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zum Video Tarifverhandlungen – Wie unterschiedlich im Öffentlichen Dienst gezahlt wird

Polizisten im Einsatz im Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens.

Feuerwehrleute, Lehrer, Polizisten: mex will wissen, welche Gehaltsunterschiede es bei den Beamten gibt und warum viele gerne außerhalb Hessens ihren Dienst tun würden.

Wir sind unterwegs mit Tobias Thiele, der seit 17 Jahren bei der Feuerwehr in Wiesbaden arbeitet. Er pendelt jeden Morgen mit dem Auto in die Landeshauptstadt, wie so viele seiner Kollegen: „Also tatsächlich muss ich sagen, dass die meisten meiner Kollegen außerhalb von Wiesbaden wohnen. Das hat ganz klar auch was mit den Kosten zu tun, Wohnungen oder eigene kleine Grundstücke in den Ballungsgebieten selbst zu haben ist natürlich teuer.“ Und als Feuerwehrmann ist das Gehalt nicht gerade üppig, vor allem in den hessischen Kommunen nicht. Tobias Thiele wird nach Besoldungsstufe A10 bezahlt.

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Beamte, die so eingruppiert sind, verdienen in Hessen ohne Familienzuschlag in der Endstufe 3.807 Euro brutto im Monat. In Rheinland-Pfalz und Niedersachsen ist der Verdienst etwas geringer, in den meisten anderen Nachbarländern aber höher. In Bayern sind es monatlich sogar 230 Euro mehr als in Hessen.

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Als Ausbildungsort ist Hessen bei Feuerwehrleuten beliebt, weil die Ausbildung hier besser ist als in manch anderem Bundesland. Doch danach, so Thiele, suchen etliche Beamte schnell das Weite: „Zu meinem beginn 2002, wo ich bei der Rettungsfeuerwehr in Wiesbaden angefangen habe, gab es so etwas überhaupt nicht, da sind die Kollegen, die hier ausgebildet wurden auch noch da geblieben. Aber in den letzten Jahren hat sich das stark verändert, aber die Kollegen verlassen auch immer wieder unsere Feuerwehren.“

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Schwer ist der Wechsel nicht: In Hessen sind die Feuerwehrleute bei den Kommunen und nicht beim Land angestellt. Die Beamten können sich also auf freie Stellen in anderen Städten bewerben.

Gleiche Arbeit, gleicher Verdienst?

Unsere nächste Station: Die Grundschule Am Lindenplatz in Fuldabrück. Hier arbeitet seit knapp 14 Jahren Katja Groh. In ihrem Job wird sie quasi täglich mit den Gehaltsunterschieden konfrontiert. Zum Kollegium gehören zum Beispiel zwei Förderschullehrerinnen, die eine Gehaltsstufe höher eingruppiert werden. Logisch findet sie das nicht: „Die reale Arbeitssituation ist genau die gleiche und eigentlich noch viel schlimmer, weil ja in Förderschulklassen wesentlich kleinere Klassen sind, da sind Lerngruppen von 6,8, 10, 12 Kindern vielleicht. Und ich meine, bei uns sind zwischen 20 und 27, das ist die Regel.“ Katja Groh wird nach Besoldungsstufe A12 bezahlt.

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In dieser Gruppe verdienen Hessens Beamte ohne Familienzuschlag bis zu 4.663 Euro brutto im Monat. In der nächsthöheren Stufe A13 wären es 522 Euro im Monat mehr. Eine gleiche Bezahlung der Lehrkräfte haben andere Bundesländer schon eingeführt oder planen es. Dazu gehören Berlin, Brandenburg, Sachsen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Hessen macht vorerst nicht mit.

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Groh sagt: „Es gibt ja überhaupt keinen Grund dafür, dass die Arbeit einer Grundschullehrerin in Berlin mehr wert ist als in Kassel, da fällt mir nichts zu ein, was das unterstützen würde als Argumentation, dass da jemand mehr verdienen soll.“ Werden denn Lehrer in Hessens Grundschulen künftig höher eingruppiert? mex fragt beim Innenministerium nach. Dort heißt es, dass eine „zeitnahe Realisierung nicht oder nur zu Lasten anderer Projekte möglich“ sei. Um Abwanderungen zu vermeiden, werde Hessen aber „das Gespräch … mit seinen Nachbarländern suchen.“

„Attraktiver Einstiegslohn“

Wie zufrieden sind dagegen Hessens Polizeibeamte? Daniel Klimpke arbeitet im Präsidium in Wiesbaden als Personalrat und engagiert sich auch in der Polizei-Gewerkschaft. Er warnt, dass Hessen im Wettbewerb um die besten Beamten ins Hintertreffen geraten könnte. Weil andernorts für vergleichbare Arbeit mehr verdient werde. Recht groß sind die Unterschiede je nachdem, ob man Landes- oder Bundesbeamter ist. Daniel Klimpke wird nachBesoldungsstufe A10 bezahlt.

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In dieser Gruppe verdient man als Landesbeamter in Hessen ohne Familienzuschlag in der Endstufe 3.807 Euro brutto im Monat. Ein Bundespolizist in der gleichen Besoldungsgruppe verdient hingegen 212 Euro mehr. Mitunter werden die Beamten sogar am selben Ort eingesetzt.

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Daniel Klimpke ergänzt: „Das 19. Revier ist der Frankfurter Flughafen, wo die Landespolizei zuständig ist, also wir. Und nebendran sitzt die Bundespolizei und wenn man dann einen gehaltsunterschied hat, fragt man sich schon, die machen fast die gleiche Arbeit, nur die einen hinter der Abgrenzung, die anderen davor. Aber im Grunde genommen ist da kein Unterschied.“

Auf mex-Anfrage verweist das Innenministerium auf den attraktiveren Einstiegslohn in Hessen. Polizeibeamte würden ihre Laufbahn gleich im gehobenen Dienst und nicht wie oftmals im mittleren Dienst beginnen. „Sie erhalten dadurch bereits zum Beginn ihrer Laufbahn eine deutlich höhere Besoldung und sind auch im Hinblick auf ihre Pensionen mit einem deutlich höheren Lebenserwerbseinkommen ausgestattet.“ Zudem gebe es für die Beamten in Hessen ein kostenloses ÖPNV-Ticket.

Die drei mex-Beispiele allerdings zeigen: Längst nicht jeder Beamte in Hessen ist mit seinem Gehalt einverstanden. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Im öffentlichen Dienst bislang nur ein Versprechen aber noch keine Realität.

Autor: Daniel Hoh