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Schweine im Stall

Schweinefleisch der Stufe 3: Mehr Tierwohl im Stall. Das suchten Verbraucher bislang vergeblich. mex geht auf Recherche und versucht rauszufinden, wer dieses bessere Fleisch liefert.

Wir sind in einer Kaufland-Filiale in Frankfurt. Beim Einkauf von Schweinefleisch hatten Verbraucher  bislang kaum eine Wahl. Bislang gab es bei Schweinefleisch zu 95 Prozent Haltungsstufe 1 und 2 - Massentierhaltung nach gesetzlichem Standard.

Das zeigt auch unsere Stichprobe in 20 hessischen Supermärkten und Discountern. Eine wirkliche Wahl haben wir Verbraucher nicht. Besseres Tierwohl-Schwein unterhalb der Bio-Qualität ist nicht zu finden. Das soll sich jetzt ändern. Die Lidl-Tochter Kaufland  bietet ab sofort Schweinefleisch der Haltungsstufe 3 an. Das bedeutet 40 Prozent mehr Platz und frische Luft.

Clemens Dirscherl ist für den Fleischeinkauf  bei Kaufland zuständig. Warum geht man hier jetzt einen anderen Weg? Wenn wir das Fleisch der Stufe 3 haben, dann haben wir ein Angebot, wo wirklich von einem guten Tierwohl-Standard gesprochen werden kann. Zwei zum Beispiel, zehn Prozent mehr Platz für die Schweine, wäre im Hinblick auf Tierwohlstandards jetzt nicht das, was wir im Rahmen eines Qualitätsfleisch Programms anbieten.“

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Ja-Fleisch im Supermarkt mit neuer Kennzeichnung.
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Kaufland verzichtet also bewusst auf die nur geringfügig bessere Haltungsstufe 2, auf die andere Handelsketten setzen. Hier gibt es nun die Wahl zwischen Stufe 1, Massentierhaltung, oder der besseren Stufe 3: „Das Ziel ist es, dass wir das Interesse der Landwirte innerhalb Deutschlands zunehmend für Qualitätsfleisch-Programme auch fördern und gleichzeitig auch vonseiten der Verbraucherschaft dem Trend zu mehr Tierwohl- Fleisch Rechnung tragen können. Wir haben jetzt schon das Angebot flächendeckend in allen Filialen bundesweit.“ Doch wie viel Tierwohl steckt wirklich drin?

Der Aufwand kostet

mex macht sich auf den Weg ins  schwäbische Kupferzell. Ein Schweinemastbetrieb dort liefert an Kaufland. Knapp 1.400 Schweine werden hier für die Haltungsstufe 3 gemästet. Vor 2 Jahren baute Volker Baumann zusammen mit anderen Landwirten den Stall. Die Kosten betrugen 1,5 Millionen Euro. 40 Prozent gab es Zuschüsse vom Land Baden-Württemberg: „Das wesentliche Element ist, das sie Festfläche haben mit einer Heizung drunter und auf der Fläche befinden sich eine Struktur aus Stroh und Futter. Wenn man die Tiere genau beobachtet sieht man, dass die Tiere sich den ganzen Tag schnüffeln und sich damit beschäftigen.“

Und anders als in herkömmlichen Ställen, haben die Sauen hier 40 Prozent mehr Platz und dank Fußbodenheizung durchgängig  20 Grad Wohlfühltemperatur. Jederzeit können die Schweine den Stall wechseln. Von draußen kommt frische Luft. Auf der Wiese stehen die Schweine allerdings nicht.Außenklima nennt sich das und so steht es dann später auf dem Schnitzel. Ein Aufwand, der kostet.

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So rechnet der Tierwohl-Landwirt:

Pro Schwein gibt es 9 Euro Fördergelder vom Land. Kaufland zahlt 20 Euro pro Tier für Stufe 3 obendrauf. So bekommt der Landwirt auf 1 Kilo Schlachtgewicht fast doppelt so viel, wie ein herkömmlicher Schweinemäster.

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Steuer auf Fleisch?

Ein erster Ansatz, den auch Wissenschaftler wie Agrarökonom Achim Spiller gut finden: „Viele dieser Betriebe haben in der Vergangenheit gar keine Mehrerlöse bekommen für Schweinefleisch, sondern das ging ganz normal in den üblichen Markt. Sie mussten zu ganz normalen Preisen verkaufen.“So rechnet sich also eine Umstellung für die Bauern. Aber gerade mal 60 Landwirte hat Kaufland unter Vertrag. Die Realität: 20.000 Mastbetriebe konventioneller Art, also Massentierhaltung mit Haltungsstufe 1. 

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Fleisch
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Würden die alle auf Tierschutz umsteigen, würde das immens teuer werden.  Agrarökonom Achim Spiller hat das für die Bundesregierung ausgerechnet: „Wenn wir mal sagen, es kostet insgesamt 5 Milliarden Euro. Das ist die Summe, die wir im wissenschaftlichen Beirat ausgerechnet haben. Dann wird da nach den heutigen Kalkulationen vielleicht eine Milliarde vom Verbraucher an der Ladentheke kommen können und die anderen 4 Milliarden Euro, die werden wohl von der Agrarpolitik kommen. Und das könnte zum Beispiel heißen, dass wir eine Steuer auf Fleisch benötigen.“

Und was zahlen die Kunden dafür mehr? Bei Kaufland kostet das Kilo Schnitzel aus der Massentierhaltung keine 5 Euro. Verbraucher zahlen beim Tierwohl -Schnitzel knapp das Doppelte. Prof. Dr. Spiller meint: „Es gibt Verbraucher die das Doppelte Fleisch zu zahlen bereit sind. Das sind so nach den Studien vielleicht 20 bis 30 Prozent der Verbraucher, die diese Zahlungsbereitschaft mitbringen.“

Der Anteil an Tierwohl-Fleisch bei Kaufland beträgt derzeit unter 10 Prozent. Aber immerhin haben Verbraucher zum ersten Mal, seit dem es die Haltungskennzeichnung gibt, die Wahl: Wer bessere Tierhaltung will, muss dafür aber auch mehr Geld bezahlen.

 Autorin: Barbara Berner