Handy wird zum Einkaufsberater

Was da in unseren Alltagsprodukten alles drin ist - wer durchblickt, ist entsetzt. Mehr Transparenz durch Apps: Wir scannen Barcodes auf Flaschen und Dosen und finden Dinge, die wie nie vermutet hätten.

Mex besucht die Familie Mohr  in Bensheim. Los geht es mit den klassischen Produkten aus dem Badezimmer. Begleitet wird unser Experiment vom Mex-Gesundheitsexperten Professor Gerd Glaeske, den wir über Facetime zugeschaltet haben: "Wenn wir sehen, welche Möglichkeiten eben auch der Bezeichnung von Herstellern genutzt werden, dann ist das auch oft ein Versteckspiel. Und eine solche App würde etwas aufdecken, die würde uns helfen, etwas zu identifizieren, was wir sonst nicht identifizieren können.

Zum Überprüfen verwenden wir die App "Tox Fox". Mit ihr wird der Barcode gescannt.  So erfährt die Familie, ob in ihrer Kosmetik zum Beispiel hormonelle Chemikalien drin sind. Hormone in der Kosmetik? Wir werden fündig. Der Pharmakologe Glaeske meint: "Insofern sind natürlich alle Stoffe, die in irgendeiner Weise ähnlich wirken wie Hormone problematisch, weil sie, selbst wenn sie in geringen Dosierungen genutzt werden, auf Dauer zu höheren Dosierungen zusammenkommen können - also sich addieren zu höheren  Dosierungen. Dann können sie tatsächlich ein Risiko darstellen."

Und zwar ein sehr hohes: Die Fruchtbarkeit sinkt, das Risiko für Hoden-und Brustkrebs steigt. Und gerade  Kinder reagieren besonders sensibel auf diese Inhaltsstoffe. Erschreckend: eine Untersuchung des BUND hat gezeigt, dass von 60.000 Kosmetik-Produkten fast jedes dritte belastet war.

Die Familie scannt munter die Kosmetikprodukte. Sie entdecken immer wieder chemische Substanzen, die unter anderem als Weichmacher zugesetzt sind. Vor denen warnt auch die Weltgesundheitsorganisation. Am Ende sortieren sie aus.

Apps helfen im Alltag  

Jetzt der Blick in den Kühlschrank: Hier setzt die Familie eine App namens "Codecheck" ein. Individuell lassen sich Vorlieben und Abneigungen einstellen. Hätten sie schon beim Einkauf gescannt, wäre einiges hier nicht gelandet. Beispiel Actimel: Viel zu viel Zucker. Actimel wird nicht mehr gekauft entscheidet die Mutter.

Und wie fallen die Entscheidungen im Vorratsschrank aus? Mit der Codecheck App werden alle Lebensmittel auf Zucker, Fett, Salz und Palmöl geprüft. Aber das Zuckerproblem ist es nicht allein. Familie Mohr ist Dosenfan. Doch auch hier lauert Gefahr -  sie sitzt in der Innenbeschichtung durch ein Hormongift namens Bisphenol.

Glaeske erläutert: "Wir sollen im Grunde genommen auf diese Fertigprodukte verzichten, jedenfalls im großen Umfang. Das ist eigentlich auch, was in der Ernährung gepredigt wird. Und das mit einigem  Recht."

Schluss mit kryptischen Texten und Unklarheiten darüber, was in unseren Alltagsprodukten drin ist. Speziell bei Kosmetik helfen Apps, um überhaupt einen Durchblick zu bekommen.

Autorin: Barbara Berner