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zum Video Wochenmarkt-Sterben - Warum sich das Geschäft nicht lohnt

Wochenmarkt

Weniger Kunden, weniger Umsatz: Wochenmarkt-Sterben in Hessen. Mex will wissen, warum es immer mehr Wochenmärkten schlecht geht? Aber es gibt auch Erfolgsmodelle: Wir stellen sie Ihnen vor.

Mex besucht den Wochenmarkt Friedberger Warte in Frankfurt. Von 15 Ständen sind hier nur noch drei übriggeblieben: eine Feinkostbude, ein Hähnchengrill und ein Weinstand. Unter den verbliebenen herrscht Untergangsstimmung. Sebastian Blümel vom Weingut Blümel klagt: "Also wenn es nicht schlechter wird, werden wir bleiben und hoffen, dass es sich einfach verbessert, dass es sich mehr lohnt." Das langsame Dahinsiechen des Wochenmarkts ist kein Einzelfall: Seit Jahren bleiben immer mehr Händler weg. Allein in den letzten acht Jahren sind viele Märkte um bis zu 50 Prozent geschrumpft, weil die Kunden ausbleiben.

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Geldverdienen mit Wochenmärkten ist kaum noch möglich. Wurden im Jahr 2000 noch vier Milliarden Euro umgesetzt, waren es 2018 nur noch 1,4 Milliarden, ein Rückgang von 65 Prozent. Für viele Händler, die eine Anfahrt von 60 bis 100 Kilometer haben, lohnt sich ein Stand kaum mehr.

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Wir sind beim Metzger Rainer Kaufmann in Büdingen. Er hat keinen Laden, sondern verkauft nur auf Märkten. Er hatte bis vor kurzem noch einen Stand auf dem Ginnheimer Markt. Weil aber hier ein Händler nach dem anderen das Handtuch warf, blieb er als letzter übrig und hörte ebenfalls auf. Der Ginnheimer Markt starb und Metzger Kaufmann ist nur noch auf 15 Wochenmärkten vertreten.        Sein Umsatz ist in den letzten zehn Jahren um bis zu 40 Prozent gesunken. Das liegt nicht nur an schlecht laufenden Märkten, sondern auch, weil es schwer ist, gutes Personal zu finden.

Gastronomie-Stände sind gefragt

Michael Lorenz, HVM Frankfurt, managt 20 Wochenmärkte mit 220 Markthändlern in Frankfurt. Er vergibt Stellplätze, erschließt neue Marktorte und untersucht, was sich verändert: "Der Supermarkt und der Discounter sind in jedem Fall Konkurrenten, insbesondere, wenn sich die Sortimente eher angleichen. Der Verbraucher kann den Euro am Ende des Tages nur einmal ausgegeben haben."

Trotzdem gibt es immer noch Wochenmärkte, die extrem erfolgreich sind. Und die findet man mitten in der Stadt. Märkte in Randgebieten aber überleben vor allem wegen ihrer Gastronomie-Stände, weiß Lorenz: "Die Leute kaufen eben nicht mehr in diesen entsprechenden Mengen ein, und konsumieren gerne außer Haus. Und das zeigt sich auch an Wochenmärkten, dass dort mehr nach Speis und Trank nachgefragt wird." Und auf diese Situation müssen sich die Marktstände in Zukunft einstellen.

Ein Markt als Treffpunkt

Mex besucht einen erfolgreichen Markt, mitten in der Stadt in Offenbach. Es ist Freitagmorgen und trotz Regen und Kälte ist er gut besucht. Das Erfolgsrezept ist die zentrale Lage, die Atmosphäre und das Event. Neben dem Markt gibt es zahlreiche Cafés und Restaurants. Und das zieht neben Generation Silberlocke auch Studenten und junge Eltern an, die den Markt als Treffpunkt wählen und um klimabewusst einzukaufen.

Heidi Jung von der Gärtnerei Jung sagt: "Das erste, was die Leute fragen, ist, wächst das bei euch? Und wenn ich mit voller Inbrunst sagen kann, ja, das ist von mir. Und hier auf den Markt kommen wirklich Leute einkaufen, die wollen wissen, wo es herkommt, die zahlen ein bisschen mehr und wollen, dass es saisonal und vor allem auch gerecht angebaut ist."

Fazit: Während die Wochenmärkte an Randlagen aussterben, boomen sie in den Innenstädten. Denn wenn Lage und Ambiente stimmen, kommen die Hessen, um regional einzukaufen, aber auch, um die Atmosphäre mit Freunden zu erleben.

 

Autorin: Katrin Wegner