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zum Video Raps-Rekord – Wie es Hessens Bauern derzeit geht

Diesen Raps-Acker in Dautphetal-Hommertshausen (Marburg-Biedenkopf) hat hessenschau.de-Nutzerin Anne Hofmann fotografiert. "Die Bienen summen fleißig", schreibt sie zu Ihrer Aufnahme.

Hessen trägt gelb. Die blühenden Felder strahlen mit der Sonne um die Wette. Nur die Landwirte strahlen nicht, es hat ihnen mal wieder die Laune verhagelt. Mex will wissen: Hat die extreme Frühjahrstrockenheit Auswirkungen auf die Ernte?

Wir sind in Bad Homburg bei Landwirt Stefan Wagner. 75 Hektar Land bewirtschaftet er in fünfter Generation unter anderem mit Weizen, Gerste, Hafer und vor allem Raps. Und damit ist er in diesem Jahr in guter Gesellschaft: Um 30 Prozent ist der Rapsanbau im Vergleich zu den vergangenen Jahren in Hessen gestiegen. Und dafür gibt es einen einfachen Grund: "Die letzten 2 Jahre der Aussaat waren extrem trocken gewesen. Das letzte Jahr war etwas besser als die Jahre davor und deswegen haben wir wieder mehr Raps im Anbau."

Der sogenannte Winterraps, der jetzt blüht, wird bereits Ende August des Vorjahres ausgesät. Wenn dann der Boden nach einem heißen, niederschlagsarmen Sommer staubtrocken ist, lohnt die Aussaat nicht. 

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So wie im August 2018: in diesem Monat sind gerade mal 22,2 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Der Boden war zu trocken für eine Aussaat, weswegen der Rapsanbau stark eingebrochen ist. Ganz anders die Niederschläge im August 2019: mit 73,1 Liter pro Quadratmeter waren sie mehr als dreimal so hoch wie die im August Jahr zuvor

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Staub wirbelt auf, während ein Bauer ein Feld bearbeitet.

Und auch die vergangenen Herbst und Wintermonate waren feucht und Regenreich. Stefan Wagner ist mit diesen Startbedingungen nicht zufrieden: "An dem Rapsbestand kann man schon sehen, dass er unter der Trockenheit gelitten hat. Normalerweise müsste der Raps höher sein, also da fehlt dann schon einiges. Das wird sich im Ertrag wiederspiegeln." 

Schon wieder Trockenstress 

War es tatsächlich vergleichsweise wieder viel zu trocken? Leider ja, sagt Diplom Meteorologe Tim Staeger aus der ARD Wetterkompetenzzentrum: "Über den Winter haben wir sehr viel Niederschlag bekommen, vor allem im Februar. Das heißt, wir haben gute Ausgangsbedingungen gehabt, aber jetzt ist die Bodenfeuchte wieder stark abgesunken, auch unter dem normalen Zustand den man in dieser Jahreszeit erwartet. Und durch diese extreme Trockenheit der vergangenen Wochen sind wir schon wieder weit unterdurchschnittlich. Somit muss man sagen, die Pflanzen leiden jetzt schon Trockenstress."

Wie sehr die Pflanzen unter der Trockenheit gelitten haben, zeigt uns Landwirt Karlheinz Rück, 60 Kilometer weiter südlich in Roßdorf im Kreis Darmstadt Dieburg. Auf 115 ha Land bewirtschaftet er unter anderem Zuckerrüben, Weizen und Mais und hält außerdem 90 Milchkühe. Auch wenn es bei unserem Dreh gerade regnet, für einige seiner Zuckerrüben kommt der Regen zu spät. Eigentlich müssten die Früchte in Reih und Glied stehen, stattdessen sind riesige Lücken auf dem Acker: "Wir können uns jetzt mal hinknien und schauen, da liegen jetzt die Körner wahrscheinlich noch drin, ohne dass irgendwas passiert ist, ohne das die gekeimt sind." Und die, die gekeimt sind, sind teilweise zu klein.

Das Defizit bleibt

 Der Verlust durch die Frühjahrs-Trockenheit beträgt aktuell etwa 30 Prozent. Und noch einen Verlust musste er bereits hinnehmen: Durch die Trockenheit ist das Gras auf seiner Weide schlecht gewachsen. Das bedeutet weniger Futter für seine Kühe, mit dramatischen Folgen: "Die Folge ist, dass wir Kühe schon geschlachtet haben, die wir erst im halben Jahr geschlachtet hätten. Aber im Hinblick auf diese Situation, auf diese Wettersituation, werden ja wahrscheinlich auch die nächsten Schnitte nicht so ertragreich werden. Da haben wir schon vorgebaut, um nicht im Herbst oder im Winter dazustehen, und kein Futter zu haben." Insgesamt musste er 10 Kühe schlachten, um genug Futter für den Rest zu haben. 

Denn auch, wenn im Mai noch viel Regen fallen sollte: Ein Wasser-Defizit bleibt bestehen. Diplom Meteorologe  Staeger sagt: "Wir haben jetzt durch diese Witterungsperiode 20 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter. Das Defizit beträgt aber schon wieder 200 bis 250 Liter." Diese Defizite werden wohl immer häufiger und genau darauf müssen die hiesigen Landwirte reagieren.

 Landwirt Wagner sagt: "Die Winter werden immer milder, so dass man den Aussaat-Termin von Sommerungen vorverlegen kann, um die Feuchtigkeit im Winter noch besser mitzunehmen." Und statt Weizen gibt’s vielleicht künftig Sojabohnen: "Die Sojabohne ist ja hier gar nicht zuhause, sondern sie wächst in viel viel wärmeren Gebieten zuhause und an solchen Ländern orientiere ich mich jetzt."  

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Das Mex-FAZIT

Sommerkulturen, die bereits im Winter gesät werden, oder Kulturen, die normalerweise im mediterranen Raum zuhause sind: Fakt ist, die Landwirte werden langfristig vor völlig neue Herausforderungen gestellt.

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Autorin: Anke Heinhaus