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Das Image des raffgierigen und reichen Bankers hat sich durchgesetzt. mex will wissen: Was verdienen Bank-Mitarbeiter wirklich? Und welche Jobs stehen in Zukunft auf der Kippe?

Wir sind raus aus der Finanzmetropole Frankfurt. Im Forum in Wetzlar fragen wir: Was denken Hessen über Banker? Wir lernen: Das Image ist mies. Wohl auch, weil deren Gehalt falsch eingeschätzt wird. Laut Statistischen Bundesamt ist das Durchschnittseinkommen  5.238 Euro brutto im Monat. Zum Vergleich: Das deutsche Durchschnittsgehalt für alle Branche: 3.880 Euro brutto. mex besucht eine Banker-Demo in Wiesbaden. Der Tarifkonflikt ist die passende Gelegenheit, um mal mit Bank-Mitarbeitern über ihr Gehalt zu sprechen.

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  • Lars Denninghoff ist Kundenberater bei der Naspa in Katzenelnbogen und verdient 4.200 Euro brutto im Monat. Lars Denninghoff erzählt: „Also es gibt natürlich top bezahlte Bankmitarbeiter. Die Realität sieht anders aus. Wer draußen vor Ort am Kunden arbeitet, das wird wirklich nicht sehr gut bezahlt. Und der Druck, der immer wieder aufgebaut wird, ist sehr hoch.
  • Eleni Papadopoulou von der Naspa in Biebrich verdient 3.400 Euro im Monat: „Also es ärgert mich schon, weil man über einen Kamm geschert wird. Und es wird gesagt, die verdienen viel Geld, denen geht es super.“  
  • Heike Oeser arbeitet in der Commerzbank-Zentrale für rund 4.900 Euro brutto im Monat: „Wir haben seit Jahren Nullrunden und wir kriegen halt nicht mehr Geld. Es ist keineswegs ein Inflationsausgleich. Natürlich gibt es auch andere Abteilungen, aber da wo wir Normalos arbeiten, ist es halt eben nicht so. Das ist ein Klischee.“
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Die fetten Jahre sind vorbei

Woher kommt dann aber das Klischee von den Bankern als Topverdiener? Eine Antwort: Die vielen außertariflichen Gehälter in der Bankenbranche. Ein Mitarbeiter im Firmenkundengeschäft verdient 7.800 Euro im Monat, der Bereichsleiter 24.000 Euro. Noch krasser im Investmentbanking: Der Mitarbeiter kommt auf 9.600 Euro im Monat. Der Bereichsleiter sogar auf 53.000 Euro. Im Monat.  So viel verdienen andere Bank-Mitarbeiter im ganzen Jahr.  Doch die fetten Jahre sind auch für Top-Verdiener vorbei, erfahren wir an der Frankfurt School of Finance.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Bild © picture-alliance/dpa

Bankenexperte Professor Michael Grote beobachtet genau, wie eine gesamte Branche unter Druck gerät: „Diese ganz großen Gehaltssprünge sehen wir nicht mehr in den Banken. Wenn Sie anschauen, wenn Stellen neu besetzt werden, dann ist häufig so, dass der nachfolgende Person auf der gleichen Stelle erheblich weniger verdient als diejenige Person, die sie dann ersetzt hat.“

Kein Wunder, denn es wird seit Jahren Personal abgebaut. Konkret: Mitte der 90er war der Höhepunkt mit 750.000 Mitarbeitern in der Bankenbranche. Aktuell sind es noch rund 500.000. Und in Zukunft werden gerade noch 250.000 Arbeitsplätze übrig bleiben. Die meisten Sorgen müssen sich Mitarbeiter in den Filialen machen – da machen Online-Banking und Apps viele Jobs überflüssig.

Nur die Hälfte wird noch gebraucht

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Dagegen sind IT-Experten auch bei Banken mehr denn je gefragt, weiß Grote: „Wenn wir uns die effizientesten Banken heute angucken, die also am schlanksten produzieren können, und deren Geschäftsmodell nehmen würden und auf die restlichen Bankgeschäfte übertragen, dann kommen wir etwa darauf, dass wir noch die Hälfte aller Bankbeschäftigten brauchen. Also etwa diese 250.000.

Da passt es ins Bild, wenn 30.000 Arbeitsplätze oder mehr bei einer Fusion aus Deutscher und Commerzbank in Zukunft wegfallen sollen. Ein solcher Verlust ist hart, aber der Protest der Betroffenen ist im Vergleich zu anderen Branchen noch sehr zaghaft. Da wird sich der eine oder andere Banker noch umstellen, wenn der Druck in der Bankenwelt immer weiter zunimmt.

Schlechte Zeiten für Banker. Der Ruf hat gelitten, die Jobaussichten mehr als ungewiss. Vom Traumjob Banker ist wenig übrig geblieben.

Autor: Steffen Clement