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zum Video Ungewisse Zukunft - Wie Hessens Autozulieferer kämpfen müssen

Bauarbeiten am Continental-Hauptsitz in Hannover.

Durch den Umbruch gerät die gesamte Automobilindustrie in eine Schieflage. Job-Abbau, Werkschließungen, Verlagerungen ins Ausland - Mex will wissen, wie sich die Krise der Autoindustrie auf die Beschäftigten auswirkt?

Bei Continental in Babenhausen sind 2.650 Arbeitsplätze in Gefahr. Conti will sich schrittweise aus der Serienproduktion von Steuerungsinstrumenten zurückziehen. Das wollen die rund 3.600 Mitarbeiter nicht hinnehmen. Fast 2.000 gehen auf die Straße, um zu protestieren. Zum Beispiel der 23-jährige Sascha Stampfer. Er ist Werkzeugmechaniker und vertritt die Jugend und Auszubildenden im Werk: „Unser sogenanntes Top-Managment sagt immer, man hat diesen Wandel nicht gesehen. Ich bin jetzt seit drei Jahren, dieses Mal auf der IAA gewesen und man hat gesehen, dass die Digitalisierung der Displays immer weiter vorangetrieben wird. Und dann wollen die Leute, die Millionen verdienen, mir sagen, dass man diesen Wandel nicht gesehen hat. Das ist komplett ein Managementfehler.“

Der Vorstand von Conti, Helmut Matschi, wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Der Umbruch in der Automobilbranche passiert einfach zu schnell, um ihn bewältigen zu können: „Nur so können wir letztendlich dem Wettbewerb standhalten und unsere Zukunft absichern. Natürlich ist uns extrem wichtig, dass wir diese ganzen Maßnahmen möglichst sozialverträglich machen können, und darum gehen wir auch so früh auf unsere Mitarbeiter zu.“

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Insgesamt arbeiten über 54.000 Hessen in 65 hessischen Unternehmen der Automobilindustrie. Das sind 13,2 Prozent im Ranking hinter Arbeitsplätzen in der Chemie auf Platz zwei aller Branchen. Die wichtigsten Standorte sind: Opel in Rüsselsheim, VW im Raum Kassel, Continental in Bebra, Karben, Korbach und Babenhausen, JD Norman in Witzenhausen, Bosch in Kassel, Fulda, Wetzlar und Frankfurt, Norma Group in Maintal.

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Damit sie sich schnell woanders bewerben können? Aber wo finden über 2.000 Menschen einen Job in der Autoindustrie? Denn sie steckt in ganz Deutschland in der Krise. Jochen Weihert arbeitet seit 48 Jahren bei Conti, als Maschinenbauer und im Betriebsrat. Er ist entsetzt:  „Das gibt einen Kahlschlag für die ganze Region und hier in Babenhausen wird es nicht nur die Stadt merken mit den verminderten Steuereinnahmen. Es wird auch der Bäcker und der Metzger wird es merken. Da blutet mir das Herz.“ Denn für Babenhausen würde ein Weggang von Conti  35 Prozent Steuereinbußen bedeuten.

Abschied vom Verbrennungsmotor

Continental-Standort Babenhausen

Auch Norma will auf scharfen Sparkurs gehen, JD Norman in Witzenhausen meldete Insolvenz an und Bosch wird von der geringeren Dieselnachfrage getroffen, um nur einige kränkelnde hessische Autozulieferer zu nennen. Haben sie alle die Zukunft verschlafen?

Tim Heldt ist Chefanalyst einer großen norwegischen Bank in Frankfurt, Pareto Securities. Er ist für den Bereich Automobilindustrie zuständig und sieht die Zuliefererfirmen als Opfer, denn der Verbrennungsmotor wird ausrangiert: „Ich würd nicht sagen, dass die Zuliefererunternehmen die Zukunft verschlafen haben. Ich denke ihr Problem ist, dass sie an den Autoherstellern hängen und da haben die deutschen Hersteller eben in den letzten Jahren, gerade was die großen Zukunftstrends angehen, relativ wenig . Deshalb hängen die Zulieferunternehmen da letzten Endes mit dran und sind damit ein bisschen einfach mitgefangen.“

„Wir werden Tausende Arbeitsplätze verlieren“

Und sie sind für die Zukunft schlecht aufgestellt. Denn zwei Drittel der Autoproduktion wird sich auf rein elektrische Fahrzeuge konzentrieren. Eine Produktion, die weit weniger Beschäftigte brauchen wird, weiß Heldt: „Die Batterien sind sehr hochautomatisiert, wenn sie gefertigt werden, also wir werden Tausende Arbeitsplätze in Deutschland verlieren und damit muss das Land als Ganzes sicherlich auch mit umgehen lernen.“

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zum hessenschau.de Video Protest gegen Jobbabbau bei Continental

Continental-Mitarbeiter protestieren in Babenhausen.
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Denn es kommen tektonische Verschiebungen auf uns zu: Wachstum wird in Asien erwartet. Und genau dort werden bereits die Fahrzeuge der Zukunft gebaut. Ohne Conti und Co.?

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Das Mex-Fazit:

Was in Babenhausen passiert, ist erst der Anfang. Die Krise der Autoindustrie trifft die Beschäftigten hart. Und die Frage ist nicht mehr, ob Menschen ihren Job verlieren, sondern wo und wann.

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Autorin: Katrin Wegner