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Trockener Waldboden mit Fichtenbestand

Was bedeutet die Dürre für Hessens Wälder, wie groß sind die finanziellen Schäden für die Forstwirte? Mex geht auf Spurensuche und fragt nach Lösungen.

Braune Herbstblätter mitten im August - so trocken hat er es bislang selten erlebt: ARD-Meteorologe Tim Staeger beobachtet das Klima normalerweise vom Computerbildschirm aus. Heute macht er einen Abstecher in den nahe gelegenen Stadtpark. Die vertrocknete Eiche auf der verdorrten Wiese ist symbolhaft für diesen Sommer: „Aktuell ist es so, dass vor allem in den tieferen Schichten die Trockenheit noch größer ist als im Vorjahr und die Bäume jetzt stärker leiden, d.h. das zweite trockene Jahr in Folge setzt den Bäumen jetzt deutlich stärker zu als das einzelne trockene Jahr 2018." Das bestätigt die Statistik zur Bodenfeuchte: Die grüne Linie von 2019 verläuft meist unterhalb der roten Linie von 2018, aktuell stecken gerade mal 40 Prozent Feuchtigkeit im Boden.

Wir sind unterwegs mit Frank Wiegand, privater Waldbesitzer in der Gemeinde Frielendorf, nahe Homberg/Efze. Die extreme Trockenheit hat besonders die Fichten erwischt, aber auch andere Baumarten zeigen immer größere Schäden: „Hier vorne rechts auf der Waldspitze, da sieht man ganz deutlich wie die Kiefern auch schon absterben. Es ist eigentlich eine Katastrophe, weil wir eigentlich total hilflos sind und nicht wissen, was wir machen sollen.“

Er ist in diesen Tagen jetzt regelmäßig draußen, man merkt wie groß die Sorge von ihm und anderen Waldbesitzern ist. Etliche Bäume sind von Pilzen befallen, Gesprächsthema Nummer eins unter den Forstleuten ist aber der Borkenkäfer. Wenn Frank Wiegand die Bäume kontrolliert und die Rinde abschneidet, war der Käfer oft schneller: „Hier sieht man ganz deutlich, dass der Käfer schon wieder ausgeflogen ist wieder, in die benachbarten Bäume.“

Der Holzmarkt ist gesättigt

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, den der Forstwirt eigentlich schon verloren hat. Das meiste Holz kann er nicht mehr teuer an die Möbelindustrie verkaufen, es taugt nur noch für Spanplatten oder die Papierherstellung: „Wir haben wenn überhaupt 30 Prozent gutes Holz, das wir zu einem guten Preis noch verkaufen können, einem relativ guten Preis, aber der Rest ist Palettenholz und Industrieholz.“ Seit dem Spätsommer 2018 ist der Holzpreis massiv unter Druck geraten.

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Vor 2 Jahren konnten die Waldbesitzer den Festmeter gutes Fichtenholz noch für rund 90 Euro verkaufen, aktuell liegt der Preis bei rund 40 Euro. Qualitativ schlechter ist das Palettenholz: früher 60 euro, aktuell eher 25 Euro. Und das billige Industrieholz schließlich hat früher 30 Euro eingebracht, jetzt nur knapp 10 Euro.

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Dabei fallen allein für die Baumfällarbeiten schon rund 25 Euro pro Festmeter an. Das bedeutet, es ist gut möglich, dass der Waldbesitzer am Ende der Saison Geld drauf legen muss. Aber er hat keine andere Wahl: Fällt er die Bäume nicht, würde der Borkenkäfer auch noch die letzten gesunden Bestände angreifen: „Der Holzmarkt ist so gesättigt, dass man kaum die Mengen, die man hat, die weg müssen aus dem Wald, um den Käfer in Schach zu halten, dass die gar nicht absetzbar sind. Das ist das allergrößte Problem, was momentan bei uns wir in der Forstwirtschaft in Hessen haben.“

Was also tun mit den Massen an Holz, die den Markt derzeit überschwemmen? Wir sind im Knüllwald, in einem Holzlager von Hessen Forst. Otto Naumann und Florian Koch haben solch eine angespannte Situation auch lange nicht mehr erlebt: Otto Naumann, Revierförster Oberbeisheim, sagt: „Das Holz fließt einfach nicht ab, weil alle Sägewerke arbeiten an der Grenze ihrer Kapazität, machen 3 Schichten, es geht einfach nicht mehr.“ Das Holz, das hier lagert, stammt noch aus dem vergangenen Jahr, insgesamt 35.000 Festmeter.

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Vor 2 Jahren hätte der Landesbetrieb dafür noch rund 3,2 Millionen Euro bekommen. Würde  er jetzt verkaufen, läge der Erlös bei den aktuellen Preisen eher bei 1,4 Millionen Euro.

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Also sagt sich Hessen Forst: Besser liegen lassen bis der Holzpreis wieder steigt. Die Nasslagerung kann dabei am besten die Holz-Qualität erhalten. Florian Koch, Leiter Forstamt Neukirchen, sagt: „Der Vorteil von einem Nasslager im Gegensatz zu anderen Trockenlagern ist, dass wir zwischen 4-5 Jahre Lagerdauer ohne einen Wertverlust nahezu garantieren können.“

Die Lagerkosten sind dabei überschaubar, denn das Wasser gibt es gratis: Es wird aus dem angrenzenden Fluss gepumpt und fließt dorthin auch wieder zurück. Trotzdem: Das Warten auf bessere Preise kommt die Forstämter in Hessen teuer zu stehen. Insgesamt rechnet der Landesbetrieb für 2019 mit weniger Einnahmen in Höhe von rund 20 Millionen Euro.

Hinzu kommen später die Kosten für neue Baumpflanzungen. Die Förster wollen  vermehrt auf neue Sorten setzen, die sich besser an den Klimawandel anpassen. Koch erklärt: „Da sind die populären Baumarten sicherlich die Douglasie und die Roteiche, aber man muss auch über andere Baumarten nachdenken, die man reinbringen kann. Was die Kosten angeht, gibt es da keine signifikanten Unterschiede zu unseren bisherigen Baumarten, die wir ohnehin schon hier haben."

Ein Funke genügt: Waldbrand

Die trockenen Wälder lassen dafür die Kosten der Feuerwehren in Hessen steigen: Im April brachen die ersten größeren Waldbrände aus, rund um Hanau, in Schlüchtern und östlich von Darmstadt in Münster. Insgesamt 70 Waldbrände hat es bis Ende Juli schon gegeben, 18,5 Hektar sind verbrannt, eine Fläche so groß wie 26 Fußballfelder. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 80 Brände aber nur 10 Hektar.

Kersten Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld sagt: „In diesem Jahr konnten wir feststellen, dass selbst die obersten 30 cm des Waldbodens schon wieder vollkommen trocken sind, feuchtefrei sind, so dass wirklich ein Funke genügt, um wieder einen neuen Waldbrand hervorzurufen.“ Das Land Hessen rüstet deshalb auf und schafft zum Beispiel neue mobile Wasserbehälter für die Helikopter an. Seit Sommer 2018 hat der Hessische Katastrophenschutz insgesamt 3,5 Millionen Euro zusätzlich in die Waldbrandbekämpfung investiert.

Zumindest in den vergangenen Tagen hat es einzelne Regenschauer in Hessen gegeben. Trotzdem sind die Böden noch viel zu trocken, weiß Staeger: „Es ist noch lange nicht Zeit zur Entspannung und je nach dem wie die Witterung in den nächsten Wochen weitergeht könnte sich die Trockenheit und die Dürre auch in diesem Jahr wieder verschärfen.“

Der Stress-Test für Hessens Wälder dauert also an. Der Klimawandel zwingt die Forstwirtschaft zum Umdenken: weniger Monokulturen, mehr hitzeresistente Mischwälder. Eine Generationenaufgabe.

Autor: Daniel Hoh