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Energydrinks

Die Getränkedose boomt, mittlerweile wird sie wieder milliardenfach verkauft. Und das obwohl jeder weiß, dass Dosen die Umwelt vermüllen und nicht gerade ressourcenschonend sind. In Hessen, dem Land des Apfelweins, ist Äppler in Dosen besonders beliebt. Warum ist die Dose wieder da?

Getränkedosen sind praktisch und kompakt, passen gut in den Kühlschrank, lassen sich gut transportieren, sehen immer hübscher aus - und machen unheimlich viel Müll. Genau deshalb wollten wir sie vor vielen Jahren endlich loswerden, die Einführung des Einwegpfands sollte dabei helfen: „Das Pfand dämmt die Einwegflut ein, die mit zunehmender Wucht ökologisch vorteilhafte Mehrwegsysteme vom Markt drängt", lautete der Plan des damaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin. Das ist schiefgegangen.

Im Jahr der Einführung sank die Zahl der verkauften Dosen zwar drastisch von 7,5 Milliarden auf 300 Millionen. Mittlerweile sind es aber wieder mehr als drei Milliarden, im Jahr 2020 werden es voraussichtlich schon über vier Milliarden sein.        

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Hintergrund zum Einwegpfand

Seit dem 1. Januar 2003 gilt in Deutschland das Einwegpfand, besser bekannt unter dem Namen Dosenpfand. Für pfandpflichtige Einweg-Verpackungen beträgt das Pfand seitdem 25 Cent. Ziel der Regelung war es, die umweltschädlichen Dosen und Plastikflaschen aus dem Handel zu verdrängen und die Mehrwegquote zu erhöhen. Der Start gelang: Waren es im Jahr 2002 noch 7,5 Milliarden verkaufte Dosen, sackte die Zahl im Jahr 2003 auf lediglich 300 Millionen.

Doch seit einigen Jahren boomen die Verkaufszahlen wieder. Im Jahr 2011 waren es erstmals wieder mehr als eine Milliarde Dosen. 2018 waren das nach der Prognose des „Forum Getränkedose“ – der deutschen Division des europäischen Dachverbands „Metal Packaging Europe“ (MPE) mehr als drei Milliarden. Im Jahr 2020 soll bereits die Vier-Milliarden-Marke überschritten werden.           

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Äppler in Dosen läuft prächtig   

In Hessen verkauft sich - naturgemäß - Apfelwein in der Dose glänzend. Benedikt Kuhn, der Gründer des Unternehmens „Bembel with Care“ aus Reichelsheim hat schon 2007 auf die Dose gesetzt. Während im Jahr 2016 knapp über acht Millionen Dosen abgefüllt wurden, waren es 2018 bereits 14,2 Millionen. Auf die Äppler-Dosen gibt es nicht einmal Pfand, denn weinhaltige Getränke wie Apfelwein sind in Deutschland von Pfandsystem ausgenommen.

Sie landen direkt im Müll, oder noch schlimmer: in der Natur: „Wenn die Getränkedose nicht ordnungsgemäß entsorgt und einfach in die Natur geworfen wird, dann dauert es Jahre lang, bis sie einfach verrostet ist“, meint der Umweltexperte Jürgen Stellpflug. Da sie beschichtet mit Kunststoff sei, würde dieser Kunststoff dann noch ein paar hundert Jahre in der Natur bleiben.

Kuhn wundert sich darüber, dass auf Äpplerdosen kein Pfand erhoben wird. Ihm sei völlig schleierhaft, warum es solche Lücken gebe: „Wenn die Umweltministerin sagen würde, wir bepfanden jetzt alles, was in die Dose kommt oder alles was im Tetrapack oder andere Einweggebinde, dann wäre das durchaus sinnvoll.“ Aber stimmt das überhaupt? Gerade der Erfolg der Pfandautomaten in Supermärkten und Discountern könnte dafür gesorgt  haben, dass die Dose wieder salonfähig geworden ist. Hat der Dosenpfand den Boom letztlich sogar befeuert?

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Fragen und Antworten zum Einweg-Pfand ("Dosenpfand") bei der Verbraucherzentrale

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Bequeme Rückgabe durch Pfandautomaten  

Leere Bierkästen der verschiedensten Brauereien stehen auf dem Hof einer Getränkefirma in Limburg.

Es sieht so aus, und dabei spielt auch der Bierkonsum eine wichtige Rolle. Denn Aldi & Co setzen bei Bier mittlerweile auf die Dose. Seit die Dosen am Pfandautomaten zurückgegeben werden können, explodieren die Zahlen beim Discounter. Das bestätigt Aldi auf Anfrage: „Die Akzeptanz von Bier in Dosen ist durch das Angebot von bekannten überregionalen Biermarken in Dosen insgesamt gestiegen. So konnten wir unser Sortiment in diesem Bereich breiter und vielfältiger aufstellen.“

Aber auch die immer beliebter werdenden Energydrinks, Erfrischungsgetränke oder Limonaden in Dosen lassen sich bequem vor dem Einkauf über die Automaten zurückgeben, der Pfand wird dann von der Einkaufssumme einfach abgezogen.

„Umweltmäßig eine Riesensauerei“

Getränkedosen - Sujet

Für die Industrie ist das alles auch aus Gründen des Umweltschutzes eine gute Sache. Sie wirbt bei Dosen mit Pfand mit einer Recyclingquote von rund 98 Prozent. Ist der Dosen-Boom also kein Problem? Der Umweltexperte Stellflug sieht das ganz anders: „Wozu werden die Dosen denn recycled? Aus einer Getränkedose wird keine Getränkedose mehr." Aus Aluminium werde oft minderwertigeres Aluminium, weil die Getränkedosen verunreinigt mit einer ganzen Menge Stoffe seien.

Trotz der hohen Recyclingquote, müsse deshalb immer wieder neues Material und vor allem neues Aluminium für die Getränkedosen verwendet werden, weiß Stellpflug: "Die Aluminiumgewinnung verschlingt unheimlich viel Energie und ist umweltmäßig eine Riesensauerei.“ Trotz Recycling ist das Comeback der Dose also wegen der Herstellung und Entsorgung eine schlechte Nachricht. 

Autoren: Naïma Kunze, Thomas Spinnler