Vier Schulkinder laufen auf Bürgersteig

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Für 55.000 hessische Erstklässler beginnt in dieser Woche der Schulalltag. Mex will wissen: Was lassen sich die Eltern das kosten? Und wer profitiert von dem Boom rund um die Einschulung?

Einschulung in Hessen. Da greifen die Eltern für den richtigen Schulranzen immer tiefer in den Geldbeutel. Dieses Event feiern immer mehr mit der gesamten Verwandtschaft im Restaurant. Vor allem Ältere staunen: So ein Bohei gab es früher nicht.

Los geht es in Frankfurt bei Lassners, dem Fachgeschäft für Schulranzen mit weiteren Filialen in Bad Hersfeld und Viernheim. Zahwa Tokhi darf sich heute einen Schulranzen aussuchen. Und die 6Jährige weiß schon genau, welches Modell sie haben möchte. Für Mutter Zala Tokhi ist der ergonomisch geformte Rucksack entscheidend, nur das Beste fürs Kind. Schon bei ihrem Sohn war sie nicht verschreckt von Preisen rund um 200 Euro. 

Auf dem Rücken: Ranzen-Hightech

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2.000 Schulranzen verkaufen sie hier pro Jahr. Die Saison beginnt schon im Januar. Die Preise kennen schon länger nur eine Richtung: nach oben. 2010 gab es das Ranzen-Set noch für durchschnittlich 150 Euro, jetzt sind es oft bis zu 250 Euro. Für Geschäfts-Inhaber Harald Lassner ist der Anstieg eine ganz logische Entwicklung beim Schulranzen: „Der hat sich qualitativ ganz, ganz sicher verändert. Also ich sag früher gab es einen rechteckigen Kasten mit zwei Bändern zum Hochziehen. Heute sind das gepolsterte Schultergurte und gepolsterte Rückenformen mit Beckengurten, die das Gewicht abnehmen. Also es ist wirklich schon fast Hightech geworden.“

Doch für den Schulstart braucht es viel mehr. Die Einkaufsliste für die Eltern ist lang:

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Das Marken-Ranzen-Set für gerne mal 200 Euro. Die Trinkflasche 10 Euro. Bei der  Schultüte ist von 10 bis 100 Euro alles möglich. Für Stuhl und Schreibtisch sind zwischen 100 Euro und 350 Euro fällig. Insgesamt sind 600 Euro bis 1.000 Euro üblich – je nach Geldbeutel.

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Ein zusätzlicher Kostenfaktor: Essen gehen mit der ganzen Verwandtschaft. Wir sind im Restaurant Schuch in Frankfurt-Preungesheim. Das Familienrestaurant ist schon vier Wochen vor der Einschulung restlos ausgebucht. An einem normalen Tag wäre das Restaurant geschlossen – 0 Euro Umsatz. So aber landen rund 6.000 Euro in der Kasse,  an einem einzigen Mittag.

Küchenchef Christian Schulte kommt bei a la Carte-Bestellung kaum hinterher. Daher gibt es für 28 Euro pro Erwachsenem erstmals ein Buffet: „Der Ansturm wurde halt immer größer, und die Gäste kommen dann alle pünktlich um eins. Nachdem sie in der Schule waren, dann ist halt hier die erst mal der Service ausgelastet, dann die Küche ausgelastet. Und dann müssen einzelne Gäste etwas lange warten. Und deswegen haben wir gesagt, wir probieren dieses Jahr mal aus, ein Buffet zu schicken.“

Häufig gestellte Fragen zum Schulanfang (Hessisches Kultusministerium)

Früher war es entspannter

Was waren das noch für Zeiten, als die Schultüte der Höhepunkt bei der Einschulung war. Heute sind die Ansprüche höher und die Listen für den Schulbedarf immer länger. Mex bei Fuhr in Gießen. In dem traditionsreichen Fachgeschäft gibt es neben Spielwaren alles für die Schule. Die geben lange Bestell-Listen an die Eltern weiter. Bei den gestressten Eltern wirbt Fuhr mit einem parktischen Service: Bestellliste abgeben und kurz darauf alles an der Kasse abholen – ohne Aufpreis.

Daniela Stoltz von der Schreibwarenhandlung Fuhr kennt das boomende Geschäft mit dem Schulbedarf. Dennoch schießt hier der Umsatz nicht durch die Decke: „Das ist ein Zusatzgeschäft für uns - natürlich. Aber man merkt schon, dass eben alle anderen von diesem Kuchen auch was abhaben wollen, weil man die Waren eben auch im Discounter bekommt.“

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Mit der Einschulung haben es die Eltern aber immer noch nicht geschafft. Andrej Keller aus Gießen, selbst Lehrer, erlebt das gerade wieder. Sein Sohn Karl-Philipp wechselt wie zuvor die beiden Geschwister aufs Gymnasium und der Wahnsinn beginnt von vorne – Kosten inklusive: „Meine Tochter, meine Jungs, die wollen dann keine Dinosaurier- oder Prinzessin- Lillifee-Rucksäcke mehr oder Schulranzen, sondern wollten jetzt auch Rucksäcke, wie sie sie sehen bei den Älteren. Und die Einkaufslisten sind ehrlich gesagt nicht viel kürzer oder überhaupt nicht kürzer als die bei  der Einschulung.“

Der Aufwand rund um den Schulbeginn – so entspannt und günstig wie früher wird’s nie mehr werden. 

Autor: Steffen Clement