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Menschen mit Regenschirm im Wind

Gewitter, Sturmböen, Platzregen: Erst unlängst fegte über das Rhein-Main-Gebiet ein heftiges Unwetter, Millionenschäden waren die Folge. Wie können sich Bürger und Kommunen vor Starkregen schützen?

Für hr-Meteorologe Tim Staeger ist klar, in Zukunft wird es noch ungemütlicher werden: „Es wird auf jeden Fall im Zuge des Klimawandels wärmer, das ist allgemein bekannt. Eine warme Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen und das ist ein Indiz dahingehend, dass auch Starkregen-Ereignisse im Zuge des Klimawandels zunehmen werden. Denn mehr Wasser in der Atmosphäre bedeuten eben auch intensivere Regenereignisse.“

Und nicht nur das: Ein sintflutartiger Regen kann in Hessen überall auftreten, das verdeutlicht der Blick auf die Radarkarte des Deutschen Wetterdienstes: „Also man sieht hier die Häufung von Starkregen seit 2001 und das Bild zeigt eigentlich eher eine zufällige Verteilung, man sieht zwar im Gebirge manchmal Häufungen zum Beispiel in der Rhön oder im Westerwald. Aber auch im Main-Taunus-Kreis gab es viel Starkregen und da spielen Gebirge jetzt überhaupt keine Rolle. Es passt eben nicht überall, der Zufall spielt hier auch eine bedeutende Rolle."

Wasserschutztor einbauen

Mex ist unterwegs mit Erika Nissen, sie ist Ortsvorsteherin von Rambach, einem Stadtteil Wiesbadens. 2014  wurde hier aus dem idyllischen Rinnsal namens Rambach ein reißender Fluss. Handybilder von damals zeigen, wie schnell die Wassermassen kamen. Binnen Minuten wurden Straßen, Keller, Gärten geflutet. An dem Tag wollte der Ort eigentlich sein 750-jähriges Bestehen feiern.

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Auch der Kurpark in Wiesbaden wurde überschwemmt, angrenzende Straßen und Tiefgarage inklusive. Im Kurhaus musste das Mobiliar dran glauben. Der Schaden allein hier: 5,8 Millionen Euro.

Fünf Jahre ist das nun her. Manche Anwohner haben seitdem viel Geld für die Vorsorge ausgegeben. Zum Beispiel Rainer Übel. Sein Elektrobetrieb stand damals unter Wasser. Schaden: 250.000 Euro. Seine Versicherung sprang zwar ein, aber die forderte dann Schutzmaßnahmen gegen das Hochwasser. Sonst wären die Beiträge in die Höhe geschossen: „Wir haben die gesamte Betonmauer praktisch um einen Meter erhöht und haben ein Wasserschutztor einbauen lassen. Wenn also Unwetterwarnungen sind, dann wird das zugedrückt und wird dann verriegelt. 70.000 Euro hat das komplett gekostet."

Barrieren gesucht

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Ein paar hundert Meter weiter, wo die Häuser direkt an den Rambach grenzen: Auch bei Beate Lugner lief der Keller voll. Die Zeit war zu knapp, um alle Möbel und Elektrogeräte in den ersten Stock in Sicherheit zu bringen, der Schaden belief sich auf rund 16.000 Euro.

Die Rambacher hoffen nun, dass unter anderem eine natürliche Barriere einen Schutz bietet. So sollen Äste und Plastikmüll den Fluss nicht mehr verstopfen. Kosten: 66.000 Euro, mitsamt befestigter Wiese.

Und in der Planung ist noch ein Regen-Rückhaltebecken, das oberhalb des Ortes gebaut werden soll. Die Kommunalpolitik muss darüber noch entscheiden. Zwei bis drei Millionen Euro würde es kosten.

Eine Starkregen-Karte für Hessen

Barrieren und Rückhaltebecken: Sind Hessens Kommunen ausreichend auf Starkregen vorbereitet? Mex besucht das Wasserbaulabor an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Prof. Ernesto Ruiz Rodriguez und Heike Hübener vom Landesamt für Umwelt und Geologie leiten hier ein Projekt zum Starkregen. Die Forschung steht bei dem Thema noch ganz am Anfang. Wie schnell Regenwasser über Beton oder eine Wiese fließt, hat noch keiner genau untersucht. Bislang hatte sich die Wissenschaft auf das klassische Hochwasser fokussiert.

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Hübner sagt: „Die Kommunen rennen uns im Grunde die Bude ein und sagen, wir brauchen diese Analysen, wer ist betroffen, wo sind wir betroffen, wie sind wir betroffen und wie können wir uns schützen.“

Der Platzregen von Rambach 2014 ist Ernesto Rodriguez noch in bester Erinnerung. Er versucht derzeit mit Hilfe von Computersimulationen herauszufinden, welche Wege ein Starkregen nimmt. Beispiel: der Neroberg in Wiesbaden. Das Ziel des Projekts ist eine Starkregen-Karten für Hessens Kommunen, mit verschiedenen Gefahrenstufen. Im nächsten Jahr sollen die ersten fertig sein.

Die Zeit jedenfalls drängt, der Klimawandel zwingt Kommunen und Bürger zum Handeln. Die Wassermassen kann man nicht verhindern, aber so lenken, dass sie möglichst wenig Schaden anrichten.

Autor: Daniel Hoh