einnahmen, eine enge Rechnung. Und in den 9 Cent ist bereits eine Steigerung um 14 Prozent seit 2015 enthalten. Was gar nicht so wenig klingt, ist aber eine reale Preiserhöhung um gerade mal 1 Cent pro Ei. Strauß meint: "Wir werden nicht mehr drum herumkommen, dass die Produkte in Deutschland teurer werden müssen. Darauf wird sich der Verbraucher einstellen müssen."

Hohe Investitionen

Der Grund sind Vorgaben aus der Politik und vom Verbraucher. Mehr Tierwohl, mehr Klimaschutz. Für unsere hessischen Bauern bedeutet das: sie müssen investieren.Für den Kunden reicht der aktuelle Eierpreis  aus Bodenhaltung von 2,69 Euro im Supermarkt bis zu 1,29 Euro für je 10 Eier bei den Discountern. Und Aldi und Lidl haben den Preis pro Packung gerade erst um 10 Cent erhöht. Das heißt aber nicht unweigerlich, dass mehr Geld  beim Landwirt ankommt, bestätigt uns auch Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU), die Mex auf der Grünen Woche in Berlin trifft.

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Lebensmittel mit Bio-Label
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Und immer neue Vorgaben aus der Politik machen die Rechnung für die Bauern schwer. Familie Hölz in Weinbach hat in ein neues Güllepot trotz Zuschuss 200.000 Euro investiert. Der neue Mähdrescher hat 115.000 Euro gekostet. Und noch mehr, sagtMarco Hölz vom Elkenhof: Wir haben hier einen Stall der kratzt am siebenstelligen Bereich von der Ausgabe her. Und da kommt Zins und Tilgung dazu, die sind enorm. Wenn wir unsere Biogasanlage nicht hätten, wüssten wir gar nicht, wie wir die letzte Rechnung am Ende des Monats bezahlen.

"Alle wären glücklich"

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Gemüse im Supermarkt
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In einem sind sich Politik und Bauern derzeit einig. Es braucht einen Preis-Aufschlag. Könnte der Bauer sorgenfrei und tiergerecht produzieren, müsste er 16 Cent pro Ei bekommen, der Verbraucher müsste 2,54 Euro zahlen. Auch unser Milchbauer hätte gerne einen Preis-Aufschlag auf die bisherigen rund 35 Cent pro Liter.  Hölz sagt: "Wenn ich davon ausgehe, dass wir vielleicht ein Drittel des Erlöses bekommen von dem, was der Einzelhandel erzielt, dann wäre das 1,20 Euro pro Liter Milch im Discounter oder im Laden. Und dann hätten wir 40 Cent. Und ich denke, da könnte der Verbraucher super mit leben. Da könnten wir gut mit leben und alle wären glücklich."

Vorausgesetzt der Handel streicht nicht wie bisher bei der Milch den Löwenanteil ein.  Deren Preispolitik wird auch von der Ministerin Klöckner kritisiert: Was mich ärgert, das gerade mit Lebensmitteln  Dumpingangebote, Lockangebote gemacht werden, damit Verbraucher in den Laden kommen und Mischkalkulatorisch wird's dann wieder reingeholt beim Waschpulver."

Schnäppchenkultur bei den Lebensmitteln, kein Land in Europa gibt so wenig  für  Nahrung aus wie die Deutschen. Die Landwirte sollten ihre Produkte auch  entsprechend bezahlt bekommen.

Autorin: Barbara Berner