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Das ist die Realität: Links die Fahrspur, rechts parkende Autos und dazwischen irgendwo das Fahrrad. Mex will wissen: Wie viel Platz braucht das Fahrrad? Welche Abstände müssen Radfahrer und Autofahrer einhalten?

Unsere Tour startet in Frankfurt Bockenheim. Wie überall in Frankfurt ist dieser Fahrradweg schmal, wird teilweise von Autos zugeparkt. Ein Ausweichen ist fast unmöglich, auf der linken Seite schieben sich LKW, Busse und Autos knapp an der Radspur vorbei.

 Wie richtige Sicherheitsabstände aussehen, zeigt uns die Initiative Radentscheid Frankfurt, mit Poolnudeln. Zum parkenden Verkehr müssen Radfahrer einen Meter Abstand einhalten, andernfalls droht bei einem Zusammenstoß mit einer sich öffnenden Tür eine Mitschuld. Überholende Autos wiederum müssen einen Abstand von 1,50 Meter zum Fahrrad einhalten.

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Wir treffen Verkehrsanwalt Peter Sermond. Der sagt, viele hessische Radwege sind auch aus rechtlicher Sicht viel zu eng: „Die meisten Radschutzstreifen, die eingerichtet werden, dürfen gar nicht eingerichtet werden, weil einfach der Platz vorne und hinten nicht reicht. Wenn wir jetzt einfach mal rechnen, 1 Meter Abstand zu parkenden Fahrzeugen, 30-40cm ist ein Fahrradfahrer locker breit, plus 1,50, dann sind wir auf drei Meter, die ein Fahrrad braucht, damit es überholt werden darf, das ist quasi eine Fahrbahnbreite.“

Mindestabstand per Gesetz

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Mit diesem Wissen machen wir uns auf nach Darmstadt und messen nach. Ein Fahrradstreifen bringt auf magere 74 Zentimeter. Abstand zu den Radlern hält hier folglich kaum einer, berichtet uns Fahrradfahrer David Grünewald vom Radentscheid Darmstadt. Auch er will uns mit einer Schaumstoffstange den Abstand zeigen, den Autos einhalten müssten: „Also die Gerichte und neuerdings auch das Bundes Verkehrsministerium sagen 1,50-2 Meter.“

Wir probieren das aus und befestigen wieder unsere Schwimmnudel am Fahrrad. Unten, ohne Abstandshalter, fahren Autofahrer wesentlich enger am Radfahrer vorbei als oben mit Abstandshalter. Und diesen Mindestabstand will Hessens Verkehrsminister Tarek al Wazir nun gesetzlich festlegen. Darüber hinaus soll die Strafe fürs Halten und Parken auf dem Radweg von aktuell 20 auf 60 Euro steigen.

Unsere nächste Station ist Nidderau im Main Kinzig Kreis. Dieses Beispiel zeigt, in kleinen Orten mit neu geplanten Straßen sieht es nicht besser aus. Erst vor zwei Wochen wurden hier die Fahrradschutzstreifen aufgepinselt. Weil die Fahrspuren jetzt viel zu eng sind, wurde kurzerhand die Mittelspur weg gefräst. Jetzt muss jeder sehen, wo er bleibt bzw. fährt. Autos fahren auf der Fahrradspur, die Fahrradfahrer weichen auf die Gehwege aus.

 Es gibt den perfekten Radweg

Hätte dieser Radweg überhaupt eingerichtet werden dürfen? Nein, sagt Verkehrsexperte Peter Sermond und geht sogar noch einen Schritt weiter. Straßen ohne Radschutzstreifen seien für Radfahrer sogar sicherer: „Wenn die Radschutzstreifen aufgepinselt sind, dann orientieren sich die Autofahrer konsequent an dieser Linie, und wenn nichts ist, fährt der Radfahrer konsequent auf der Straße, so dass wirklich nur überholt wird, wenn tatsächlich keiner entgegenkommt.“

Schließlich finden wir ihn dann aber doch, den perfekten Fahrradweg. Mitten in Darmstadt wurde er vor wenigen Tagen den Radfahrern übergeben. Mit einem 2 Meter 40 breiten Fahrstreifen und einer 1 Meter 50 breiten Sicherheitsvorrichtung zum fließenden Verkehr erfüllt er alle Ansprüche fürs sichere Radfahren.

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Das mex-Fazit

Leider ist das aber derzeit noch die Ausnahme in Hessen. Denn die meisten Radwege stecken voller Fallen: viel zu eng, viel zu nah am Verkehr und zugestellt mit Hindernissen.

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Autorin: Anke Heinhaus