Welche Alternativen gibt es zum Elektroauto?

Das Elektroauto ist in aller Munde. Doch besonders klimafreundlich sind die "Stromer" eigentlich nicht. mex hat zwei umweltfreundliche Alternativen gefunden, über die kaum jemand spricht.

Die IAA hat einen Star: Das Elektroauto. Aber die Kritik an der Elektro-Euphorie wächst. Denn beim aktuellen Strommix sieht die Klimabilanz schlecht aus: Über 100.000 Kilometer sind nötig, damit das Elektroauto den Benziner schlägt. Dagegen sind Erdgas- und Wasserstoffautos immer klimafreundlicher.

Das Wasserstoffauto

Eine Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff mit Hilfe von Luft zu Wasser um. Dadurch wird elektrische Energie freigesetzt. Sie treibt den Elektromotor an. Die Brennstoffzelle erzeugt keine Emissionen, aus dem Auspuff tropft nur Wasser. In Offenbach treffen wir Michael Nutz, er ist stolzer Besitzer eines Wasserstoffautos und einer von 392 "Wasserstoffmobilisten", die in Deutschland registriert sind.

Sein Wasserstoffauto ist eine teure Alternative, denn sein Nexos kostete 68.000 Euro. Der Staat fördert das Gefährt mit 4.000 Euro. Die Reichweite des Autos beträgt bis zu 700 Kilometern. Zurzeit gibt es allerdings erst 72 Wasserstofftankstellen in Deutschland, doch die Anzahl steigt. Wasserstoff ist günstig. Martin Lutz fährt im Schnitt mit 1,1 kg pro 100 Kilometer - ein Kilogramm kostet 9,50 Euro. Das sind 10,50 Euro Treibstoff für 100 Kilometer. Um auf den gleichen Verbrauch zu kommen, dürften dreiviertel aller Benziner nur sieben Liter pro 100 Kilometer verbrennen.

Während die Autoindustrie von Elektro fabuliert, schwört eine Expertin auf Wasserstoff. Die Rüsselsheimer Physikerin Birgit Scheppat erforscht Wasserstoff seit 20 Jahren. Für sie ist Wasserstoff der Treibstoff der Zukunft: "Mein Herz schlägt für Wasserstoff, weil wir wie in der Natur geschlossene Kreisläufe machen können. Wir können aus Wasser mit erneuerbarem Strom, Wasserstoff und Sauerstoff produzieren. Am Ende kommt wieder Wasser raus. Die Energie bekommen wir umsonst - von Sonne und Wind - und können so tatsächlich, ohne langfristig Spuren in der Umwelt zu hinterlassen, Wasserstoffautos nutzen."

Dazu wird viel Strom benötigt, aber auch dafür hat die Physikerin eine Lösung gefunden. Im Energiepark Mainz wird Wasserstoff nicht nur produziert, sondern auch in Tanks gespeichert - und zwar umweltfreundlich. Wasserstoff wird dort mit überschüssigem Strom aus einem benachbarten Windpark produziert. Genug um 2.000 Brennstoffzellenautos dauerhaft zu versorgen.

Trotzdem sind auf der am Mittwoch beginnenden IAA fast nur Elektroautos zu sehen. Dabei sieht deren Klimabilanz beim aktuellen Strommix in Deutschland so aus: Ein Elektroauto fährt erst ab 127.500 Kilometer klimaschonender als ein Benziner. Ab 219.000 Kilometern klimaschonender als ein Diesel. In der Klimabilanz also immer schlechter als ein Erdgas- oder Wasserstoffauto.

Das Erdgasauto

Das Erdgasauto hat einen ganz normalen Motor, der mit Gas betrieben werden kann. Das Gas kommt aus dem Erdgastank und sorgt dafür, dass das Auto keine Schadstoffe ausstößt. Zusätzlich hat ein Erdgasauto aber auch noch einen Benzintank, falls die nächste Erdgastankstelle weiter weg ist.

An der hessischen Grenze zu Bayern treffen wir die Erdgasfahrerin Dorte Meyer-Marquart auf Dienstreise. Sie schwört auf ihr Erdgasauto: "Zum einen sind es die Umweltvorteile, wie weniger CO2-Ausstoß, kein Feinstaub und so gut wie kein Stickoxid".

Für 100 Kilometer zahlt sie 4,30 Euro. Das ist etwa zweidrittel weniger als so mancher Benziner zahlen muss. Erdgas ist damit nicht nur umweltfreundlicher, sondern man fährt auch deutlich günstiger. Das umweltfreundliche "Neue", das auch schon fast 30 Jahre alt ist, setzt sich aber nicht durch. Dabei ist das Erdgasauto eine klimafreundliche Alternative, bestätigt auch Professorin Birgit Scheppat: "Ein Erdgasauto ist ja auch ein Verbrennungsauto. Und es ist auch von der Ökobilanz ein ganzes Stück besser".

Warum setzt die deutsche Autoindustrie trotzdem nur auf Stromer?

"Bei uns in Deutschland sieht es tatsächlich so aus, dass batteriebetriebenes Fahren stark bevorzugt wird. Das ist eine vertrautere Technik. Jeder von uns kennt Batterien, jeder von uns hat Strom Zuhause", vermutet die Rüsselsheimer Physikerin Birgit Scheppat.

Weitere Informationen

In China sollen bereits bis zum Jahr 2025 eine Million Wasserstoffautos über die Straßen rollen. Und bei uns? Elektro-Offensive trotz schlechter Klimabilanz. Weit umweltfreundlicher sind Erdgas und Wasserstoff. Aber die Autoindustrie in Europa verschläft unsere Zukunft.

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Ein Beitrag von Katrin Wegner