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Eine Pflegerin aus Mexiko.

Personalmangel in Sozialberufen: Bei den fehlenden Erziehern geht es nur mit neuen Wegen. Mex zeigt was die Lohnerhöhung bei den Erziehern bringt und wie Pflegekräfte aus Übersee unser größtes Problem lösen sollen.

Sie sind schon ein gutes Team: Fatima Pina aus Mexico und Dieter Nawatzky aus dem nordhessischen Heringen. Seit  drei Monaten  arbeitet Fatima Pina im Pflegeheim Bardt. Zusammen mit Esmeralda, Karen und Nohemi kam sie aus Mexico. Die Heimbewohner, anfänglich noch skeptisch, freuen sich inzwischen: endlich frischer Wind.

Fatima und die anderen dürfen  bislang nur als Pflege-Hilfskräfte arbeiten. Obwohl sie in  ihrer Heimat eine 4 jährige Ausbildung  in einem Krankenhaus abgeschlossen haben. Auch wenn noch vieles  für die neuen Mitarbeiterinnen ungewohnt ist. 

Geschäftsführer Dennis Bardt merkt, es funktioniert schon recht gut: „Deren fachliche Ausbildung ist unheimlich gut und hat hohe Erfolgschancen, hier relativ schnell zu einer vollen Anerkennung zu kommen und so auch die Erfolgsaussichten zu erhöhen, dass sie hier vollständig in der Pflege gleichwertig zu deutschen Kräften eingesetzt werden können.“

Weniger Bürokratie

Das heißt für Fatima, Esmeralda, Karen und Nohemi, jeden Tag nach der Arbeit  lernen. Fachunterricht, aber auch Sprachtraining per Konferenz zur Lehrerin. 121 mexikanische Pflegkräfte kamen in diesem Jahr nach Deutschland, 300 sollen es im nächsten Jahr sein. Klingt fast rührend angesichts 16.000 fehlender Pflegekräfte  allein nur in Hessen.

Barth erklärt: „Fachkräfte sind zwingend nötig, um ein Heim fachlich sauber zu führen. Und letztlich führt das dazu, dass ein Pflegeheim nicht mehr voll belegt werden kann. Das heißt, wenn man 50 genehmigte Bewohner hat, man kann einfach die Quote an Fachkräften nicht mehr erfüllen, dann kann man nicht mehr das Haus zu voll belegen.“

Pflegekräfte aus Übersee, das heißt eine langfristige Personalplanung. 2 Jahre hat es gedauert von der ersten Kontaktaufnahme in Mexiko bis zum Einsatz im Heim.  Weniger Bürokratie verspricht jetzt das Gesundheitsministerium diese Woche.

„Schönster Beruf der Welt“

Anderer Beruf, gleiches Problem. Es fehlen Erzieher, allein 8.000 in Hessen. Eine Folge ist der Kampf um begehrte Fachkräfte. Erzieherin Nora Lerch wurde von Frankfurt nach Riedstadt- Goddelau abgeworben: „Ich fühle mich in meiner Arbeit sehr wertgeschätzt, auch von der Stadt, auch von der Leitung. Ansonsten ist es  der schönste Beruf der Welt, kein Tag ist gleich. Man kriegt viel zurück.“ Neue Töne bei den Erziehern? Aber auch nur weil Nora Lerch von der Kommune einen unbefristeten Job und mehr Geld angeboten bekam.   

Dazu kamen allgemeine Lohnanpassungen. Der Verdienst in der  Tarifgruppe 1 rund 2.800 Euro brutto. Aber Geld allein löst das Problem nicht, sagt Kerstin Ideler von  der Gewerkschaft Verdi: „Weil wir in dem Bereich auch schon seit längerem enorm schlechte Arbeitsbedingungen haben. Wir haben große Gruppen, wir haben zu wenig Fachkräfte für die Betreuung dieser Gruppen. Und dementsprechend ist auch die Arbeitsbelastung sehr hoch.“

Finanzielle Unterstützung hilft

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Die Pfleger Altaf und Manzor
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Und Abwerbungen schaffen keine neuen Erzieher. So wird nun außerdem um  Berufsumsteiger und Einsteiger geworben. Julia Scherer ist gelernte Bürokauffrau. ihren Job hat sie geschmissen und wird Erzieherin.

Den Schritt hat sie auch gewagt, weil sie während ihrer Ausbildung 1.100 Euro bekommt. Plus einer Erhöhung von 200 Euro im nächsten Jahr. Früher war die Ausbildung unbezahlt: „Ich hätte mir sonst entweder einen Kredit aufnehmen müssen oder ich hätte ja Bafög beantragen müssen alles nicht so einfach und jetzt so froh dass die Schule diese Ausbildungsform anbietet.“

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Die finanzielle Unterstützung während der Ausbildung zeigt erste Erfolge. Waren in Hessen vor 5 Jahren noch 1.643 Erzieher in Ausbildung, sind es heute bereits 2.495. Ein  Anstieg von knapp 52 Prozent.

Ende der weiteren Informationen

So hat wenigstens das Ausbildungsgeld neue Anreize geschaffen. Es gibt sie also,  die kleinen Lichtblicke am Horizont des Erzieher-Problems. Ob Pfleger aus Übersee angesichts von bis zu 100.000 offener Stellen aber das Problem lösen, ist fraglich.

Autorin: Barbara Berner