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zum Video Preis-Jojo - wie Aldi seine Sonderangebote finanziert

Ein voller Einkaufswagen vor einem Aldi-Discounter

Eine Flasche Coca Cola für 89 Cent oder Langnese-Eis für 1,79 Euro - mit diesen Angeboten lockt Aldi die Hessen in die Läden. Kann man mit solchen Preisen noch verdienen? mex will wissen, wie der Discounter seine "Markenkracher" finanziert.

Neue Markenangebote statt Dauerniedrigpreise

Dauerniedrigpreise waren bislang die Taktik von Discounter Aldi. Egal ob Marke oder Eigenmarke - das Ziel war, die Preise der Mitbewerber dauerhaft zu unterbieten. Damit scheint jetzt Schluss zu sein. Die neue Taktik: Seit diesem Jahr hat Aldi jede Woche neue Marken im Angebot. Ein Angriff auf Mitbewerber; erklärt uns Handelsexperte Bernhard Heidel: "Ein Grund wird sein, dass die Hersteller Druck auf Aldi ausgeübt haben, der wiederum auf Druck der Mitbewerber entstanden ist. Wenn Aldi ein Markenprodukt deutlich niedriger anbietet als der Wettbewerber, dann wirkt sich natürlich auch auf die Spanne in den Supermärkten aus." So gibt es die großen Marken zu exakt den gleichen Preisen, wie bei den Mitbewerbern.

Wer kauft Markenprodukte zum Normalpreis?

Die Folge ist eine Mischkalkulation des Discounters. Um die sehr günstigen Angebote finanzieren zu können, muss Aldi an anderer Stelle auf den Preis aufschlagen. Während große Marken wie Jacobs Krönung, Butter oder Almighurt in den Angebotswochen fast zum Einkaufspreis angeboten werden, werden Preise anderer Artikel fast unbemerkt und dauerhaft angehoben.

mex hat das Preisbewusstsein der Kunden bei unterschiedlichen Produkten in einer Stichprobe getestet: Während viele die Preise der großen Marken auf den Cent genau sagen konnten, war die Preiskenntnis bei Produkten wie Toastbrot, Toilettenpapier oder Eiern sehr unterschiedlich. Genau das nutzt Aldi aus - denn die Preise solcher Produkte sind innerhalb eines Jahres um bis zu 25 Prozent gestiegen. Gegenüber mex nennt Aldi für die Preiserhöhungen folgende Gründe: "Die Preise, die wir an alle unsere Lieferanten zahlen, richten sich nach Angebot und Nachfrage (…) es lässt sich (…) mitunter nicht vermeiden, Produktpreise nach oben anzupassen, wenn sich die Marktpreise ändern."

Einfluss auf die eigene Preisgestaltung sinkt

Die neue Preispolitik von Aldi hat aber auch Auswirkungen auf die Eigenmarken des Discounters. Zum Beispiel bei der Butter. Zu Beginn des Jahres stand der Preis bei 1,79 Euro. Seit Aldi in den Angebotskampf eingestiegen ist, wirbt der Discounter immer wieder mit Niedrigpreisen bei Kerry-Gold Butter mit bis zu 1,59 Euro. Die Folge ist, dass der Preis der Eigenmarke sinkt. Aktuell steht der Preis der Eigenmarkenbutter bei 1,39 Euro. Auch beim Kaffee sinkt Aldis Eigenmarke von 3,79 Euro auf 2,99 Euro - dank des Tiefstpreises bei starken Marken, wie Jacobs Krönung für 3,29 Euro.

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Das mex-Fazit

Der Einfluss von Aldi auf die Preisgestaltung sinkt, der Kampf um das beste Angebot wird härter. Zwar kann der Discounter noch an einigen Stellschrauben drehen, insgesamt aber profitieren die Kunden, während die Gewinne bei Aldi zurück gehen.

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Ein Beitrag von Anke Heinhaus