Ein Baum ist in ein Haus gestürzt

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Schäden durch Naturkatastrophen: Die scheinen auch in Hessen mehr zu werden. Die finanziellen Gesamtschäden können enorm sei. Wie versichert man sich angemessen? mex geht der Sache nach.

Normalerweise ein Bach, Mitte Mai ein reißender Strom, für Kaufungen eine Katastrophe. Ein starkes Gewitter lässt die Losse in Nordhessen über die Ufer treten. Anwohner bangen um ihr Hab und Gut, trotz Hilfe der Feuerwehr. Knapp einen Monat später: Das Grundstück von Adolf Heinzemann liegt direkt am Fluss. Der Rentner guckt jetzt wieder auf seine idyllische Losse, Normalpegel 90 Zentimeter. Vorher reichte das Wasser dreimal höher, bis ans Ende der Messlatte.

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Neue Regenrückhaltebecken in Planung

Nach den starken Überschwemmungen in Kaufungen im Mai fordern Anwohner einen besseren Hochwasserschutz. Adolf Heinzemann hofft, dass es für den Fluss Losse bald mehr Abflussmöglichkeiten gibt, so wie das schon in anderen Orten in Nordhessen der Fall sei. "Ich bin ein bisschen neidisch auf die Baunataler, die hatten früher immer Hochwasser. Seit einigen Jahren, als Regenrückhaltebecken dort gebaut wurden, hört man gar nichts mehr von da." Im vergangenen Jahr hat der Wasserverband Losse immerhin den Bau eines Schutzbeckens nahe dem Nachbarort Helsa beschlossen. Allerdings nimmt der Bau mitsamt dem notwendigen Planfeststellungsverfahren, das im nächsten Jahr beginnt, einige Zeit in Anspruch. Der Polder wird wahrscheinlich in vier bis fünf Jahren fertig gestellt sein.

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Seine aufgeweichten Möbel im Keller hat er schon entsorgt, die elektrische Orgel kommt auch bald weg. Er rechnet mit 10.000 Euro Gesamtschaden. Seine Versicherung übernimmt die Wasserschäden am Gebäude, stellt die Trocknungsgeräte zur Verfügung. Damit die Wände nicht schimmeln: „Das ist das Wichtigste, deshalb braucht man auch die Elementarschaden-Versicherung wenn Gefahr besteht dass man Hochwasser kriegt. Sonst kann man das ja gar nicht alles selber machen und bezahlen auch nicht.“

Zahlen musste er nur seine Elementarschadenversicherung. Die kostet in seiner Gefährdungsklasse direkt am Fluss etwa 270 Euro pro Jahr. Wer nicht direkt am Bach wohnt, zahlt unter 100 Euro im Jahr. Gut angelegt, findet Tim Staeger, hr-Meteorologe im ARD-Wetterzentrum in Frankfurt: „Extremere Starkniederschläge, vor allen in den Sommermonaten, werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auch in Hessen zunehmen.“

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Die Folgen des Klimawandels?

Stefan Tornow ist seit 16 Jahren bei der Feuerwehr in Kaufungen. Jeder dritte Einsatz sei inzwischen ein Unwetter-Einsatz, erzählt er: „Wir hatten Blitzeis, dass im ganzen Ortskern eine Eisschicht war, dass die Feuerwehrkameraden gar nicht zum Feuerwehrhaus kommen konnten, weil es so glatt war,  weil der ganze Verkehr zum erliegen kam. Wir waren letztes Jahr in Baunatal zu einem Waldbrand und aber auch der Sturm letztes Jahr, also es ist jedes Jahr irgendwas.“ Die finanziellen Gesamtschäden können enorm sei. Das zeigt der Blick auf die bislang schwersten Naturkatastrophen in Deutschland seit 2002.

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Damals sorgte das Oder-Hochwasser im August für einen geschätzten Schaden von 4,2 Milliarden Euro. Der Sturm Kyrill 2007: 3,3 Milliarden Euro. Die Hagelstürme Andreas und Bernd im Jahr 2013: Rund 3 Milliarden Euro Schaden.

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Unwetter

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Sind das die Folgen des Klimawandels, auch in Hessen? Von Meteorologe Tim Staeger erfahren wir im ARD-Wetterzentrum, dass der Zusammenhang zwischen Klimawandel und zunehmenden Wetterextremen sehr naheliegend ist: „Es gibt Klimaprojektionen, die legen nahe, dass bis zum Ende des Jahrhunderts auch hier in Hessen die Temperatur um 2 bis 4 Grad höher liegen wird als im vorindustriellen Niveau. Auch Niederschlagsumverteilungen werden sich weiter verschärfen, d.h. Sommertrockenheit auf der einen Seite, aber eben auch extremere Starkniederschläge, vor allen in den Sommermonaten, werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auch in Hessen zunehmen.“

Es gibt vier Gefahrenzonen

Kaum eine Branche erlebt das so hautnah wie das Versicherungsgewerbe: mex ist unterwegs mit Ronnie Kuhlmann. Der Versicherungskaufmann kann sich noch gut an den Sturm Kyrill 2007 und die Schäden in der Wetterau erinnern: „Das war auch hier in der Region ein für mich noch nie davor gewesener Elementarschaden, weil da waren ja teilweise ganze Dörfer unter Wasser gesetzt und da hatten wir natürlich viele betroffene Kunden.“

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In solchen Fällen hilft die Standard-Wohngebäudeversicherung. Die versichert in der Regel bei Sturm und Blitz, bei Hagel, bei Feuer und bei Leitungswasser. Eine zusätzliche Elementarschadenversicherung braucht man, um gegen Regen bzw. Hochwasser, Erdbeben und Schneedruck oder Lawinen abgesichert zu sein.

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Ronnie Kuhlmann schaut heute bei einem Kunden in Bad Nauheim vorbei. Hier erklärt er uns: Beim Schutz vor Hochwasser richten sich die Versicherungsbeiträge nach der genauen Wohnadresse. Wer zum Beispiel direkt am Fluss wohnt zahlt mehr. Insgesamt gibt es 4 Gefahrenzonen: Zone 1 ist am ungefährlichsten, Zone 4 am riskantesten und am teuersten. Am Beispiel von Kaufungen, wo Adolf Heinzemann wohnt, zeigt uns der Versicherungsvertreter, dass es bei der Beitragshöhe manchmal um wenige Meter geht.

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Blitz über Bad Homburg

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Kuhlmann sagt: „Der dunkle, blaue Bereich ist die Elementarzone 4, das betroffene Objekt ist jetzt in der Elementarzone 3, das sehen sie an der helleren Ausfärbung und hier gibt es auch die Elementarzone 2, die fast innerhalb von 3 und 4 liegt. Elementarzone 4 ist versicherbar, da gibt es dann aber erst mal einen so genannten Risiko-Fragebogen, den wir aufnehmen müssen, mit dem Kunden beantworten müssen, um dann ein individuelles Angebot erstellen zu können.“

Investieren, um sich abzusichern

Wie Versicherungsbeiträge nach einem Schaden in die Höhe schießen können, erfahren wir hier in Bad Schwalbach bei der Molkerei Schwälbchen. Vor zwei Wochen sorgte ein heftiger Wolkenbruch für überflutete Straßen. Die Produktionshalle der Molkerei liegt einige Meter unterhalb der Straße. Geschäftsführer Günter Berz-List zeigt uns, wie das Wasser plötzlich von oben und von unten kam.

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Unwetter

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Vor Pfingsten musste er die gesamte Produktion stoppen. Für die Schäden an Decke und Inventar sowie den Produktionsausfall hat der Betrieb zwei Policen: eine Sach- und eine so genannte Betriebsunterbrechungsversicherung. Die wurden 2011 zum ersten Mal in Anspruch genommen. Danach wurde es teurer: „Wir haben damals fast eine Verzehnfachung unserer Versicherungsprämie hinnehmen müssen, auch bei der Selbstbeteiligung. Jetzt jüngst im Juni 2019 der erneute Hochwasserfall: Ich denke schon, dass das uns Diskussionen mit der Versicherung einbringen wird.“

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Wetterextreme machen eben auch vor dem Land Hessen nicht Halt. Hochwasser, Dürre, Hagel oder Sturm zwingen Eigentümer und Unternehmer zu der Frage: Wie viel muss ich investieren, um mit Versicherungen gegen die mögliche Katastrophe abgesichert zu sein? Das muss jeder selbst abschätzen.

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Autor: Daniel Hoh