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zum Video Tüten-Tod - Wie Aldi den Gemüsebeutel teuer macht

Viele Lebensmittelmärkte wollen in Zukunft auf den Plastikbeutel verzichten

Beim Kampf gegen Plastik geht es jetzt den sogenannten Hemdchenbeuteln an den Kragen. Immer mehr Supermärkte bieten Alternativen zum Plastik an. mex will wissen, welche Supermärkte zu welcher Maßnahme greifen und was bei den Kunden am besten ankommt.

Drei Milliarden Hemdchenbeutel jährlich

Die Plastiktüte ist bereits aus fast allen Supermärkten verschwunden. Nur in den Obst- und Gemüseabteilungen gibt es sie noch: die durchsichtigen Einwegbeutel, auch bekannt als Knoten- oder Hemdchenbeutel. Drei Milliarden dieser Beutel verwenden die Deutschen jährlich, das sind durchschnittlich 37 pro Person.

Aldi Süd will ab September einen Cent pro Plastikbeutel kassieren

Wie es in Hessen aussieht, prüft mex in einer Stichprobe auf dem Aldi Parkplatz in Groß-Umstadt im Kreis Darmstadt-Dieburg. Rund 80 Prozent des Obst und Gemüses sind im Discounter ohnehin schon in Plastik verpackt. Wer auf die umweltfreundliche, lose Ware zurück greift, transportiert sie dann meist im Plastikbeutel. Eine Stunde zählen wir mal nach, wie viele Plastiktüten wir bei wie vielen Kunden finden. Das Ergebnis: In rund 20 Einkaufswagen liegen insgesamt 47 Hemdchenbeutel - das ergibt im Schnitt 2,4 Beutel pro Einkauf. Doch genau diese Beutel kosten bei Aldi Nord und Süd bald Geld. Ab September werden ein Cent pro Beutel fällig.

Zu wenig - sagt die Deutsche Umwelthilfe. Denn um den massenhaften Verbrauch von Einwegtüten zu stoppen, müssten mindestens 22 Cent bezahlt werden. Warum nimmt Aldi nicht mehr? Und welche Alternativen bieten sie ihren Kunden? Auf eine schriftliche Anfrage von mex antwortet uns Aldi Süd: "Wir möchten unsere Kunden schrittweise an ein Umdenken (…) heranführen. Daher bieten wir die neuen Knotenbeutel zunächst für einen Cent an. Ab Herbst finden Kunden zusätzlich Mehrwegnetze in unseren Filialen.

Andere Lebensmittelmärkte haben Angst Kunden zu verlieren

Bei EDEKA Richter in Groß-Umstadt hält Geschäftsführer Dennis Richter überhaupt nichts von der Aldi 1-Cent Regelung. Vor allem deshalb, weil er Angst hat, Kunden zu verlieren, wenn er Tüten nicht kostenlos anbietet: "Dann verliere ich Kundschaft. Das muss in der Industrie und Politik passieren. Wenn die sagen, wir schaffen Plastiktüten ab, dann schaffen wir sie alle ab. Dann ist zwar das Geschrei groß aber es kommt nicht von mir".

Wäre das Geschrei denn so groß? Einen Vormittag beobachten wir das Kaufverhalten der Kunden im EDEKA und stellen erstaunt fest, dass viele bereits Mehrwegbeutel benutzen. Und diejenigen, die die Mehrwegbeutel noch nicht haben, haben andere Ideen für den Transport ohne Plastik. Dennoch möchte EDEKA und auch REWE die Plastikbeutel erst mal nicht aus dem Sortiment nehmen.

Keine Plastiktüten bei Alnatura

Bei Alnatura in Darmstadt gibt es seit wenigen Wochen überhaupt keine Plastiktüten mehr. Als allererster von allen Händlern hat der Bioladen Ende Mai die Knotenbeutel komplett aus dem Sortiment verbannt. Und das obwohl Obst und Gemüse hier ausschließlich lose angeboten werden. Hat Alnaturas Verpackunsexpertin Isabell Kuhl keine Angst, Kunden zu verlieren? "Wir haben uns da was anderes überlegt und konsequent gesagt, wir schaffen die Beutel ab. 60 Prozent unserer Kunden hat auch vorher schon unverpackt gekauft. Da war also schon der Wille da diesen Schritt mitzugehen", vermutet die Verpackunsexpertin. Als Alternative gibt es bei Alnatura jetzt Mehrwegbeutel.

REAL will diesen Schritt als nächster gehen. Im Jahr 2020, will auch dieser Verbrauchermarkt die Knotenbeutel komplett aus dem Sortiment streichen.

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Das mex-Fazit

Positiv ist, dass immer mehr Einzelhändler das Problem erkennen und neben dem Plastikbeuteln auch Alternativen anbieten. Teilweise sind die Kunden aber schon weiter und versuchen die Hemdchenbeutel ganz zu umgehen.

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Ein Beitrag von Anke Heinhaus