klimawandel-unwetter

Wie teuer Hessens Hitze-Sommer sind und welche Schäden Trockenheit und Unwetter anrichten, will mex mit dem ARD-Wetterexperten Tim Staeger herausfinden.

Trockenheit in Hessens Wäldern

Die Dürre in den hessischen Wäldern setzt dem Gehölz zu und es kommt häufiger zu Waldbränden. Den Grund dafür beschreibt der Meteorologe Tim Staeger aus der ARD-Wetterredaktion:" Typischerweise hat man im Winter gesättigte Böden, in denen sich viel Feuchtigkeit befindet. Im Laufe des Sommers trocknen diese aus. (…). Da wir jetzt im April des Jahres 2019 schon wieder so viel Trockenheit hatten, hat die Bodenfeuchte einen extrem niedrigen Wert angenommen. Entsprechend ist die Waldbrandgefahr hochgegangen."

Zu viele Borkenkäfer befallen die Bäume

Borkenkäfer richten an Bäumen erheblichen Schaden an - mit finanziellen Folgen. Und die spürt Waldbesitzer Frank Wiegand. Er ist in diesen Tagen regelmäßig draußen. Etliche seiner Bäume sind von Borkenkäfern befallen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit - der Borkenkäfer frisst Hessens Wälder auf. Das meiste Holz kann Frank Wiegand dann nicht mehr teuer an die Möbelindustrie verkaufen. Es taugt nur noch für Spanplatten oder die Papierherstellung. Seit Sommer des Jahres 2018 ist der Holzpreis massiv unter Druck geraten.

Vor zwei Jahren konnten die Waldbesitzer den Festmeter hochwertiges Fichtenholz noch für rund 90 Euro verkaufen. Aktuell liegt der Preis bei knapp 40 Euro. Qualitativ schlechter ist das Palettenholz: Früher wurde es für 60 Euro angeboten, aktuell liegt der Preis um die 25 Euro. Das billige Industrieholz hat früher 30 Euro eingebracht, jetzt nur noch knapp zehn Euro. Möglicherweise muss Waldbesitzer Wiegand am Ende der Saison Geld drauf legen. Verluste in großer Millionenhöhe sind die Folge.

Unwetter - Millionenschäden durch Hagel und Starkregen

Gewitter, Sturmböen und Starkregen: Umwetter werden auch in der Zukunft zunehmend intensiver werden, vermutet der ARD-Wetterexperte Tim Staeger. Ein Ereignis bleibt vor allem vielen Menschen in Wiesbaden im Gedächtnis, als im Jahr 2014 aus einem Rinnsal, ein reißender Fluss wird. Handybilder von damals zeigen, wie schnell der Rambach ansteigt. Wassermassen brechen über Teile der Landeshauptstadt herein.

Weitere Informationen

hr-Dokumentation fragt: Wie teuer ist der Klimawandel?

Hitze-Sommer verursachen Milliardenschäden (hr-fernsehen, 18.09.2019, 21.45 Uhr)

Ende der weiteren Informationen
Videobeitrag

Video

zum Video Hitze-Sommer verursachen Milliardenschäden

 Ein verkümmerter Maiskolben liegt auf einem von Trockenheit, Hitze und Unwettern stark geschädigtem Maisfeld.
Ende des Videobeitrags

Binnen Minuten werden Straßen, Keller, Gärten geflutet. Oberhalb von Wiesbaden Rambach ging es los: Der Starkregen floss Richtung Ortsmitte, ließ den Fluss überquellen. Wegen der Hanglage war der benachbarte Stadtteil Sonnenberg ähnlich stark betroffen. Am Ende erreichten die braunen Wassermassen die Stadtmitte Wiesbadens. Auch der Kurpark wurde überschwemmt, wie auch angrenzende Straßen und eine Tiefgarage. Im Kurhaus wurde das Mobiliar durch das Wasser beschädigt. Der Schaden im Kurhaus belief sich auf rund 5,8 Millionen Euro.

Ernteausfälle bei der Landwirtschaft

Wie hoch die Ernteausfälle und finanzieller Verlust in 10 oder 15 Jahren sein werden, könne man nicht genau abschätzen, sagt der ARD-Meteorologe. Man müsse das in großen zeitlichen Horizonten betrachten. Entsprechend würden auch die finanziellen Investitionen nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern über Jahrzehnte getätigt werden.

Wie sehen diese Investitionen aus - wie genau können Hessens Bauern Ernteausfälle kompensieren, wenn die Felder weiterhin so trocken bleiben wie zum Beispiel in der Wetterau? Viele Bauern schauen dieses Jahr gespannt auf die Ernte. Auch Clemens Lischka, der in Niddatal Getreide, Raps und Zuckerrüben anbaut. Bei den Zuckerrüben rechnet er - im Vergleich zum vergangenen Sommer - mit Ertragseinbußen von rund 30 Prozent. Die Rüben werden einfach nicht mehr so groß bei der Hitze.

In Zeiten des Klimawandels muss er oft mit höheren Kosten kalkulieren. Der Landwirt setzt nun eine Beregnungsmaschine ein, um seine Sommerernte zu retten. Das Wasser dafür entnimmt er aus der angrenzenden Nidda. Die Stromkosten für die Wasserpumpen sind hoch. Für alle seine Rübenfelder zahlt er pro Jahr zwischen 16.000 und 32.000 Euro, je nachdem, ob er wenig oder viel bewässern muss.

Der Klimawandel wird Sommer für Sommer immer sichtbarer. Das heißt auch, dass er für uns immer teurer wird. Für ARD-Wetter-Experte Tim Staeger ist klar:" dass wir schon mitten im Klimawandel stecken und dass es tatsächlich auch ein Vorgang ist, der eben auch weiter gehen wird. Es wird auch für unsere Gesellschaft (...) eine der wichtigsten Aufgaben sein, sich auf diesen Klimawandel einzustellen."

Weitere Informationen

Die Zeit drängt und die Kosten steigen - immer weiter und weiter.

Ende der weiteren Informationen

Ein Beitrag von Holger Barthel