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zum Video Recycling-Schmu – Wo der Müll aus dem gelben Sack landet

Plastikfolie, Eisverpackung und Blumentopf: All das kommt in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack. Bei der Mülltrennung sind viele Hessen Überzeugungstäter. Aber die Realität ist ernüchternd: Von wegen Wiederverwertung. MEX hat recherchiert.

Beim Plastikmüll liegt die wahre Recyclingquote in Deutschland bei gerade mal 17 Prozent. Unter anderem weil modernste Sortieranlagen den Müll nicht erkennen. Christoph Lindner, Experte für Abfallwirtschaft, erklärt: „Der Infrarotstrahl wird nicht reflektiert und damit wird das Produkt nicht erkannt und es landet im Sortierrest.“ MEX zeigt, was mit den Plastikverpackungen passiert und welche Probleme es in der Mülltrennung gibt.

Das kennen die Hessen nur zu gut: Ein Einkauf im Supermarkt und schon hat sich wieder haufenweise Plastikmüll angesammelt. Für viele Verbraucher ein Ärgernis. Keine Frage: Das Umweltbewusstsein bei Händlern und Verbrauchern steigt. Und trotzdem wachsen die Müllberge weiter, die Müllmänner haben gut zu tun.

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Im vergangenen Jahr stieg die Menge an Verpackungsmüll in Deutschland auf knapp 3,1 Millionen Tonnen. Jeder Bürger schmeißt damit im Durchschnitt pro Jahr 37 Kilo Müll in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne.

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Christoph Lindner berät die Verpackungsindustrie und weiß deshalb genau, warum die Müllberge nicht kleiner werden. Einer der Gründe: der to-go-Trend: Lebensmittel zum Mitnehmen machen jede Menge zusätzlichen Müll: „Auch dass der Konsument heutzutage nicht mehr alle zwei Tage in den Supermarkt geht, sondern sich auch für 2, 3 Wochen eindeckt und auch nach 3 Wochen noch ein gut schmeckendes Produkt aus seiner Verpackung noch essen möchte.“

Besser klappt es auf dem Land

Ein Großteil der Verpackungen in Hessen landet dann in Gernsheim im Kreis Groß-Gerau. Hier steht eine der modernsten Sortieranlagen Europas, die erst seit ein paar Monaten im Vollzeit-Betrieb läuft. Aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet wird der Müll aus den Gelben Säcken angeliefert, teilweise sogar aus Rheinland-Pfalz und Bayern. Pro Tag etwa 50 Lkw-Ladungen.

Markus Viehfeger ist in der Anlage für die Mengenkontrolle zuständig. Er erzählt uns, dass in den gelben Säcken immer noch viel Müll ist, der dort gar nicht hinein gehört: „In ländlichen Gebieten wird besser getrennt, in Großstädten ist eine gewisse Anonymität gegeben über große Behälter, da wird teilweise Mülltourismus betrieben, wenn die graue Tonne voll ist oder die schwarze, dann geht das Material teilweise in die gelbe Tonne und dann hat man natürlich Probleme eine gute Qualität zu generieren in der Sortierung.“ Außerdem kann die Anlage aktuell rund ein Viertel des Mülls nicht erkennen, obwohl die Technik brandneu ist. In älteren Sortierwerken sieht die Bilanz noch schlechter aus.

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Im gelben Sack beziehungsweise der gelben Tonne werden so genannte Leichtverpackungen gesammelt, also Verpackungen aus Kunststoff, Metall, Verbundstoffen und Naturmaterialien. Die Verpackungen sollten restentleert, aber nicht gespült entsorgt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Plastikbecker
  • Wurst- und Käseverpackungen
  • Eisverpackungen
  • Konservendosen
  • Alufolien
  • Getränkekartons
  • Plastiktüten
  • Kosmetikverpackungen aus Plastik
  • Styroporverpackungen.
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Nicht in den gelben Sack oder die gelbe Tonne gehören zum Beispiel:

  • Zahnbürsten
  • Einwegrasierer
  • CDs
  • Kugelschreiber
  • Kinderspielzeug
  • Verpackungen aus Glas und Papier oder Pappe
  • Kartonagen, die getrennt gesammelt und einer Verwertung zugeführt werden
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Gelbe Tonne
Bild © Imago Images

In Gernsheim ist der erste Schritt die Siebtrommel, in der kleine Verpackungen durch das Raster fallen und große Verpackungen nach vorne wandern. Am Ende gelangt nur der kleinere Teil in die Müllverbrennungsanlage. Viehfeger erzählt: „60 Prozent geht in eine stoffliche Verwertung, d.h. aus dem Material wird wieder neuer Kunststoff oder neues Weißblech oder neues Aluminium hergestellt.“

Tütensuppen-Verpackungen: Schwer verwertbar

60 Prozent: Ist so hoch auch die allgemeine Recyclingquote für den Plastikmüll? Schön wäre es! Rechnet man zu den Abfällen aus dem Gelben Sack auch noch den Plastikmüll aus Gewerbe und Industrie hinzu, ergibt sich diese magere Quote von 17 Prozent. Warum ist die Quote so niedrig? Verpackungsexperte Christoph Lindner hat in einer umfangreichen Studie den Weg des Abfalls aufgezeigt.

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Demnach gehen 61 Prozent des Plastikmülls hierzulande in die so genannte energetische Verwertung, vor allem in die Müllverbrennungsanlagen. 39 Prozent wandern in die stoffliche Verwertung, also ins Recycling. Davon wiederum wird ein Teil ins Ausland exportiert. Am Ende bleiben eben nur jene 17 Prozent Abfall übrig, die in Deutschland wieder verwertet werden können.

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Einer der Gründe: In den Anlagen wird der Plastikmüll so oft sortiert, dass am Ende nur wenig zum Recyceln übrigbleibt: „Es gibt einen zweiten Schritt nach der eigentlichen Sortieranlage, nämlich das Material wird dann angeliefert bei einem Recycler, der einen weiteren Aufbereitungsschritt macht, der wäscht das Material, der zerkleinert das Material, der sortiert das Material noch mal.“ Es wird also immer weiter ausgesiebt, bis nur noch wenig Plastik für die Wiederverwertung übrig bleibt.

Hinzu kommt: Schwarzes Plastik können viele Sortieranlagen nicht als Recyclingprodukt erkennen. Und auch die so genannten Multi-Layer-Verpackungen, also mehrfach beschichtete Verpackungen wie bei Tütensuppen, lassen sich nur schwer verwerten. Der Experte Lindner erklärt: „Es gibt auf der anderen Seite aber auch ganz klare Indizien seitens der Verpackungsindustrie, diese Produkte zukünftig auch eher wieder aus Monomaterialien herzustellen und damit die Recycling-fähigkeit zu verbessern.“ Ansonsten hilft der Gesetzgeber nach: Die EU will die Recyclingquote bis zum Jahre 2035 in allen Mitgliedsstaaten deutlich steigern. Das ist auch höchste Zeit.

Autor: Christian Lang, Daniel Hoh