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zum Video Schotter-Wüsten – wo Steingärten in Hessen die Artenvielfalt bedrohen

Steingärten

Der Vorgarten aus Schotter ist im Trend. Bei den Schottergärten geht es längst nicht ums Gefallen, sondern um das Klima. mex zeigt Kiesbeete, wo einst Blumen blühten, und zeigt, welche Städte diese Schotterwüsten jetzt bekämpfen.

Im größten Baugebiet in Hanau sollen 4.000 Menschen einmal leben. Auf dem ehemaligen Kasernengelände entstehen 1.500 Wohnungen und Einfamilienhäuser. Stadtplanerin Anja Batke zeigt uns den Bebauungsplan samt grüner Schneisen.

Fest integriert ist eine Betongarten-Verbotszone, sozusagen: „Wir erklären im Bebauungsplan ausdrücklich, dass diese Art der Gartengestaltung hier nicht gewünscht ist. Und wir werden mit Sicherheit viel Öffentlichkeitsarbeit und Beratung gegenüber den neuen Eigentümern nutzen, um sie davon zu überzeugen, dass Sie hier Ihren Garten grün anlegen.“

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Und dafür hat die Stadt als eine der ersten in Hessen ihre Vorgarten-Satzung geändert. Dem Beispiel Hanau folgt jetzt auch Fulda. Kassel und Wiesbaden wollen ebenfalls nachziehen. Gießen, Marburg, Frankfurt, Offenbach und Darmstadt  diskutieren darüber. Sie setzen noch auf die Vernunft der Hausbesitzer. Ob das hilft ist fraglich. Denn in einem Hanauer Neubaugebiet wird die bittere Realität deutlich. Vier Straßen, etwa 30 Vorgärten. 27 davon sind geschottert.

„Todeszone vor dem Garten“

Versiegelte Flächen sind ein gefährlicher Trend auch für das Klima, sagt die Stadtplanerin in Hanau: „Ein ganz wichtiger Punkt ist das Mikroklima. Die Steine speichern  die Wärme, die geben sie dann über Nacht weiter ab. Es gibt keine Abkühlung. Wenn dort Pflanzen wären, würde die Verdunstungskühlung der Pflanzen auch zu Kaltluftentstehung beitragen.“Ein bepflanzter Vorgarten ist besser fürs  Stadt-Klima.

Das bestätigt uns auch Alexander von Birgelen, Professor  für Pflanzenkunde hier an der Hochschule in Geisenheim. Dass Steingärten jetzt gerade modern sind, in Zeiten wo Klimawandel in aller Munde ist, wundert ihn besonders: „Obwohl ja insgesamt das ökologische Bewusstsein steigt. Und die Leute auf die Straße gehen und die Jugend demonstriert - dass sie zu Hause genau das Gegenteil machen und eine kleine Todeszone vor dem Garten einrichten. Ich denke auch zum Teil aus Hilflosigkeit, weil Sie nicht genau wissen welche Alternativen sie haben.“

Keine Aufenthaltsqualität

Statt Stauden aber liegen die nächsten  Folien in den Vorgärten. Zur Pflanzenvernichtung bevor die Steine drauf kommen. Hinterm Haus das verlängerte Wohnzimmer, vor dem Hause Tristesse. Das hat gesellschaftliche Gründe, fand die Landschaftsgärtnerin Lisa Geil heraus. Sie hat zu den Schottergärten ihre Bachelor- Arbeit geschrieben: „Mittlerweile hat der Vorgarten eine untergeordnete Funktion, weil es nur eine Fläche ist zwischen Straße und Haus und eigentlich keine Aufenthaltsqualität hat.“

Steine in allen Formen und Farben wo früher Rasen lag und Stauden wuchsen, das ist für die Artenvielfalt schlecht. Schön wenn nicht alle diesem Trend folgen.

Autorin: Barbara Berner