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Flugzeug des Reiseveranstalters Thomas Cook auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt

Die Thomas-Cook-Pleite hat Konsequenzen für alle Urlauber. Seit dieser Woche kocht ein Streit, wie groß der Topf der Entschädigungen ist. mex hakt nach nach: Wie teuer sind die Folgen für die Urlauber?

Mex besucht Stefan Weber in Wiesbaden, er hatte uns geschrieben. 10 Tage Erholung nächsten Sommer auf Kreta war sein Plan. Als Frühbucher hatte er im August bei Bucher Reisen zugeschlagen. Die Kosten betrugen 4.630 Euro für 4 Personen. Angezahlt hatte er 1.160 Euro. Doch weil die Reise immer noch nicht offiziell abgesagt ist, hängt er ziemlich in der Luft.

Der Wiesbadener Anwalt Holger Hoppedietzel ist der deutsche Reiserechtsexperte. Er rät dazu abzuwarten und zu hoffen, dass der Insolvenzverwalter bald entscheidet, ob die Reise stattfindet. Von einer übereilten Stornierung rät er ab: "Denn es könnte ja theoretisch sein, dass die Reise doch noch stattfindet. Und wenn man dann vorzeitig gekündigt hat, dann muss man unter Umständen Stornokosten zahlen. Und die sind dann allerdings nicht vom Versicherungsschutz umfasst."

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Sorgenfreier Urlaub?
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Wird die Kreta-Reise von Stefan Weber abgesagt, kann er seine Anzahlung von der Versicherung zurückfordern. Pauschalreisen sind durch einen sogenannten Sicherungsschein abgesichert. Doch die Erstattung durch die Zurich-Versicherung ist auf 110 Millionen Euro gedeckelt. Hopperdietzel erklärt: "Wenn der Gesamtschaden die 110 Millionen Euro überschreitet, dann haben erst mal die Reisenden das Nachsehen, die nur einen Teil ihrer Anzahlungen zurückerstattet bekommen."

Amtspflichtsverletzung des Gesetzgebers?

Dass die Summe des Sicherungsscheins bei Weitem nicht für alle geschätzt 1,65 Millionen Reisenden reicht, ist jetzt schon klar. Teilt man die Summe von 110 Millionen durch die Anzahl der Reisenden, würde jeder lediglich 66,70 Euro bekommen.

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Flugzeug des Reiseveranstalters Thomas Cook auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt
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Derzeit streitet die Bundesrepublik sich mit der Versicherung, ob die Kosten von schätzungsweise 80 Millionen Euro für die Rückholung der gestrandeten Urlauber aus dem Ausland noch von den 110 Millionen abgezogen werden müssen, oder ob die Versicherung diese Kosten noch zusätzlich tragen muss.

Rechtsexperte Holger Hopperdietzel sagt, die Kosten müssten eigentlich oben drauf kommen, denn der Topf der Entschädigungssumme ist sowieso schon zu klein. Hopperdietzel: "Unter Juristen wird schon diskutiert, dass der nationale Gesetzgeber eine Amtspflichtverletzung begangen haben könnte, indem er die Deckelung vorgesehen hat. Denn diese Deckelung auf 110 Millionen Euro entspricht nicht dem Risiko, dass tatsächlich entstehen kann."

Eine böse Überraschung

Aber nicht nur Reisende sind von der Thomas Cook Insolvenz hart getroffen, sondern auch hunderte Reisebüros, deren Existenz auf dem Spiel steht. Freitag letzte Woche hatte der Verband unabhängiger Reisebüros zum Informationsaustausch geladen. Richtig auskunftsfreudig sind die betroffenen Reisebüros nicht. Wir treffen die Vorsitzende des Verbands Marija Linnhoff. Sie kennt die Branche seit vielen Jahren und weiß, welche Schwierigkeiten es für Thomas-Cook-Reisebüros jetzt gibt: "Die haben jetzt horrende Provisionsverluste. Und das ist etwas, das fast schon das Ende für ein Reisebüro bedeuten kann. Das ist ja, wie wenn Sie kein Gehalt bekommen."

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Urlaub am Strand
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Glücklich ist hingegen wer nicht an Thomas Cook alleine gebunden war. So wie das Reisebüro in der Wilhelmpassage in Wiesbaden. Büroleiterin Stefanie Bück verkauft Reisen verschiedener Reiseveranstalter, vor allen Dingen der TUI.

Sie weiß, auf dem Reisemarkt gibt es auch Profiteure der Pleite: "Momentan ist es ja so, dass viele andere Reiseveranstalter versuchen, Kontingente von Thomas Cook zu übernehmen. Wir sehen das auch immer wieder hier in unserem Buchungsprogramm, dass wir Hotels, die mehr oder weniger fast nur bei Thomas Cook früher buchbar waren, jetzt auch wieder bei anderen Veranstaltungen angeboten werden."

Der mex-Zuschauer Stefan Weber wird neu buchen, und erneut zahlen, um seine Reise nach Kreta zu machen. Stefanie Bück überprüft für mex die Preise seines Urlaubs: mit einer bösen Überraschung. Die Reise kostet jetzt mit TUI 5.230 Euro. Im August hat sie mit Bucher Reisen nur 4.630 Euro gekostet.

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Das Mex Fazit:

Teurere Reisen, verlorenes Vertrauen. Die Thomas Cook Pleite hat langfristige Folgen für den Reisemarkt.

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Autor: Naïma Kunze