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zum Video Stromsperren - Warum es ausgerechnet in Hessen so viele gibt

Steckdose

In Hessen geht das Licht aus: Die Stromsperren wegen Zahlungsrückstanden steigen. Wie geht es Menschen ohne Strom, warum gibt es in Hessen so viele Stromsperren und wie könnten sie vermieden werden?

In Bremen wird der Strom am häufigsten abgestellt. Dann kommt schon Hessen, an zweiter Stelle. Stromsperre in Frankfurt am Main: In Petra Gs Küche ist es düster, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlt hat. Ohne Strom lässt sich der elektrische Rollladen nicht mehr bewegen, sie kann nicht mehr kochen und muss ihre Lebensmittel aus dem Kühlschrank retten.

Petra G. ist krank, seitdem arbeitslos und immer knapp bei Kasse. Weil sie ihrem Stromanbieter über 178 Euro schuldete, kamen zunächst Mahnungen, dann die Androhung zur Stromsperre und schließlich die Nachricht: in drei Tagen wird der Strom abgeschaltet. Weil sie nicht reagierte, wurde es düster.

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2017 gab es in Hessen rund 35.000 Stromsperren. Nach Bremen die meisten in Deutschland.

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Laut Studien treffen Stromsperren hauptsächlich Menschen mit geringem Einkommen bei gleichzeitig steigenden Energiekosten. Schon im kommenden Jahr wird der Strompreis voraussichtlich wieder steigen, weil sich die EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom um 5,5 Prozent erhöht.

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Verbraucherzentrale: Strom sparen einfach gemacht

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Immer öfter geht das Licht aus

Mex besucht den „Stromspar-Check“ in Rüsselsheim, ein Angebot der Initiative Arbeit. Thomas Freiberg will die Energiearmut in Hessen bekämpfen, indem er Haushalte mit geringem Einkommen kostenlos berät und ihnen Sparlampen schenkt. Das kommt gut an: „Aber so viel an Gesamtstrom macht die Beleuchtung im Haushalt nicht aus, das sind eher heutzutage so Geräte wie Playstation, da kommen richtige Einsparpotentiale zusammen.“

Der Stromsparcheck macht Werbung in Jobcentern, geht zu Tafeln und Langzeitarbeitslosen. Wir dürfen Thomas Freiberg und seinen Mitarbeiter zu einem Energiecheck begleiten. Ihr neuer Kunde ist Dennis M., bis vor kurzem Hartz-IV-Empfänger. Er hat sehr hohe Stromkosten und eine Androhung zur Stromsperre erhalten. Er hofft auf Hilfe.

In ganz Deutschland gab es fast fünf Millionen Androhungen auf Stromsperren. Bundesweit ging sogar bei 344.000 Haushalten das Licht aus. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 4 Prozent.

Wer ist der Stromfresser?

Dabei hätten viele, der hohen, unbezahlten Stromrechnungen gar nicht sein müssen, denn Strom wird oft vergeudet, weiß Freiberg: „Wir haben hier jetzt in einem Einpersonenhaushalt einen Jahresstromverbrauch von 2.500 Kilowattstunden, das ist für eine Einzelperson relativ viel. Am Fernseher liegt es nicht, wir haben es gemessen.“

Bei Dennis M. ist der Stromfresser schnell überführt: Es ist der Kühlschrank. Mit nur ein Grad ist er viel zu kalt eingestellt. 7 Grad würden völlig reichen, jedes Grad kälter vergeudet 6 Prozent Strom. Mit der richtigen Einstellung spart der Kunde gleich 36 Prozent. Alles in allem käme er auf eine Einsparung von über 500 Kilowattstunden und würde etwa 150 Euro weniger zahlen pro Jahr. Beratung hilft. Auch wenn der Stromkonzern mitspielt.

Auf den Kunden zugehen

Mex besucht den Stromanbieter EVO in Offenbach. Laut Pressesprecher Harald Hofmann hat dieser Konzern seine Stromsperren in 15 Jahren um 48 Prozent reduziert. Weil hier neue Wege beschritten werden: „Wir gehen auf alle unsere Kunden zu, die in Zahlungsschwierigkeiten sind und machen deutlich, dass wir auch ein offenes Ohr für sie haben. Das heißt, wir bitten um Gespräche, wir machen deutlich, wenn das Geld fehlt, mit einer Stundung oder Ratenzahlung einverstanden sind, damit können die Kunden die Stromsperren vermeiden.“

Eine Strategie, die sich auch schon in anderen Bundesländern bewährt. Würden das mehr Versorger so machen, gebe es in ganz Hessen weniger Stromsperren. Zurück in Frankfurt: Petra G. hat  ihre Stromschulden bezahlt, am Automaten ihres Stromanbieters. Kurz darauf fließt der Strom wieder.

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Das Mex-Fazit:

Die Stromsperren in Hessen steigen, bei Menschen mit wenig Geld. Der Stromsparcheck hilft, das Energieverhalten zu ändern. Und wo sich Stromanbieter gesprächsbereit zeigen, sinken die Stromsperren.

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Autorin: Katrin Wegner