Frau vor untergehender Sonne
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Bei uns wachsen Feigen, Kiwis, Nektarinen – und sogar exotische Indianerbananen mex zeigt, welche Auswirkungen die Hitze-Sommer für Hessens Kleingärtner, Obstbauern und Winzer haben.

In Geisenheim im Rheingau haben die steigenden Temperaturen gravierende Folgen für den Obst-Anbau. In den letzten 134 Jahren stieg die Durchschnittstemperatur um 1,3 Grad. Die beliebte Apfelsorte Cox Orange kann im Obstgut auf der Heide deshalb nicht mehr angebaut werden. Neue Sorten sind gefragt.

Neben Äpfeln baut Arno Geiger auch Pfirsiche und Nektarinen an. Die gedeihen eigentlich im warmen Klima Südeuropas. Der hessische Obstbauer setzt seit neuestem auch auf exotische Gewächse: Zum Beispiel Nord-asiatische Mini-Kiwis: „Wir haben ja auch erst seit 2 Jahren Früchte an den Pflanzen. Geschmacklich sind wir begeistert. Aber die brauchen halt auch Pflege und brauchen auch viel Wasser und die Wasserarmut, die durch den Klimawandel ja auch kommt, die muss man halt auch bewältigen können.“ Im Herbst gibt es dann also Mini-Kiwis aus Hessen auch im Supermarkt.

Vom Profi zu den Amateuren. mex besucht Anita und Werner Herbert in ihrem Kleingarten in Groß-Auheim. Die Hobbygärtner probieren gerne auch mal Exotisches aus und lassen sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Ihr ganzer Stolz: Die Früchte der Zwerg-Nektarine. Nun wollen die Hobbygärtner einen Schritt weitergehen und eine frostunempfindliche Mini-Kiwi pflanzen.

Der Weinbau ändert sich

Auch im hessischen Weinbau hat sich Einiges geändert. In  den Heppenheimer Spitzenlagen baute der Weinbauer Reinhard Antes früher Riesling-Reben an. Doch dort ist es mittlerweile zu heiß. Der Riesling musste in höhere, kühlere Lagen umgesetzt werden. Stattdessen werden Sorten angebaut, die sonst in Südeuropa gedeihen: „An dieser Stelle an der wir hier grade stehen, stand vor 30-40 Jahren die Rebsorte Müller-T., etwas nebenan der Silvaner und heute stehen in diesem Bereich Chardonnay, rosa Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot. Das heißt, es haben sich immer später reifende Rebsorten hier etabliert.“

Die geographische Weinbaugrenze hat sich verschoben. Bis vor etwa 30 Jahren galt der 50. Breitengrad als nördlichste Grenze. Heute gilt der 58. Breitengrad als nördlichste Weinbauregion Europas. Und die liegt in Norwegen.

Nun verkauft Reinhard Antes seine Rebstöcke bis hoch nach England, Polen oder Dänemark. Und auch das hiesige Angebot mischt den Markt auf. In der klassischen Weißweinregion Bergstraße stieg der Anbau von Rotweinen von einem auf 30 Prozent: „Die Chance ist die, dass der Verbraucher jetzt nicht mehr über die Alpen fahren muss, um einen gescheiten Rotwein zu kriegen. Er kann regional einkaufen. Hier gibt es alles. Jede Rebsorte der Welt wird hier reif.“

„Versuch macht klug“

mex besucht die Schaugärten der Gartenakademie in Geisenheim. Auf diesen Feldern wächst Hessens Zukunft: Exoten wie Khakis, Feigen und Mandeln. Susanne Klinger berät Hobbygärtner im Umgang mit exotischen Obstgewächsen. Denn die bringen zwar neue gärtnerische Herausforderungen mit sich, werden aber immer beliebter. So wie die Indianerbanane aus Nordamerika.

Baumschulen und Gartencenter werfen immer ausgefallenere Züchtungen auf den Markt. Spezialisierte Versandhändler machen bereits 20 Prozent ihres Umsatzes mit diesen Exoten. Denn die Kleingärtnerseele ist abenteuerlustig: „Versuch macht klug, also ausprobieren. Entweder es gelingt, dann hat man Spaß dran. Und wenn es nicht gelingt, dann weiß man, ich kann was anderes probieren. und kann was Neues ausprobieren.“

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Das mex-Fazit:

Südfrüchte in Hessen verändern den Markt – ein Grund: professionelle Anbauer und Hobbygärtner, die für exotische Früchte Feuer und Flamme sind. Der andere Grund: Hessens heiße Sommer...

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Bericht: Christian Lang, Naima Kunze