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zum Video Verdi-Proteste – Wie Menschen mit Niedriglöhnen auskommen

Streikende Busfahrer in Hanau.

Tarifstreik in Hessen, die Busfahrer kämpfen für mehr Lohn. Noch schlechtere Tariflöhne haben zum Beispiel Friseure. Mex will wissen: In welchen Branchen werden die niedrigsten Tariflöhne bezahlt und wer kämpft um mehr?

In Offenbach treffen wir Zacharias Leis. Er ist Betriebsrat und seit 30 Jahren Busfahrer. Was ihn und seine Kollegen in Hessen stört: Sie arbeiten hart, über 170 Stunden im Monat und verdienen weniger als in anderen Bundesländern. Mit 13,50 Euro brutto die Stunde liegt der Nettolohn je nach Steuerklasse zwischen 1.600 und 1.700 Euro. Das reicht vorne und hinten nicht. Mit zwei Kindern, Miete, Strom- und Heizkosten bleibt für viele nicht mal 500 Euro zum Leben übrig.

Deshalb haben viele Busfahrer einen Zweitjob, erzählt Leis: „Als Hausmeister oder irgendwo Regale einräumen, solche Tätigkeiten können schon gemacht werden und werden auch gemacht. Das macht ja niemand freiwillig, zwei Jobs, was nicht sein muss. Entweder muss die Frau noch irgendwo eine Putzstelle suchen, dass 450 Euro rauskommen, damit man von 1.600 vielleicht auf 2.000 kommen kann.“

Professionelle Dienstleistung kostet Geld  

Doch nicht nur die hessischen Busfahrer müssen mit einem niedrigen Tariflohn ums Überleben kämpfen, wie eine Auswahl gelernter Berufe mit niedrigsten Tariflöhnen zeigt. Gebäudereiniger bilden das Schlusslicht mit einem Bruttolohn von 10,56 Euro die Stunde, gefolgt von Friseuren mit 11,22 Euro, Kellner mit 13,33 Euro und Textilarbeiter mit 13,76. Damit liegen die Busfahrer in unserer Auswahl an vierter Stelle. Die am zweitschlechtesten Bezahlten, die Friseure, haben seit 2018 Anspruch auf einen Tariflohn, gerade auch, um Dumpingpreisen entgegen zu wirken. Der festgelegte Tarif liegt bei nur 11,22 Euro.

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Mex im Friseursalon Cam, in Gründau-Lieblos. Süleyman Cam ist Friseurmeister und Inhaber des Salons. Er findet, dass gute Qualität auch seinen Preis haben muss: „Ganz wichtig ist, dass die Löhne in nächster Zeit steigen, wenn ich ein Haarschnitt für zehn Euro machen muss, dann kann ich meine Mitarbeiter ja auch nicht mehr zahlen. Den Kunden muss bewusst sein, dass sie für eine professionelle Dienstleistung, Beratung, auch viel mehr zahlen müssen.“

Haare Friseur

Deswegen hat er seine Preise angehoben. Weil sich Qualität auch auszahlen kann: Sein Geschäft läuft nach wie vor gut. Und damit kann er auch seine Mitarbeiter besser bezahlen. Sie verdienen fast 30 Prozent über dem Tarif.

Aber selbst mit den übertariflich gezahlten 14 Euro die Stunde kann man im Rhein-Main-Gebiet nur überleben, wenn man sich etwas dazuverdient, weiß Cam: „Es kommt ja noch das Trinkgeld dazu, man kann noch nebenbei bei Bekannten, bei Freunden die Haare machen, und dann kommt man schon über die Runden. Aber das ist nicht die Gerechtigkeit. Man müsste doch am Wochenende auch mal die Ruhe haben, sich ausruhen und nicht, dass man am Wochenende noch dazu arbeiten muss, damit man überhaupt überleben kann.“

40 Prozent müssen aufstocken

Und auch die Busfahrer kämpfen weiter ums Überleben. In Frankfurt treffen wir noch einmal Zacharias Leis und andere Busfahrer aus ganz Hessen. Zusammen mit Jochen Koppel von Verdi gehen sie in die nächste Tarifrunde, um bei den  Arbeitgebern mehr Lohn zu fordern.

Laut Verdi müssen etwa 40 Prozent der hessischen Busfahrer mit Hartz IV oder Wohngeld aufstocken. Damit gehört ein großer Teil der Busfahrer zu den 79.000 Hartz-IV-Empfängern in Hessen, die einem ganz normalen Job nachgehen, aber Sozialleistungen beziehen müssen. Und Fahrer, die nicht zum Amt gehen wollen, haben Nebenjobs.

Andere Bundesländer haben das Problem nicht. In Baden-Württemberg bekommen Busfahrer schon längst 16,60 Euro. Deshalb werden Zacharias Leis und seine Kollegen weiter streiken.

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Das Mex-Fazit:

Die Busfahrer in Hessen streiken für mehr Geld. Und auch in anderen Branchen reicht der Lohn kaum zum Überleben. Jeder Fünfte arbeitet bereits im Niedriglohnsektor. Und viele von ihnen kommen nur mit Sozialleistungen und Nebenjobs über die Runden.

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Autorin: Katrin Wegner