Blutzzuckertest mittels Blutentnahme am Mittelfinger

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In Hessen gibt es mehr und mehr Diabetiker. Mediziner und Krankenkassen sehen dringenden Handlungsbedarf. mex will wissen: Wie teuer kommt die Volkskrankheit die Versicherten? Und: Müssten Millionen Diabetiker gar nicht erst krank werden?

Lothar Ziensheimer  aß jahrelang zu fett und zu süß. Und als Bierfahrer saß der heute 65jährige den Tag über im LKW. Durch Zufall entdeckte sein Arzt,  dass er Diabetes hat. Er ist ein klassischer Typ 2 Diabetiker. Über 90 Prozent der Erkrankten  leiden unter dieser Form.

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Diabetes Typ 2, eine Zivilisationskrankheit

Auslöser: Übergewicht und Bewegungsmangel
Folge: Trägheit der Insulinzellen
Beginn: überwiegend im Alter
heilbar

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Seit 7 Jahren ist Lothar Ziensheimer nun Diabetiker. Inzwischen  hat er seine Ernährung umgestellt. Weil aber sein Diabetes jahrelang unerkannt blieb, hat er heute Folgeschäden: „Meine Nervenbahnen sind nicht mehr durchgängig im Bein und unkontrollierte Schmerzen in der Zehe und in den Fersen. Und das kommt halt durch Diabetes.“

Die Hessische Diabetes-Gesellschaft

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Tipp der Woche

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Derzeit leben in Deutschland  7,6 Millionen Diabetiker. Und die Prognose bis 2020 lautet 12 Millionen - ein Anstieg von 58 Prozent. Mediziner und Krankenkassen schlagen Alarm.

Milliardenhohe Mehrkosten

Wir treffen Norbert Sudhoff den Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse. Wir wollen wissen: Wie viel teurer ist ein Patient mit Diabetes? „Der Versicherte, der keine Diabetes hat, liegt ungefähr bei 2.000 bis 3.000 Euro. Man kann sagen, dass der Diabetes-Erkrankte ungefähr doppelt so teuer ist. Das bedeutet nach der Prognose Mehrkosten von 22 Milliarden Euro. Obendrauf kommen die Folgeerkrankungen. Und die sind die eigentlichen Kostentreiber.

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Die Beispiele

Auge: zwischen 700 Euro  für eine Lasertherapie bis hin zu 3.000 Euro bei Erblindung.
Niere: bis  zu 23.000 Euro bei einem Dialysepatienten
Fuß: offene Wunden 1.300 bis 14.000 Euro bei einer Amputation
Herzerkrankungen: bis zu 20.000 Euro.

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Zucker bereitet so manche Gaumenfreude - hinterlässt bei Dauergenuss aber auch seine Spuren.

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mex trifft den Vorsitzenden der Hessischen Diabetes Gesellschaft Dr. Michael Eckhard. Er fordert gehemmt eine Zuckersteuer. Damit will er Industrie und Verbraucher bei ungesunden Lebensmitteln in die Pflicht nehmen: „Es gibt Kalkulationen die zeigen, wie teuer muss was sein, damit Verhalten sich ändert. Und bei den wirklich deutlich ungesunden Produkten müsste man auch eine Steuer bis hin zu 29 Prozent erheben. Zuckersteuer für Diabetes-Kosten?

Gesunde Ernährung

Wir sind im Clementinen Krankenhaus in Frankfurt. Auch Julia Viol hat Diabetes. Die 13 jährige trägt eine Insulinpumpe, das erleichtert die Therapie. Ihr Diabetes aber ist eine völlig andere Erkrankung als  der Typ 2. 

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Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung

Auslöser: z.B. Viruserkrankungen wie die Grippe
Folge: Zerstörung der Insulinzellen
Beginn: meist im Kindes-und Jugendalter
nicht heilbar

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Ihre  Ärztin, die Kinder- und Jugend- Diabetologin Louisa van den Boom, liest die Daten der Pumpe aus. So kann sie sehen, ob Julia ihren Diabetes im Griff hat. Das verlangt Disziplin von ihr. Ohne Insulin würde Julia nicht überleben. In Sachen Ernährung kennt sie sich gut aus. Gute Chancen für sie, keine Spätfolgen zu bekommen, weiß van den Boom: „Ich glaube schon, dass man durch eine sehr gute Therapie, Pumpe oder Sensor, was auch immer, das Ausbrechen von Folgeerkrankungen in späten Jahren  gut verhindern könnte, wenn Kinder gut eingestellt sind.“ Kaum Zucker, wenig Fett - als Typ-1-Diabetiker lernt sie, sich gesund zu ernähren.

Zurück zu  der Erkrankung Diabetes Typ 2. Lothar Ziensheimer hat 10 Kilo abgenommen. Ein guter Weg, sagt sein Arzt Michael Eckhard, Ärztlicher Leiter Diabeteszentrum Mittelhessen, um vielleicht sogar den Diabetes wieder los zu werden: „Eine Studie aus dem letzten Jahr konnte zeigen, selbst bei schon bestehendem Diabetes, wenn es zu einer relevanten  Gewichtsabnahme kommt, bis zu 80 Prozent der Patienten kein Diabetes mehr hatten.“

Doch  damit werden keine  Neuerkrankungen gestoppt. Die Barmer will viel früher ansetzen: Gesundheit als Unterrichtsfach. Vielleicht hilft ja wirklich eine Zuckersteuer, um die Welle der Diabetiker mit Typ 2 zu stoppen. Bei Zigaretten hat es ja auch zu weniger Konsum geführt.

Autor: Barbara Berner